Frankreich

Kritik an Klinikverpflegung

In französischen Kliniken und Krankenhäusern leiden die Patienten offensichtlich an falscher Ernährung. Deshalb plant das Gesundheitsministerium für Mitte März einen Erlass, der die Ernährung zu einem vollwertigen Bestandteil jeder Krankenakte machen soll. Geplant sind sogenannte "Comités de Liaison Alimentation Nutrition" (CLAN), also transversale Instanzen, in denen Köche, Einkäufer und Direktion gemeinsam mit Ärzten, Ernährungsberatern und Pflegepersonal über die richtige Ernährung in den Abteilungen beraten und letztlich entscheiden, was auf welcher Station sinnvoller Weise serviert werden soll. Darüber hinaus sollen die CLAN-Vertreter in ihren Abteilungen eventuelle Karenzen einzelner Patienten feststellen und sie durch passende Menüs und Zwischenmahlzeiten beheben. Wie langsam Verwaltungsmühlen malen wird an diesem geplanten Erlass deutlich, denn eine Fachkommission hatte bereits 1997 Bestand aufgenommen und Empfehlungen ausgearbeitet, um die Ernährungsmisere im französischen Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Wie Professor Guy-Grand vom Pariser Krankenhaus Hôtel Dieu seither in regelmässigen Abständen unterstreicht, gilt es dringend die Ernährung der Patienten als einen Aspekt des Heilungsprozesses zu sehen und auch die Ärzte für die Problematik der Ernährung im Krankenhausmilieu zu interessieren. Er fordert langfristig Diät- und Ernährungsfragen zu einem festen Bestandteil der medizinischen Ausbildung zu machen und will eine Fachrichtung Ernährungsmedizin schaffen. Die soll dann auch für die Ausbildung der Ernährungsspezialisten zuständig sein, die kein volles Medizinstudium anstreben, während die Formation der Ernährungsberater derzeit nicht an die medizinischen Fakultäten gebunden ist.
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