New York

Flaute bis 2003 erwartet

Die New Yorker Tourismusbranche wird voraussichtlich vier Mrd. US-$ über die nächsten zwei Jahre als Folge der Terroranschläge verlieren. Eine Untersuchung des Convention and Visitors Bureau der Stadt kam zu einem frustrierenden Ergebnis: Nach kurzzeitigem bescheidenem Aufschwung, ausgelöst vor allem durch Goodwill-Besuche von Restaurants und Tourismuseinrichtungen, begann im November die Aktivität wieder abzuflachen. Hinzu kommt, dass Flüge nach New York und Besuche der Stadt generell bei den Konsumenten nach wie vor mit Angst belegt sind. Nach vorläufigen Zahlen besuchten im vergangenen Jahr 14 Prozent weniger Menschen die Stadt als 2000 und ließen 12 Prozent weniger Geld in NYC - ein Minus von zwei Mrd. US-$. Die Belegungsraten der Hotellerie rutschten um 12 Prozentpunkte ab. Die Hotels landeten damit bei einer durchschnittlichen Auslastung von 72,5 Prozent. Im Rekordjahr 2000 konnte die New Yorker Hotellerie ihre Häuser im Schnitt zu 84,6 Prozent füllen. Gleichzeitig verringerte sich der erzielte Zimmerpreis um 13 Prozent auf 206 US-$ pro Nacht (Vorjahr: 237 US-$). Es wird erwartet, dass sich die Belegungsrate bis 2003 weiter auf 68,5 Prozent und die Zimmerpreise auf 181 US-$ pro Nacht reduzieren. Vor allem neue Häuser und Boutiquehotels ohne nationales Reservierungsnetzwerk dürften die Hauptleidtragenden sein. Gleich zum Anfang des Jahres treten vier neue Hotels in Manhattan an: das W Times Square, das City Club sowie zwei Ritz-Carlton Hotels. Das eine davon in Battery Park City in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers hatte die Eröffnung wegen der Katastrophe um drei Monate verschieben müssen. Was ursprünglich als vielversprechender Standort für Ritz-Carltons Neuauftritt in New York angesehen werden durfte, muss nun als fragwürdiger oder zumindest äußerst schwierige Location gesehen werden. Im Herbst betritt zudem mit dem Westin New York am Times Square ein weiterer Wettbewerber den Markt. Selbst wenn es einigen Hotels gelingt, ihre Häuser auch in der gegenwärtigen Flaute zu füllen, drückt auch bei ihnen die angespannte Preissituation auf die Erträge. "Unsere Belegung ist auf das Level vor dem 11. September zurückgekehrt," erklärt Boutiquehotel-Impresario Ian Schrager, "aber die Zimmerraten befinden sich im freien Fall." Auch die Luxushotels haben sich auf dieses vom Preis regierte Umfeld einzustellen. So waren zum Ende des Jahres im Peninsula Hotel Zimmer für 410 US-$ erhältlich - gegenüber 580 US-$ im Jahr zuvor -, und das Waldorf-Astoria versuchte sich in dem Wettbewerb mit Preisen um 238 US-$ zu behaupten - 119 US-$ weniger als 2000. Mit einer scharf kalkulierten Preisstrategie gehört derzeit Amsterdam Hospitality Group zu den Gewinnern am Markt. Der regionalen Hotelkette mit sieben Boutiquehotels in New York im Art Deco-Stil (darunter The Bentley, The Moderne, The Amsterdam) gelang es, die turbulente Zeit nach den Terroranschlägen erfolgreich zu meistern. Während die New Yorker Hotellerie im September auf eine durchschnittliche Belegung von 61,9 Prozent abrutschte, erzielten Amsterdam Hospitalitys Häuser eine Auslastung von 87 Prozent. Die Strategie, die dahin führte: Beschneiden der Zimmerpreise um 30 bis 40 Prozent (auf einen Schnitt von 157 US-$), Promotion-Kampagnen mit nationalen Autovermietern, zusätzliche Incentives für Reiseagenturen und Sympathie (und Imageaufwertung) durch kostenlose Abgabe von Zimmern an Opfer der Terrorattacke. Trotz solcher Positivbeispiele wird das Gros der New Yorker Hotellerie noch eine Weile an den Folgen der Terroranschläge zu knabbern haben. "2001 wird sehr hart für die New Yorker Hotellerie werden," meint Sean Hennessey, Hotelanalyst von PricewaterhouseCoopers. "Wir erwarten, dass sich das Business in der ersten Jahreshälfte weiter verschlechtert, aber im zweiten Halbjahr etwas anzieht."



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