Studie

Jedes siebte Pflegeheim geht in die Insolvenz

Die Pflegebranche steht vor großen Umwälzungen. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der Menschen, die stationäre Pflege benötigen um 179.000 wachsen. Das entspricht rund 2.000 neuen Pflegeheimen. Von den bestehenden Einrichtungen ist etwa jedes dritte sanierungsbedürftig. Das summiert sich auf rund 34 Mrd. Euro Investitionsbedarf. Im Zuge dieser Entwicklung wird sich der Markt konsolidieren und etwa jedes siebte Heim in die Insolvenz gehen.

Dieses Szenario ist das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die auf der Befragung von 150 privaten, freigemeinnützigen und öffentlich-rechtlichen Betreibern von Pflegeheimen unterschiedlicher Größe aus allen Bundesländern beruht. Zukünftig werden immer mehr Menschen in Pflegeheimen betreut. 2020 werden es etwa 900.00 sein, rund 25 Prozent mehr als 2009. Für den zunehmenden Bedarf sind zum einen die steigende Lebenserwartung und zum anderen gesellschaftliche Trends verantwortlich: "Aufgrund der zunehmenden beruflichen Mobilität wird die Pflege durch Angehörige immer stärker in den Hintergrund treten", prognostiziert Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young. Eine gewisse Entlastung könnten alternative Wohnformen wie ambulant betreute Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser bringen. 

Zu den Investitionen in zusätzliche Pflegeheime addiert sich ein enormer Ersatz- und Sanierungsbedarf: 35 Prozent der Pflegeheimbetreiber bezeichnen den Zustand ihrer eigenen Immobilie als "schlecht" oder "eher schlecht" und "dringend" oder "teilweise" sanierungsbedürftig. Am schlechtesten schneiden dabei die privaten Träger ab. Hier geben 46 Prozent der Betreiber ihren Immobilien das Prädikat "sanierungsbedürftig". Allerdings wird es vielen schwer fallen die Mittel für die notwendigen Investitionen bereitzustellen. Lediglich 15 Prozent der befragten Betreiber bewerten die finanzielle Lage der Branche als sehr gut oder gut. Bei 46 Prozent lautet das Urteil "mittelmäßig". Diese Einschätzung wird durch die reale Entwicklung untermauert: 2010 haben 56 Pflegeheime Insolvenz angemeldet, ein Jahr uvor waren es 58. 

Die Folge ist ein Konzentrationsprozess, der sich laut Einschätzung von Ernst & Young  zugunsten privater Ketten und tendenziell größerer Betreiber entscheiden wird. Ende 2009 hatten noch 44 Prozent aller Heime weniger als 50 Plätze. "Kleine Heime sind zwar für die Bewohner angenehm, für die Betreiber aber ein Problem", sagt Hans Kersel, ebenfalls Partner bei Ernst & Young: "Betriebswirtschaftlich liegt die Idealgröße bei 100 Plätzen". 

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