EHEC

Kein Spielraum bei Vorsichtsmaßnahmen

Der EHEC-Erreger hält eine ganz Republik in Atem. Experten suchen fieberhaft nach der Infektionsquelle. Bislang gibt es keine Entwarnung. Allerdings verdichten sich nach Angaben von Niedersachsens Agrarminister die Hinweise auf den gesperrten Sprossen-Betrieb im Landkreis Uelzen als Infektionsquelle.
 
Dabei steht fest: Solange die Ursache nicht eindeutig geklärt ist, gibt es keinen Spielraum bei den Vorsichtsmaßnahmen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Bundesverband rät seinen Mitgliedern deshalb dringlich, sich an die Empfehlungen des Bundesinstitut für Risikokommunikation (BfR) in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut (rki) zu halten und für eine einwandfreie Personal- und Produkthygiene zu sorgen.
 

„Ein hoher Hygienestandard ist einmal mehr oberstes Gebot“, betont auch Hygiene-Experte Prof. Dr. Lutz Bertling. Dabei reicht es nicht alleine aus, die Hygienevorschriften für die Mitarbeiter zu verschärfen. O-Ton Bertling: „Die Anweisungen müssen auch befolgt werden.“ Er rät Außer-Haus-Betrieben deshalb dringlich, die internen Kontrollen zu verschärfen und die Mitarbeiter intensiv zu schulen.
 
Doch wie reagiert die Außer-Haus-Branche auf den EHEC-Erreger? Umfragen zeigen, ob Eurest, SV Group oder Aramark – alle versuchen derweil das Risiko so gering wie möglich zu halten und haben Blattsalate, Tomaten, Gurken und Sprossen bis auf Weiteres vorsorglich aus dem Sortiment genommen. Fast obligatorisch sind derzeit zudem Tests auf EHEC-Keime und eine strikte Einhaltung der Hygienemaßnahmen.
 
Wie das Krisenmanagement im Einzelnen aussieht und wie die Gäste darauf reagieren, berichten drei GV-Profis aus der Branche:
 

Horst-Dieter Keller, Sander Catering, Wiebelsheim:

„Ja, die Verunsicherung bei Gästen und Auftraggebern ist sehr groß. Durch alle zur Verfügung stehenden Medien haben wir versucht, Aufklärungsarbeit zu betreiben. Auftraggeber wurden von uns persönlich angeschrieben, Gäste wurden öffentlich durch Aushänge informiert, Mitarbeiter telefonisch und schriftlich auf die Lage aufmerksam gemacht. In der Schulverpflegung haben wir die Ausgabe von Salat komplett eingestellt. Im Businessbereich wird auf Rohkostsalate komplett verzichtet. Und natürlich haben wir in puncto Küchenhygiene alle unsere Küchen- und Servicemitarbeiter noch einmal auf Produkt -, Umfeld- und Personalhygiene sensibilisiert. Dabei steht fest: Wird ein Mitarbeiter in Folge des EHEC-Erregers krank, lassen wir alle Mitarbeiter unverzüglich ärztlich untersuchen. Ein Notfallteam übernimmt die Bewirtschaftung so lange, bis die Untersuchungsergebnisse von allen Mitarbeitern vorliegen. Zudem werden in einem solchen Fall alle offenen Lebensmittel vernichtet und die Küche wird neben der täglichen Oberflächendesinfektion komplett gereinigt und desinfiziert.“

 

Stephan Dürholt, Sodexo Services, Rüsselsheim:

„Die Reaktionen der Gäste sind nicht nur individuell unterschiedlich, sondern auch in verschiedenen Segmenten sehr differenziert. Während Krankenhäuser sehr gelassen und abgeklärt mit der Situation umgehen, ist der Informationsbedarf bei Eltern in Bezug auf die Hort- und Schulverpflegung enorm. In Wirtschaftsunternehmen ist der Spiegel der Gesellschaft am ehesten gegeben: zwischen großer Distanz und schneller, intensiver Reaktion ist alles dabei. Unsere Gäste waren sehr dankbar, dass wir sehr schnell reagiert und umfassend informiert haben. Wir haben sehr nah am Puls der Behörden gearbeitet und in Abstimmung mit unseren eigenen Qualitäts- und Hygienefachleuten die Maßnahmen dem jeweiligen Kenntnisstand angepasst. Wir haben die ohnehin sehr strikten Regeln erneut betont. eine wesentliche Änderung musste nicht stattfinden. Lediglich Produkte aus nicht durchgegartem Fleisch (z. B. Steak medium) vom Grill) wurden untersagt sowie eine verschärfte Prozedur zu Rohkost und Salaten eingesetzt. Wir haben unsere Gäste sofort und eingehend in jeweils aktualisierten Aushängen informiert. Parallel erhielten unsere Mitarbeiter detaillierte Informationen, um Rede und Antwort stehen zu können. Je nachdem, welcher Ernstfall eintritt, gibt es Reaktionsbandbreiten, innerhalb derer von einer Task Force schnell abgestimmte Maßnahmen umgehend kommuniziert werden. Der Ernstfall ist immer sofort Chefsache.“

 

Günter Jung, Studentenwerk Berlin:

„Generell halte ich eine schnelle lückenlose Rückverfolgbarkeit der Waren für unverzichtbar. Unsere Vorsichtsmaßnahmen sind die Eigenkontrollen, die sich in unserem Hygiene- und Qualitätsmanagementsystem zusammenfügen. Jährlich werden zudem in allen Einrichtungen der Speisebetriebe im Studentenwerk Berlin mikrobiologische Untersuchungen in den Hygienebereichen und an Arbeitsutensilien durchgeführt. Hierzu gehören auch die vorsorglichen Lebensmittelanalysen von Salatproben aus allen Einrichtungen. Die diesjährigen Untersuchungen wurden im April und Mai durchgeführt und waren ohne Besonderheit. Dabei ist der Genuss von Rohkost-Sprossen unseren Studierenden versagt, da wir diesen Artikel nicht mehr führen. 2010 haben wir zusätzlich die Verfahrensanweisung im Umgang mit frischen Salaten überarbeitet. Aktuell bieten wir weiter frische Salate portioniert und an den Buffets an. Informationen über die EHEC-Bakterien haben wir für unsere Studierenden auf unsere Website gestellt. Sollte trotz aller Maßnahmen ein Ernstfall auftreten, würden wir Partnerhilfe und Unterstützung von dem unabhängigen Lebensmittelhygieneinstitut der Hochschule erfahren. Durch Analysen der Rückstellproben wären Nachweise ermittelbar.“
  
Weitere umfassende Information zu EHEC gibt’s unter:
 
www.dehoga.de
www.rki.de
www.bfr.bund.de
www.aid.de
www.was-wir-essen.de

 



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