Hamburger Foodservice Preis 2001

Gastronomie & Tanz - die Spaßmacher

Vergessen wir den Goldkettchen-Touch der Disko-Machos. Bei Gastronomie & Tanz ist nix tiefergelegt und keiner Sonnenbank erbräunt. Solide unterfränkisch verschreiben sich Entertainment-Profis hier seit mehr als 10 Jahren der Multiplikation sys-tematisierter Disko-Konzepte - und stehen mit 49 Betrieben in Deutschland als haushohe Marktführer für Kontinuität in dem höchst schnelllebigen Business. Das Jahr 2000 zählte ca. 11,5 Mio. Gäste und 137,5 Mio. DM Umsatz, 2001 ist verstärktes Reagieren auf demographische Veränderungen und Verhaltenstrends angesagt - auch multinational. www.discofun.de Im Prinzip sind wir nichts anderes als McDonald's und Burger King", sagt Thomas Stühler, einer der Gründer und Geschäftsführer der 'Gesellschaft für kommunikative Erlebnisgastronomie'. "Nur: Wir verkaufen keine Hamburger, wir verkaufen Hoffnung. 80 % unserer Gäste kommen, um jemanden kennen zu lernen, um einen Partner zu finden. Das wiegt als Besuchsanlass merklich schwerer, als Spaß zu haben. Unser Part dabei? Wir schaffen den Rahmen zum Wohlfühlen, bieten die Kontaktplattform." Das Bekenntnis zum Mainstream fällt dem Unternehmer dabei nicht schwer, im Gegenteil: Gastronomie & Tanz (G&T) steht für durch und durch breitenverträgliche Diskotheken. "Wir konzentrieren uns grundsätzlich auf das breite Mittelstück der Ausgeh-Klientel. Nicht nur mit Blick aufs Alter. Auch, was den Lebensstil angeht. Wir wollen keine Festlegung auf eine einzige Szene", vertieft Bruno Lehrmann, der seit gut sieben Jahren als weiterer Geschäftsführer mit an Bord ist. Mit breiter Masse hat man angefangen, damit ist man groß und stabil geworden. Gleich mit Gründung der gemeinsamen Company haben sich die Partner der Multiplikation systematisierter Disko-Betriebstypen verschrieben. Eine ziemliche Rarität in diesem nachtlastigen, beverage-beherrschten Business, in dem Solitäre die Regel stellen. Die Argumente pro Franchising waren klassisch: "Rasche Expansion, fremde Mittel, gute Identifikation der Partner mit dem Betrieb." Die Entwicklung eines Partnerschaftssystems (siehe Kasten) erlaubte, sich von seiten der Zentrale voll auf Systemsteuerung und Expansion zu konzentrieren, schlanke Verwaltung ist nach wie vor Diktat. Neu ist, dass man mittlerweile knapp ein Drittel der Betriebe in Eigenregie führt. "Zum einen verfügen wir jetzt über bessere Finanzen, zum anderen gab es hier und da Probleme. Auch eine Standortfrage."
Seit 1999 will man noch mehr, zielt mit Gaudi- bzw. Alpenmax auf die 25- bis 40jährigen. "Warum? Weil die Gruppe der unter 30jährigen durch den Pillenknick schrumpft. Der Kuchen wird kleiner, der Wettbewerb härter. Mit anderen Worten: Uns wächst die Zielgruppe davon. Wir müssen auch den Älteren eine Heimat bieten. Und uns damit Umsatzpotenziale sichern." In den 600 qm großen Betrieben geht stimmungsmäßig richtig die Post ab. Da wird in Skihüttenatmosphäre zu Schlagern geschunkelt, da nährt rustikales Ambiente Urlaubsgefühl. High Life im Gewerbepark. "Denn da kann man so richtig Lärm machen."
Ein Standort ist dabei letztes Jahr völlig aus dem Raster gefallen und war damit Anlass zur Schaffung eines total neuen Konzepts: Fun2000 auf der Expo in Hannover. "So was gab es noch nicht in der BRD", schwärmt Stühler, der das Projekt als Europas aufwendigste und modernste Disko beschreibt. "Über 400 qm Projektionsfläche, hochmoderne Computertechnologie, Laserwerfer, optische Bänke, Beamer und Spiegel sind Top-Voraussetzungen für bislang nicht gekannte visuelle und akustische Eindrücke und Live Acts." Der Raum sei nach der Technik gebaut worden, "es war ein aufregendes und spannendes Engagement." Ein VIP-Bereich sowie 10 Bars sorgen fürs Durst-Stillen, mit neuen Thekenkonzepten hat man sich intensiv dem Thema Cocktail gewidmet. Obgleich der "gemütliche High-Tech-Tempel" mit 8,4 Mio. DM Umsatz (von Juni bis Dezember 2000) den Erlösstar der Kreuzwertheimer stellt, musste man nach Schließung der Expo mit erheblichen Einbrüchen kämpfen. "Uns ist es nicht gelungen, den Leuten klar zu machen, dass unsere Tore offen bleiben. Da waren ordentliche Werbeaufwendungen von Nöten." Etwas Gutes jedoch brachte die Flaute: Man hat einen bisher nie beachteten Bereich in den Fokus gerückt: Veranstaltungen. Während der Cebit war die Disko fünf Tage an Firmen verkauft - "damit machen wir pro Tag gute 150.000 DM Umsatz." Jetzt reift die Idee, auch andere Konzepte durch Einbindung von Bühnen u.ä. Event-fähig zu machen, schließlich sieht man in dem Bereich gute Chancen. In punkto Multiplikation stehen Stühler & Co. für weitere Fun2000-Projekte in Verhandlungen mit zwei Messestädten. Geplant ist, noch vier bis fünf Betriebe in Deutschland umzusetzen. "Da die Investition sehr hoch ist, müssen die Bedingungen optimal sein." Dass Bedingungen und Anforderungen von Gastseite ständig wechseln, zeigten die letzten Jahre. Das Ausgehverhalten habe sich massiv verändert: "Zum einen gehen die Leute in der Frequenz derzeit weniger aus: statt vier- nur noch zwei- bis dreimal pro Woche." Dazu kommt, dass der Gast sich, bevor er in die Dis-ko geht, bereits woanders verpflegt und unterhält: in Restaurants, auf der Cart-Bahn, im Kino. "Das bedeutet, wir kommen erst um 23 Uhr dran, die Verweildauer ist geringer geworden." Über all dem stehen Promille-Problematik, hohe Spritpreise, Handy und Internet - alles Kosten, die am Budget der Gäste nagen. "Unsere kon-zeptionelle Herausforderung für die nahe Zukunft lautet also: Wie bringen wir den Gast früher zu uns, wie können wir ihn länger bei uns halten, damit er sein Geld bei uns ausgibt? Antwort: Wir müssen unser Angebot ausweiten. Multibedarf befriedigen, indem wir neben Tanz und Stimmung auch Food-Lösungen bieten. Das ist grob unsere Marschrichtung." Ein im Herbst startendes Triple-Konzept mit Disko, Tanzcafé und Alpenmax auf 1.500 qm unter einem Dach gilt da als ers-ter Versuch. Im Getränkebereich ist das vor allem die Wendung hin zum Cocktail. Nach Bier, dem mit 35 % wertmäßigem 'Verzehrs'anteil unumstrittenen Starprodukt (Fassbereich rück-läufig, Flaschen im Plus), sind die alkoholischen Mischgetränke neben Energizern die Shooting Stars des letzten Jahres. Die Range an Frozen Drinks und Cocktails erfuhr folglich starken Zuwachs - und dies wiederum wurde im Jahr 2000 von ca. 11,5 Mio. Gästen honoriert. Eintritt und Verzehr zusammengenommen, gibt jeder im groben Schnitt zwischen 18 und 30 DM bei G&T aus - alles in allem landeten im vergangenen Jahr 137,5 Mio. DM netto in den deutschen Kassen. 28 % davon entfallen aufs Eintrittsgeld, das mit 7 DM bis 12 DM "relativ moderat" gehalten wird, praktisch den ganzen Rest generiert die Flüssignahrung. "Grundsätzlich sind Diskotheken ein extrem schnellebiges Aktionsfeld. Ihre lukrative Blütezeit dauert selten länger als die ersten 5 Jahre. Danach wird's mühsamer, weshalb man zwingend für einen raschen ROI sorgen muß: Unsere Betriebe sind im Regelfall nach 3,5 Jahren entschuldet. Nach 2 Jahren schon zu 70 %." Türsteher & DJ nennt Stühler für den operativen Bereich als ganz wesentliche Erfolgsmomente, das A & O lautet Gästebindung. "Der Trick heißt, so viele Adressen wie möglich zu sammeln. Manche unserer Objekte haben einen Pool von bis zu 20.000 Gäste-adressen. Damit arbeiten wir intensiv." Ein satter Stammgastanteil von 30 %, die einmal pro Woche und mehr kommen sowie 60 % Monatstätern dankt den Machern die Vielzahl an Aktionen und Events (Fetenhits-Party, The Abba Revival-Party, Doppeldecker-Party, Ü-30 Party). "Nur durch genügend Abwechslung schafft man Besuchsanlässe und nachhaltige Attraktivität." In Sachen Ausland betritt man Mitte des Jahres mit Frankreich ganz neues Terrain: Im August eröffnet in Metz mit einem Partner aus Luxemburg ein an die Ansprüche der Lothringer adaptierter Kombi-Betrieb, der "u.a. über mehr Sitzplätze und ein völlig anderes Musikkonzept verfügen wird." Lille folgt voraussichtlich 2002 mit einer Art Hannover-Remake. In der Schweiz sind derzeit drei Standorte in Planung - sowohl für die Kombi-Version als auch für ein Alpenmax. "Die Schweiz ist schwierig. Das Hauptproblem liegt hier bei den sehr viel skeptischeren Investoren sowie in der Tatsache, dass typische Gewerbeparks fehlen, was die Mieten in die Höhe treibt." Österreich: Hier hat man abgespeckt, ist nur noch in Wien vertreten, dafür aber "sehr erfolgreich". Die anderen drei Betriebe wurden nach und nach verkauft. Süd-/Osteuropa steht für die nahe Zukunft erst einmal nicht auf dem Plan, dafür aber die Niederlande, wo man bereits eine Tochtergesellschaft gründete, noch aber über kein Objekt verfügt. "Unser Kombi würde hier gut laufen. So was gibt es in Holland noch nicht." Zum guten Schluss die Frage, womit man G&T das größte Kompliment machen kann. "Wenn die Gäste rausgehen und sagen, sie hatten einen tollen Abend und kommen wieder", antwortet Lehrmann. "Das Schlimmste ist", fügt Stühler hinzu, "wenn er den Partner fürs Leben gefunden hat. Dann kommt er erst einmal nämlich nicht mehr so schnell."



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