Le Méridien

Kurzfristig festen Boden unter den Füßen

Anfang Juli dieses Jahres ist die Hotelgruppe Le Méridien nur um Haaresbreite der Insolvenz entkommen. Die Finanzinstitute, die Le Méridien finanzieren, gewährten der Gruppe einen kurzfristigen Kredit von vier Mio. Pfund oder umgerechnet 5,8 Mio. Euro sowie eine weitere Kreditlinie von 20 Mio. Pfund. Die Zukunft von Le Méridien ist damit aber keineswegs gesichert. Die Gruppe schuldet nämlich ihrem wichtigsten Gläubiger, der Royal Bank of Scotland (RBS), insgesamt 20 Mio. Pfund aus Pachtrückständen. Die fällige Forderung der schottischen Bank hat sich durch die genannten vier Mio. Pfund lediglich um 20 Prozent vermindert. Le Méridien ist durch das Zusammentreffen von zwei Umständen finanziell ins Schleudern gekommen. Zunächst einmal hatte die Gruppe elf ihrer Häuser, darunter das Grosvenor House Hotel und das Waldorf Hotel in London, an die Royal Bank of Scotland verkauft und anschließend zurückgepachtet. Diese Verfahrensweise ist in der britischen Hotellerie in jüngerer Zeit von vielen praktiziert worden. Hoffähig wurde sie durch entsprechende Transaktionen des Hilton Konzerns. Nachdem Le Méridien auf diese Weise verfahren war, geriet die Gruppe allerdings unter Druck aufgrund von Golf-Kriegs, Sars und terroristischen Anschlägen in vielen Teilen der Welt. Speziell auf dem britischen Markt litt - und leidet - Le Méridien ganz besonders durch den Ausfall amerikanischer Gäste. Die Folge war, dass die Gruppe schon nach recht kurzer Zeit nicht mehr die fälligen Mieten an die Royal Bank of Scotland bezahlen konnte. Immerhin belaufen sich diese Mieten auf derzeit rund 80 Mio. Pfund oder 116 Mio. Euro im Jahr. Le Méridien hat immerhin auch noch erhebliche andere Verbindlichkeiten. Allein gegenüber der Bank Lehmann Brothers belaufen sich die Verbindlichkeiten derzeit auf 230 Mio. Pfund. Angesichts der starken Verschuldung ist eine Sanierung unvermeidlich. Sie könnte darin bestehen, dass Forderungen gegenüber der Hotelgruppe in Eigenkapital umgewandelt werden und würde sicherlich auch eine Reduzierung der Pachtforderungen von RBS einschließen. Tatsächlich aber sind die Verhandlungen über eine derartige Sanierung bislang keineswegs vorangekommen. Bremser scheint dabei vor allem Lehmann Brothers zu sein. Deren kontinuierliches Zögern hat inzwischen gerade auch die Royal Bank of Scotland unruhig gemacht, denn eines steht fest: Wenn es nicht eine dauerhafte Lösung für die Verbindlichkeiten gegenüber Lehmann Brothers gibt, wird keine Sanierung zustande kommen und schließlich nichts anderes übrigbleiben als der Weg zum Insolvenzrichter. Genau das aber will im Grund niemand in London. Eine andere Lösung wäre die Übernahme der Hotelgruppe durch die Terra Firma Capital Partners - Gesellschaft des britischen Finanziers Guy Hands, der im Jahre 2001 bereits die Ausgliederung von Le Méridien aus der Compass-Gruppe abgewickelt hatte. Damals war Hands noch in der Führung der japanischen Investment Bank Nomura in London tätig. Zu jener Zeit war Le Méridien 1,9 Milliarden Pfund wert gewesen. Hands hatte schon vor einiger Zeit angeboten, dass er und einige Partner zusammen 125 Mio. Pfund Kapital in die Le Méridien-Gruppe einschössen. Seinerzeit war dieser Vorschlag abgelehnt worden. Nun aber hat Hands ein neues Finanzierungsangebot angekündigt, dass vermutlich eine höhere Summe als die genannten 125 Mio. Pfund in die Kassen von Le Méridien brächte. Dies könnte entweder Hands zum einflussreichsten Anteilseigner machen oder aber auch Lehmann Brothers die Verhandlungen über die Sanierung der Hotel-Gruppe schnell abschließen lassen. Dass die Verkaufs- und Rückpacht-Lösung der elf Hotels von Le Méridien so gründlich schief gegangen ist, hat seinen Grund nicht so sehr in dieser Finanzierungsform, sondern vielmehr darin, was das jeweils so verfahrende Hotelunternehmen mit dem zufließenden Geld macht. Stehen allein weitere Expansion und Renovierungen im Vordergrund, so ist schon bald nichts mehr in der Kasse, um mögliche marktbedingte Stürme auszustehen. Immerhin bieten eigene Hotelbauten vielfach die Möglichkeit, zusätzliche Hypotheken aufzunehmen, wenn der Wind widrig weht. Diese Möglichkeit verfällt bei Verkäufen und Rückpachtungen. All das hat Le Méridien aber nicht bedacht - oder sich zumindest nicht danach gerichtet. Genau darin aber sehen in London derzeit Banker wie Hoteliers die große Lehre des Falles Le Méridien. Peter Odrich




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