Spanien

Gute Aussichten für Fast Food & Co.

Das Land der Sonne zählt zu einem der dynamischsten in Sachen Kettengastronomie in Europa: Die Anzahl systematisierter Betriebe wuchs von 2001 auf 2002 nach Angaben von Gira Sic. um 6 %, ihr Umsatz um rund 9 %. „Die Durchschnittswerte für Europa liegen bei 3 % respektive 4 %“, so Michael Jones, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens auf dem 26. ‘Simposium Caterdata‘ in Barcelona. Er geht davon aus, dass kurz- bis mittelfristig vor allem für den Bereich Fast Food in Spanien gute Aussichten bestehen. „Mit fast 3.000 Betrieben, 63.000 Beschäftigten und 1,73 Mrd. EUR Umsatzvolumen stellt er den größten Teil des systemgastronomischen Kuchens“, so Nicasio Ortín, Generaldirektor der Beratungsgesellschaft DBK. Für 2003 rechnet er mit einem Gesamterlös von 1,88 Mrd. EUR, für 2004 mit 2,05 Mrd. EUR. Besonders im Aufschwung befinden sich die Bereiche Hamburger (+13 %) und Sandwiches (über 10 % Plus). Pizzerien (+1,6 %) und andere Delivery-Dienste dagegen stagnieren seit Ende der 90er. „Warum? Weil das Prinzip Delivery viele Wettbewerber hat: Home Meal Replacement-Produkte zum Beispiel. Oder klassische Fast Food-Betriebe, Coffee Bars etc.“ Die wiederum profitierten von weiterhin eröffnenden Hipermärkten und Einkaufszentren - durchschnittlich zehn davon gingen in Spanien jährlich an den Start. Ebenfalls umsatzwirksam zeige sich die wachsende Tendenz zum Außer Haus-Verzehr sowie die positive touristische Konjunktur. Allerdings: Es gibt auch ‘Stimmungs-Trüber‘. Dazu zählen die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in ganz Europa, die immer schwierigere Suche nach guten Standorten, immer höhere Ansprüche an Lebensmittelsicherheit sowie eine neue Generation immer kritischerer Konsumenten, bei denen Markentreue weniger zählt als das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Erste Warnzeichen seien stagnierende Same-Store-Sales. „Wachstum allein über Expansion ist gefährlich.“ Vor allem das Segment Coffee Bars würde in sieben bis acht Jahren „absolut gesättigt“ sein. „Wir rechnen für die kommenden Jahre mit einer Konsolidierung auf 8-10 Betreiber, die sich 50-60 % des Marktes teilen“, so Raúl Esteban, Marketingdirektor von Café de Indias. Der Expansionsfokus würde sich immer stärker weg von den Großstädten hin zu kleineren Provinzhauptstädten verlagern. Nicht nur bei Coffee Bars – ganz generell gilt Franchising auch in Spanien als der Expansionsmotor schlechthin in Sachen moderner Gastronomie. Dennoch geriet das System in den letzten Monaten verstärkt in die Schlagzeilen. Neben die klassischen Streitpunkte zwischen Franchisenehmern und -gebern (Einkauf, Netzverdichtung, Marketing) traten nach den Boom-Jahren zunehmend neue wie Übernahme von Renovierungskosten, Geschwindigkeit der Produktentwicklung etc. Nichtsdestotrotz: „Franchising ist und bleibt ein sinnvolles System“, so Steven Winegar, Strategie-Direktor der Grupo Zena. „Wenn dessen Erfolg sich auch nicht mehr ganz so automatisch einstellt wie früher.“ Wer Erfolg haben wolle, müsse beständig an einem gleichgewichtigen und respektvollen Verhältnis von Franchisegeber und –nehmern arbeiten. „Der Erfolg des Franchisenehmers ist der einzige Weg zum Erfolg des Franchisegebers“, so Santiago Barbadillo vom Beratungsunternehmen Barbadillo y Asociados. Dass in dem Thema Expansionsmodelle derzeit viel Bewegung steckt, zeigt so mancherlei neuer Ansatz. Iñaki López de Viñaspre, Generaldirektor der 13 Betriebe starken Kette Sagardi (baskische Tavernen) z.B. arbeitet nunmehr mit reinen, lokalen Investitions-Partnern, die sich mit einer Beteiligung einkaufen. Und auch die Grupo Restmon (u.a. 114 Cantina Mariachi-Outlets) hat kürzlich ihr Modell des ‘Partizipativen Franchising‘ präsentiert.


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