Terroranschläge in den USA

Leere Zimmer in Manhattan

Die Terroranschläge vom 11. September haben verheerende Konsequenzen für die amerikanische Hotelbranche. In vielen Städten und Tourismuszentren sackten die Belegungsraten drastisch ab, und ein großer Teil der Vorausbuchungen für die kommenden Wochen wurde gecancelt. Der Freizeittourismus ist nahezu zum Erliegen gekommen, Messen und Tagungen werden vielfach abgesagt oder aufgeschoben, Geschäftsreisen auf ein Minimum beschränkt. Laut PricewaterhouseCoopers muss sich die Hotellerie der USA auf ihr schlechtestes Jahr seit 33 Jahren einstellen. Zu einer Zeit, in der sich die Hotels in allen Teilen der Nation normalerweise auf einen Ansturm von Besuchern der Herbstmessen rüsten, bleibt der überwiegende Teil der Zimmer leer. Die Hotels, die sich vor dem Anschlag im Schnitt über Belegungen von 84 Prozent freuen konnten, sahen die Quote innerhalb von Tagen um 40 bis 60 Prozent und mehr abrutschen. Viele in der Branche befürchten, dass der Schock nach den tragischen Ereignissen, aber auch deren Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft auf längere Zeit schmerzhafte Einbrüche bringen werden. "Ich glaube, die Erholungsphase wird mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen," meint Damon Brundage, Hospitality-Analyst bei der Investmentfirma Raymond James. Etwas zuversichtlicher formuliert Stephen Bollenbach, CEO der Hilton Hotels Corp., seine Prognosen. Nach seiner Einschätzung wird sich die Hotellerie bis Januar nächsten Jahres wieder erholt haben. Immerhin erwartet auch er für die nächsten zwölf Wochen "die schlimmsten Zeiten, die das Business-Reisegeschäft je gesehen hat." Hilton ist von der Attacke der Terroristen direkt betroffen: Zwei Hotels der Company - das Millennium Hotel gegenüber dem World Trade Center und das erst im letzten Jahr eröffnete Embassy Hotel in Battery Park - wurden bei dem Einsturz der Türme beschädigt. Marriott verlor bei dem Anschlag sein direkt ins World Trade Center integrierte Haus (das gleiche, das bereits bei dem Bombenanschlag 1993 schwer beschädigt wurde) und musste darüber hinaus das New York Marriott Financial Center nur einen Block entfernt bis auf Weiteres schließen. Insgesamt verloren allein durch die vier betroffenen Häuser 1.000 Mitarbeiter ihren Job. (Rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten sich alle Mitarbeiter.) Doch bereits eine Woche nach dem Horrortag im September meldet das Hotel Trades Council, eine Allianz der Hotelgewerkschaften, dass 3.000 ihrer Mitglieder wegen der allgemeinen Gästeflaute entlassen wurden. "Wir werden von einer Kündigungswelle überrollt," sagt Peter Ward, President der Gewerkschaftsunion, "wir erwarten eine signifikante Abwärtsbewegung." Einige Hotelbesitzer der Stadt halten es für möglich, dass die Hälfte der 30.000 Hotelmitarbeiter Manhattans entlassen werden muss. New York, Tourismusmetropole der Nation mit jährlichen (Tourismus-) Einnahmen von 25 Mrd. US-$ und im Brennpunkt des Geschehens, bekommt die neue Angst vorm Reisen besonders intensiv zu spüren. In manchen Hotels ist die Belegungsrate in die 20er, sogar in die 10er abgerutscht. Jonathan Tisch, CEO der Loews Hotels sieht einen Grund auch in den nach wie vor reduzierten Flugplänen der Fluggesellschaften. "Die Airlines sind das Vehikel, das die Gäste durch unsere Türen bringt," meint er. "Wenn die Leute nicht fliegen, dann bleiben sie nicht in unseren Hotels." Die Hotel Association of New York macht keine Angaben darüber, wie viele von New Yorks 68.000 Hotelzimmern derzeit leer bleiben. Aber Stimmen aus der Branche lassen erkennen, wie kritisch die Lage ist. Das Essex House am Central Park beispielsweise, das für die Woche des Terroranschlags ein volles Haus erwartet hatte, sah für diesen Zeitraum plötzlich nur noch 35 Prozent der Zimmer belegt. Das New York Palace Hotel auf der Madison Avenue, das sich ebenfalls auf eine hohe Belegung eingestellt hatte, musste einen großen Teil der Reservierungen stornieren und hatte eine Woche nach dem Attentat drei Viertel seiner 1.058 Zimmer leer stehen. Ähnlich die Situation im Plaza Hotel am Central Park. Das sonst von Touristen überflutete Haus plant sogar, seinen berühmten Oak Room wegen Gästemangels zu schließen. Selbst Boutique-Hotelier Ian Schrager, Chairman von Ian Schrager Hotels, dessen Royalton, Paramount oder das neue Hudson Hotel Magneten der Beautiful People sind, klagt über leere Zimmer. "Wir werden dezimiert," sagt er in einem Interview mit der New York Times. "Den Leuten spukt das Ganze noch im Kopf herum. Ich habe noch nie einen solchen Rückgang der Belegung gesehen wie nach der Attacke." Doch offensichtlich sieht Schrager eine neue Möglichkeit, seine Zimmer zu füllen: Mit einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times offerierte er jetzt Gästezimmer als Office-Fläche für Unternehmen, die durch die Tragödie ihre Büros verloren haben. Mit dieser Maßnahme ist Schrager nicht allein. So rückten wenige Tage nach dem Sturz der Twin Towers vor dem Sheraton Manhattan in der Nähe vom Times Square die Möbelpacker an: Investment Company Lehman Brothers mit Headquarter im (vorübergehend geräumten) World Financial Center 3, bezog während der Evakuierung Quartier in 665 in Büros umfunktionierten Zimmern des Sheraton. Reguläre Gäste wurden ins New York Sheraton auf der anderen Straßenseite umquartiert, was nicht auf Wiederstand stieß, weil es ein Upgrading darstellt. Es wird damit gerechnet, dass insgesamt 25.000 Hotelzimmer in Manhattan - mehr als ein Drittel aller Zimmer - in Büros für entwurzelte Firmen aus dem World Trade Center umfunktioniert werden. Angelika Leo/New York Lesen Sie Statements aus der Hotelbranche in unserem Branchenforum




stats