Burger King

(Ex-) Franchisenehmer und Investoren wollen klagen

Der Unmut unter Burger-King-Franchisenehmern, deren Verträge ihrer Ansicht nach unrechtmäßig vorzeitig gekündigt wurden, könnte zu einer Reihe von Gerichtsprozessen führen. Laut Auskunft der Kölner Kanzlei BridgehouseLaw wurde bereits in mindestens einem Fall Klage eingereicht. Auf der Internetseite www.burgerschaden.de, welche die Naïma Strategic Legal Services eingerichtet hat, werden weitere Betroffene aufgefordert, sich zwecks Bündelung der Kräfte und Aktivitäten zusammen zu schließen.

In dieser Woche berichtete die Financial Times Deutschland in einem ausführlichen Artikel über den ‘Zoff bei Burger King‘. Darin geht es unter anderem um als ‘Killer‘ bezeichnete Mitarbeiter der Münchner Konzernzentrale, die laut dem Bericht geschickt werden, um Restaurantbetreibern mit mangelnder wirtschaftlicher Perspektive auf den Zahn zu fühlen. Hintergrund soll das angebliche Ziel sein, unbequeme Franchisepartner durch solche zu ersetzen, die „sich nicht querstellen, wenn Leistungen der Zentrale wegfallen.“

Behauptungen, die Andreas Bork, Vice President und General Manager Burger King Deutschland, so nicht stehen lassen will: „Burger King und die Mehrheit der über 165 deutschen Franchisenehmer teilen das gemeinsame Ziel, die Expansion der Marke und des Geschäfts in Deutschland voranzutreiben. Das ist nur in langfristiger Partnerschaft mit starken Franchisenehmern möglich.“

Das sieht Dr. Mathias Reif, Geschäftsführender Partner bei BridgehouseLaw Cologne, anders: „Unsere Mandanten – zwei ehemalige Franchisenehmer aus dem Hamburger Raum - berichten von plötzlichen und ungewöhnlich häufigen Restaurant Evaluation Visits (REVs), bei denen nach Kriterien kontrolliert wurde, die für die Betreiber der jeweiligen Restaurants nicht nachvollziehbar waren“, erklärt der Rechtsanwalt. „Unseren Informationen nach wurden die Kontrollen von Burger King-eigenen Mitarbeitern durchgeführt, die Kontrollberichte gaben nur die Auffassung von Burger King wieder und auf Basis dieser einseitigen Berichte wurden die Franchisenehmer gekündigt. Das ist - wenn es sich bestätigt - an sich schon grotesk. Darüber hinaus gab es aber wohl auch nach unseren Informationen kein objektives Punktesystem, wann ein REV als bestanden gilt oder zur Vertragsauflösung führt“, moniert Reif, der seit Jahren als Spezialist für Franchiserecht Franchisenehmer und Franchisegeber bundesweit vertritt und assoziiertes Mitglied im Deutschen Franchise Verband ist. "Das Problem in diesem Fall ist aber kein Franchiseproblem, sondern ein Burger King-Problem. Franchising an sich war und ist eine für beide Partner nachweislich hoch profitable Vertriebsform mit noch enormem Wachstumspotential in Deutschland."

„Die entsprechenden Prozentwerte haben sich nach Meinung der Mandanten offenbar ständig geändert, waren zumindest für sie nicht transparent.“ Auch bestand der Eindruck, dass die Kontrollen sehr ungleich durchgeführt wurden: Franchisenehmer, denen die Kündigung drohte, bekamen demnach wohl besonders häufig Besuch aus der Zentrale. Die Anzahl der von den vorzeitigen Kündigungen Betroffenen sei hoch, da auch die Finanzierung der Investoren, denen man für den Bau der Restaurants hohe Renditen versprochen habe, durch geringere Mieteinnahmen nach Pächterwechsel oder Schließung zusammen gebrochen sei. Reif: „Viele stehen nach dem Auszug der Franchisenehmer aus den Immobilien vor dem Nichts, da die Gebäude nur begrenzt anderweitig genutzt werden können. Sie haben oft nicht die Mittel, gegen einen mächtigen Konzern wie Burger King vor Gericht zu ziehen.“

Seine Mandanten berichteten außerdem, dass die missglückte Marketing-Kampagne Man’s Academy vor einigen Jahren viel Umsatz und weibliche Gästegruppen gekostet habe. Hinzu kamen jüngst der Design-Relaunch und der Einbau von Café-Modulen, deren Kosten im Wesentlichen die Franchisenehmer tragen mussten. „Wer das nicht wollte oder konnte, dessen Vertrag wurde gekündigt. Das ist unserer Ansicht nach nicht rechtens.“ Ziel der Klage, die die Kanzlei beim Landgericht München eingereicht hat, seien ein finanzieller Ausgleich und sowie eine Entschädigung für das nachvertragliche Wettbewerbsverbot.

Das Verhältnis zu den Franchisepartnern sei konstruktiv und transparent, reklamiert dagegen Bork: „Wir haben gemeinsam mit unseren Franchisepartnern sowohl Umsätze als auch Renditen der Restaurants in Deutschland verbessert. Wir stehen in intensivem Dialog, um alle wichtigen Entscheidungen abzustimmen – mit jedem einzeln und mit ihren Interessenvertretern.“ Ziel für 2013 sei es, die Attraktivität der bestehenden Betriebe durch die Remodeling-Initiative und damit die Erlöse weiter zu steigern.

Der drohende Rechtsstreit ist nicht die einzige Negative-Schlagzeile, mit der Burger King in den vergangenen Monaten Aufsehen erregte: Im Oktober wurde für mehr als 20 Franchise-Restaurants in Berlin Insolvenz angemeldet. Die meisten Betriebe gehören offenbar zur Holding BK Systemgastronomie Berlin des größten Multi-Units-Partners von Burger King in Deutschland, Christian Groenke. Der Unternehmer hatte erst 2010 15 Berliner Eigenregie-Betriebe von der Zentrale übernommen. Sie sollen ein jährliches Minus im siebenstelligen Bereich eingefahren haben.

Burger King betreibt in Deutschland zurzeit knapp 700 Restaurants, davon rund 600 durch Franchisepartner. 2011 erlöste die Marke hierzulande geschätzte 790 Mio. € netto – ein Plus von 5,3 %.

Nach fast zweijähriger Abstinenz ging die Muttergesellschaft in Miami im Juni 2012 mit dem Hauptanteilseigner 3G Capital und der Investmentfirma Justice, hinter der unter anderem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen steht, zurück an die Börse. Branchen- und Börsenexperten beobachten, dass seither auf kurzfristige erhöhte Renditeerwartungen der Investoren ausgerichtete Strategien den Druck auf die Ländergesellschaften und damit die Franchisenehmer deutlich verstärkt haben.

www.burgerking.de

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