Frankfurt

Nachhaltiges Burger-Konzept von 'Wiesenlust' kommt an

Burger geht auch besser - mit diesem festen Vorsatz starteten Andrea und Christian Kolb im Februar ihr Restaurant 'Wiesenlust' an der Frankfurter Bummel-Meile Berger Straße. Der Name ist Programm: Es geht um naturverbundenen Genuss mit gutem Gewissen, die Mehrheit der Burger kommt ohne tierische Zutaten aus - schließlich ist Andrea Kolb selbst Veganerin. Allerdings ohne Dogma - Rindfleischfans kommen bei 'Wiesenlust' ebenfalls auf ihre Kosten. Bei fast allen anderen Produkten gilt überdies: Bio und/oder regional. Ein gutes halbes Jahr später steht fest: Das nachhaltige Konzept findet im Nordend der Bankenmetropole und darüber hinaus immer mehr Fans. Jetzt suchen die Kolbs finanzkräftige Partner für die Expansion.

Wenn es um ehrliche und nachhaltige produzierte Lebensmittel geht, ist Andrea Kolb konsequent: "In den Wintermonaten haben wir grünen Salat aus dem Sortiment genommen und durch Chinakohl ersetzt. Und statt Rucola legen wir zurzeit Feldsalat auf die Burger." Und das kommt an? "Bei jeder Bestellung erklären wir, dass wir uns mit unseren Angeboten nach den Jahreszeiten richten", erklärt die Gastronomin. "Die meisten Gäste finden das gut." Allerdings in Grenzen: "Unser Versuch, frische Tomaten durch getrocknete auszutauschen, wurde rigoros abgelehnt. Tomaten sind für die Deutschen einfach ein Ganzjahresprodukt, das sie auch im Winter auf ihren Burgern haben wollen."

Schließlich müssen die Gäste im Wiesenlust schon auf ihre gewohnten Soft Drinks verzichten. Stattdessen setzen die Kolbs auf Bio-Limonaden. Auch Bier- und Apfelwein-Sortiment stammen nicht nur aus der Region, sondern tragen ebenfalls das Bio-Siegel. "Es geht uns nicht darum, unseren Gästen Vorschriften zu machen, sondern um Glaubwürdigkeit - und die Welt ein bisschen besser zu machen."

So hat der Gast die Auswahl zwischen Rindfleisch-, Garnelen-, sowie einem vegetarischen und drei veganen Pattys, aus denen sich insgesamt 84 verschiedene Burger kreieren lassen. Noch schlägt Rind die fleischfreien Offerten mit etwa 65 zu 35 %, aber Bulgur-Spinat, Grünkern-Mandel & Co. holen auf. Und zwar nicht nur bei Vegetarieren und weiblichen Gästen. "Auch immer mehr eigentlich fleischliebende Männer lassen sich verführen, einmal eine nicht-tierische Patty-Variante zu probieren", berichtet Andrea Kolb.

Das liegt auch daran, dass Vegetarisches und Veganes im Wiesenlust kein Schattendasein als notwendige, aber ungeliebte Alternative führt, sondern als Kompetenzzentrum verstanden werden, bei dem Koch Christian Kolb (übrigens ein passionierter Fleischesse) die kulinarischen Möglichkeiten von Gemüse, Getreide und Co. in all ihrer Vielfalt demonstriert. Was wiederum Frankfurts Veganer zu schätzen wissen und auch längere Anreisen in Kauf nehmen.

Das etwas höhere Preisniveau wurde im relativ kaufkräftigen Nordend ebenfalls akzeptiert. Ein Burger kostet zwischen 7,95 und 13,95 €. "Ich glaube fest daran, dass immer mehr Menschen bereit sind, Essen eine höhere Wertigkeit zuzubilligen und deshalb auch etwas mehr dafür zu bezahlen", sagt Kolb. Der Durchschnittsbon liegt bei 12 € netto, die Monatsumsätze des 35 Innen- und 70 Außenplätze bietenden Pilotstandorts haben sich bei durchschnittlich 45.000 € netto eingependelt. Vor allem mittags gebe es aber an der frequenzstarken Berger Straße noch viel Potenzial, das die Kolbs in Zukunft besser nutzen wollen. "Obwohl wir schon seit acht Monaten da sind, kommen immer noch viele Gäste, die uns bisher nicht wahrgenommen haben."

Bald soll es außerdem weitere, möglichst größere Wiesenlust-Restaurants geben. "Wir wollen vor allem langsam und gesund wachsen", sagt Andrea Kolb. In Frankfurt läuft die Suche nach einem zweiten Standort -  der südliche Stadtteil Sachenshausen steht ganz oben auf der Wunschliste. 2015 wird in Karlsruhe ein erster Partner-Standort ans Netz gehen. "Wir sind offen für alle Formen der Partnerschaft", erklärt Kolb. "Toll wäre natürlich ein finanzstarker Investor, der ein nachhaltiges Unternehmen beim Wachstum unterstützen will."

www.wiesenlust.de

stats