Münchner Schranne

Konzept und Haussegen hängen schief

Bei den Marktpartnern der Münchner ’Freudemacherei’ Schrannenhalle mag derzeit keine rechte Freude aufkommen: Mehr als die Hälfte der Gastro-Standbetreiber zeigt sich in wichtigen Punkten mit der Umsetzung des Konzepts durch die Schrannenhalle GmbH höchst unzufrieden. Da sich verschiedentliche Anläufe zu Gesprächen mit dem Schrannenbetreiber als „schleppend und unbefriedigend“ erwiesen hätten, setzte eine Initiative von acht Marktpartnern dem Geschäftsführer, privaten Investor und Immobilienexperten Klaus Thannhuber kürzlich per Anwalt eine Frist zur Lösung der Probleme. Thannhuber befindet sich zwar noch bis zum 1. Juni im Ausland, die Reaktionen aus dem Umfeld und aus Gesprächen mit dem ehemaligen Geschäftsführer der Schrannenhalle GmbH, Jürgen Lochbihler, gäben inzwischen jedoch Anlass zur Hoffnung „dass sich etwas bewegen wird“, so Ulrich Körner, Sprecher der Initiative.



Nach Meinung der Marktpartner ist das ursprünglich angedachte Schrannen-Konzept, ein ausgewogener Mix von je einem Drittel Handel und Handwerk, Kultur und Gastronomie, massiv aus dem Gleichgewicht geraten. Es sollte in einer neuen, integrativen Form einem breiten Publikum von nah und fern präsentiert werden. Die Realität nach neun Monaten Schrannenbetrieb sehe jedoch für die meisten Standbetreiber anders aus: Tagsüber sei es still geworden in der Schranne – was sich an Umsatzeinbrüchen bei den Marktpartnern von teilweise mehr als 50 % deutlich niederschlage, so Körner. „Die Veranstaltungsprogramme der Wochen seit Weihnachten lassen Theaterimprovisationen, Dichterlesungen und Performances vermissen.“ Demgegenüber festige die Schranne mit zum Teil umfangreich beworbenen, abendlichen und nächtlichen Events zunehmend ihr Image als ’Partymeile’ – mit entsprechendem Getränkeumsatz. Davon profitiere jedoch vor allem der ehemalige Schrannenhallen-Geschäftsführer Jürgen Lochbihler, so die Initiative. Lochbihler betreibt unter dem Dach der Schranne GmbH selbst sechs Hallenstände, beliefert die weiteren 17 gastronomischen Marktpartner mit Getränken wie Bier, Softdrinks und Kaffee und hat seit Anfang Mai zudem die Leitung des Servicepersonals in der Halle übernommen.



Abgesehen von der aus ihrer Sicht allzu schnellen Abkehr vom Ursprungskonzept finden es die Standbetreiber auch befremdlich, dass vakante Stände trotz angeblich langer Wartelisten nicht mehr besetzt werden. Derzeit sind lediglich 36 von anfänglich 46 Hallenplätzen belegt. Die Standbetreiber wollen außerdem überprüfen lassen, ob die Schrannenhalle GmbH bestimmte Zusagen auf Serviceleistungen, die den Marktpartnern im Vorfeld der Eröffnung zugesagt worden waren, nicht einhalten beziehungsweise einseitig streichen kann. Dazu gehört ihrer Ansicht nach unter anderem die pauschale Übernahme von Serviceleistungen und Nebenkosten im Rahmen eines so genannten ’Rundum-Sorglos-Pakets’, das beispielsweise den Verbrauch von Wasser und Strom, Geschirrabräumung und -reinigung, Dienstkleidung und Wäscherei enthält. Mit diesen Leistungen seien die Pachtzahlungen bei Vertragsabschluss maßgeblich mitbegründet worden.



„In erster Linie geht es uns jedoch darum, gemeinsam mit dem Betreiber und mit Unterstützung des Schrannenbeirats, dem auch Vertreter der politischen Parteien angehören, zum ursprünglich angedachten Schrannenkonzept zurückzukehren. Wir wollen im gleichberechtigten Mit- und Nebeneinander von Handel und Handwerk, Kultur und Gastronomie in der Schranne etwas Einmaliges für München schaffen“, betont ein Standbetreiber. Zur Verankerung eines so innovativen Konzepts in den Köpfen sei jedoch ein längerer Atem nötig. Die Marktpartner pochen deshalb darauf, dass ein konstruktives Gespräch mit dem Schrannenbetreiber noch vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft stattfindet. Die Umsetzung der Gesprächsergebnisse solle unmittelbar danach in Angriff genommen werden. Notfalls werde eine juristische Klärung der Sachverhalte erwogen.



Die Schrannenhalle eröffnete im September 2005 am Münchner Viktualienmarkt. Das 37 Mio. € teure Konzept: ein Marktplatz im 2.500 qm großen, nach historischen Vorbild neuerstellten Bauwerk mit Handwerks-, Kunst- und Gastronomie-Ständen, der vom Early-Morning-Frühstück über den Nachmittags-Kaffee bis zum Nachtschwärmer-Cocktail das ganze Angebotsspektrum abdeckt. Kulturell-künstlerische Events und Veranstaltungen sowie ein fixer Wochenplan mit einem täglich wechselnden Motto sollen neben den Ständen und Produkten zusätzliche Attraktionsmomente darstellen.



Gut die Hälfte der Stände bietet gastronomische Köstlichkeiten an. Rund 900 Sitzplätze stehen den Gästen zur Verfügung. An jedem Ort der Halle können sämtliche seitens der Marktpartner offerierten Speisen und Getränke verzehrt werden, d.h. fachlich geschultes Servicepersonal und sogenannte ’Runner’ bedienen die Gäste in der gesamten Halle.

www.schranne.de

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