Buchtipp

Kulinarischer Alchemist & Koch-Avantgardist

Nein, ein Koch wie jeder andere ist Stefan Wiesner nicht. Deshalb ist auch das Kochbuch, das Gisela Räber mit ihm und über ihn geschrieben hat, kein Kochbuch wie jedes andere - was sich schon am Titel der Neuerscheinung ablesen lässt: Gold. Holz. Stein. Die "Entdeckung des Jahres 1997" im GaultMillau ist Koch, Poet, Philosoph - ein Künstler eben, der seinen Gästen im Gasthof "Rössli" im schweizerischen Entlebuch ausgefallene Köstlichkeiten wie Kalbsfiletmedaillons mit Rottannensprösslingen geräuchert oder Schokoladen-Blutwurst auf Zwiebelbrot kredenzt. In allem die geschmacklichen Schätze suchen – so lautet einer von Wiesners Leitsätzen. Und folgerichtig experimentiert er unerschrocken mit Ingredienzen, die Phantasielosere als ‚Non-Food‘ einstufen würden: Gold und Silber, Stein und Holz, Heu und Stroh. Der kulinarische Avantgardist (um nicht zu sagen: Anarchist) ist nicht nur Garant für sinnliche Sensationen, sondern auch ein querdenkender Philosoph. Und so enthält das apart gestaltete Lesewerk neben aufregenden, genüsslich bebilderten Rezepten aus Wiesners alchemistischer Naturküche auch jede Menge inspirierende Gedanken (und Abbildungen) zum Thema Essen und Trinken, Leben und Natur. Visionäres Story-Telling im allerbesten Sinn: Da hat einer wirklich was zu sagen. Über ein neues Bewusstsein für regionale Besonderheiten und die Nutzung eigener Ressourcen, über gelebte Ganzheitlichkeit: Gourmetküche für Bauch und Kopf und Herz. Stefan Wiesner/Gisela Räber Gold. Holz. Stein 192 Seiten, AT Verlag, Aarau 2003 ISBN 3-85502-939-3. 62 Euro www.at-verlag.ch www.gasthofroessli.ch


stats