BdS

Mittagsempfang mit Aktuellem zu Recht, Forschung und Politik


Kündigungsrecht und Verbraucherpolitik waren zwei der ’heißen Eisen’, die beim Mittagsempfang des Bundesverbandes der Systemgastronomie in München auf der Tagesordnung standen. Im Wirtshaus ’Der Pschorr’ trafen sich Vertreter der Mitgliedsunternehmen und aus Partnerbranchen, um beim zünftigen Mittagessen die aktuellen Brennpunktthemen der Systemgastronomie zu diskutieren.
 
BdS-Präsident Wolfgang Goebel hob zunächst vor dem Hintergrund der jüngsten Debatte über die Thesen von Thilo Sarrazin die Integrationsleistung der Branche und des Verbands hervor: „In unseren Mitgliedsunternehmen arbeiten Menschen aus 134 verschiedenen Nationen. Die Vielfalt unserer Mitarbeiter ist unsere Stärke!“ Auch die gemeinsame Innovationsstärke der im Verband organisierten Unternehmen zahle sich aus, wie zum Beispiel bei den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt. „Wir müssen gemeinsam das Thema Fachkraft im Gastgewerbe voran treiben, um unsere Mitarbeiter langfristig an uns zu binden.“ Im Fokus müssten dabei auch bisher vernachlässigte Arbeitnehmergruppen stehen: Frauen, Senioren, Migranten und Hauptschüler. „Die Systemgastronomie ist und bleibt ein Jobmotor“, so Goebel.
 
Anschließend informierte Prof. Klaus Bepler, Vorsitzender Richter am Bundesarbeitgericht in Erfurt, über die Auswirkungen jüngster arbeitsrechtlicher Urteile, wie zum Beispiel der bekannte Fall der Kassiererin ’Emmely’. Im Zentrum der Überlegungen zu so genannten Bagatellkündigungen müsse die Frage stehen, ob die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Angestellten durch dessen Fehlverhalten nachhaltig gestört sei. „Wir müssen Tatbestände individuell abwägen. Es ist nicht sinnvoll, allgemein gültige ’Mindestdiebstahlbeträge’ festzulegen, bei deren Überschreitung eine Kündigung zulässig ist.“
 
Dr. Rahild Neuburger berichtete von den Forschungen über die Systemgastronomie am Institut für Information, Organisation und Management der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die Markengastronomie ist eine geeignete Antwort auf das Essverhalten moderner Menschen – Stichworte: Mobilität, Abkehr vom 3-Mahlzeiten-Rhythmus, Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein“, so das Fazit der Wissenschaftlerin. Die Entscheidungsvielfalt führe heutzutage bereits bei einigen Menschen zu Depressionen. „Es geht darum, für den Gast Komplexität zu reduzieren .“ Wichtig denn je seien die Mitarbeiter, „denn Systeme funktionieren nur, wenn alle Mitarbeiter mitspielen. Ihre Bedeutung wird noch zu wenig geschätzt.“
 
Letzter Redner war Prof. Matthias Horst, der Schlaglichter auf die aktuellen Diskussionen und Gesetzesvorhaben in der Verbraucherpolitik warf. Ampel-Kennzeichnung und Restaurant-Smileys seien Ergebnisse eines von den NGOs getriebenen Wettbewerbs unter den Bundesländern, den das hohe Medieninteresse an dieser Thematik noch verstärke. Ergebnis sei stets die Einschränkung der Freiheit des Unternehmen, gegen die diese sich wehren sollten. „Aber Sie sollten auch bedenken, ob tatsächlich alles, was legal ist, heutzutage auch noch legitim ist“, schrieb Horst den Systemgastronomen als Appell zu mehr Transparenz ins Stammbuch.
 
www.bundesverband-systemgastronomie.de



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