München

’Hartz V’-Aktion vervierfacht Gästefrequenz

Seit Oktober 2004 zieht der 400 Sitzplätze (innen) starke Hofbräukeller am Wiener Platz in München mit seiner spektakulären 5 Euro-Aktion für Hauptgerichte die Gäste scharenweise in den Bann. Eine Verdrei- bis Vervierfachung der täglichen Gästezahlen sind für Geschäftsführer André Schmidt Grund genug, die ’Hartz-V-Überbrückungswochen’ auf jeden Fall bis Ende April aufrecht zu erhalten. In Zahlen: Vorher kamen 400 Gäste/Tag, jetzt sind es 1.200. "Und ab Mai", so plant der clevere Wirt optimistisch, "lockt die Biergartensaison wieder mit über 2.500 Außenplätzen (davon 700 bedient), das ist ein Selbstläufer, da rückt die Preisfrage in den Hintergrund."



Apropos Preis - alle Kritiker und Neider, die Schmidts Hartz-Idee in Grund und Boden verdammen, sollten wissen: Was hier ganz banal wie eine simple Dumping-Preis-Aktion aussieht, ist in Wirklichkeit eine knallhart durchkalkulierte Strategie mit vierteljährlicher Planungsphase (übrigens lief die Aktion vom 17. Januar 2004 bis Ende April ’04 schon einmal). Denn nicht nur die Preise wurden geändert. Voraus ging eine drastische Verkleinerung der Speisekarte um ca. ein Drittel. "Drum herum habe ich dann alles weitere gebaut", O-Ton Schmidt. Danach wurde der Wareneinsatz (liegt bei 30 %, vorher 25% im Kostenmix) heruntergefahren so weit es ging: auf 1.31 Euro.

Schlussendlich wurden Einkauf und Lieferanten aufgrund der größeren Mengenbedarfs auf Einsparpotenziale durchgecheckt. Mit Nachdruck weist Schmidt darauf hin, dass er in keiner Weise seitens der Lieferanten finanziell unterstützt wird. Und last but not least wurden Arbeitsorganisation, Auslastung, personelle Zuordnungen und Küchenkapazitäten rationalisiert und differenziert auf die neue Angebots-Preis-Politik und die erweiterten Speisenvolumina ausgerichtet. "Küche als Krisenmanagement", nennt der Hofbräukeller-Chef selbst sein Konzept. Die Leistungsobergrenze des täglich von 9-24 h geöffneten Wirtshauses liegt übrigens bei 1.500 Hauptgängen (bezogen auf 400 Innenplätze).



Gekrönt wird der gesamte Maßnahmenkatalog schließlich von dem sensationell anmutenden Preis von 5 Euro für eine Palette von ca. 15 Hauptgerichten, die vorher rund das Doppelte oder sogar etwas mehr kosteten. "Wenn man sich vor Augen führt, dass wir 1995 im Hofbräukeller mit Gerichten für 10 DM angefangen haben, dann wirkt der Schritt zu 5 Euro nicht mehr ganz so gewaltig", merkt Schmidt an. Der Belohnungs-Effekt der ganzen Aktion offenbart sich nicht nur im vierfachen Stuhlumschlag und 1.000 bis 1.200 Gästen/Tag sowie der anhaltend gestiegenen Nachfrage, sondern gipfelt in einem drastischen Umsatzplus. So fiel die Umsatz im Dezember 2004 gegenüber Dezember 2003 um 100 % höher aus - ein Wert, den Schmidt als typisch für sämtliche ’Hartz-5-Monate’ bezeichnet. Und obwohl 2004 die bislang schlechtesten Sommerergebnisse lieferte, schnitt das Jahr insgesamt mit dem besten Betriebsergebnis seit Bestehen des Hofbräukellers ab - das Umsatzplus lag bei 11 % gegenüber Vorjahr. Die Zukunftsperspektive? Beurteilt Schmidt allemal positiv, obwohl noch nicht entschieden ist, ob die Hartz-Preise dauerhaft beibehalten werden oder sporadisch als Aktion laufen sollen. Frequenzreserven sieht man jedenfalls noch ausreichend: Gegenwärtig lockt die Preisaktion das Einzugsgebiet München-Stadt nach Haidhausen, im nächsten Schritt soll das Umland mobilisiert werden und als i-Tüpfelchen liebäugelt Schmidt sogar mit einer deutschlandweiten Werbekampagne. "Auch wenn die Umsatzsteigerung 2005 ’nur’ bei 50 % des 2004 er-Wertes liegen sollte, sind wir absolut zufrieden und machen uns für die nächsten 2-3 Jahre keine Sorgen."

www.hofbraeukeller.de

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