Tim Mälzer

Neues Restaurant in Hamburger Kirche

Der ’deutsche Jamie Oliver’ Tim Mälzer, Kult-Koch mit eigener TV-Sendung auf VOX (’Schmeckt nicht, gibt’s nicht’) wird nach Angaben von Spiegel Online zum Retter eines Stücks Hamburger Kultur: die Sankt-Stephanus-Kirche, die er nach dem letzten Gottesdienst am 20. März zum Gourmetrestaurant umbauen will. Derzeit laufen die Verhandlungen mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde, die wegen Finanzschwierigkeiten eine neue Nutzung für das Gotteshaus und das Gemeindezentrum am Eidelstedter Weg (Eimsbüttel) sucht.



„Wir wollen den human touch erhalten, kein Abendmahl oder andere Sakralgerichte servieren. Aus Rücksicht auf die Reliquien“, wird der 34-Jährige zitiert. Zwar müssten noch Bau- und Lärmauflagen geklärt werden, dennoch wolle er die Sankt-Stephanus-Kirche umbauen, erklärte der TV-Koch. Größere bauliche Veränderungen seien jedoch nicht beabsichtigt, berichtet das Hamburger Abendblatt. Um die Anwohner im Wohngebiet nicht zu stören, sei kein ’Halli-Galli-Laden’, sondern ein ’gehobenes Restaurant’ geplant. Mälzer betreibt mit dem ’Weißen Haus’ bereits ein Restaurant in der Hansestadt. Ab Herbst soll die umfunktionierte Kirche wiedereröffnet werden.



Damit entsteht eine Art ’Wettlauf’ der Gastro-Kirchen: In Bielefeld bereitet ’Bernstein’-Macher Achim Fiolka ebenfalls ein neues erlebnisgastronomisches Konzept in einem Gotteshaus vor: Gegen viele Widerstände und nach zähen Verhandlungen hat er nach Angaben des Internet-Dienstes Bielefeld-Markting.de für den symbolischen Preis von 1 € die Martini-Kirche von der Evangelischen Kirche in Bielefeld gekauft. Für das, was dort entstehen soll, gibt es in der Gastroszene bisher keinen Fachbegriff. „Der Ort hat etwas Besonderes und das wollen wir wieder beleben“, beschreibt Fiolka die Anforderungen an seinen Architekten Heinrich Martin Bruns.



Das massive Backsteingebäude sei bereits entkernt und in seine grundlegende Struktur zurückverwandelt worden. Die gesamte Technik müsse erneuert und einem modernen Gastronomiebetrieb angepasst werden. Insgesamt seien 2 Mio. € für den Umbau und einen eingeschossigen Küchenanbau veranschlagt. Der angrenzende Garten mit altem Baumbestand soll ein Biergarten werden, mit großzügigen Spielflächen für Kinder. Bei evangelischen Kirchen reiche der Formalbeschluss der Entwidmung aus, um eine neue Nutzung zu ermöglichen, so Bielefeld-Marketing.de. Für katholischen Kirchen dagegen muss ein Entweihungsritus in Gang gesetzt werden. Die Katholische Bischofskonferenz hat im Jahr 2003 die Regeln für eine ’Profanierung’ festgeschrieben, um den Gemeinden Rechtssicherheit zu geben. In den Richtlinien ist vermerkt, dass eine katholische Kirche keine Diskothek oder keine Moschee werden darf.



In Bielefeld hat sich Architekt Heinrich Martin Bruns in die Geschichte der Martini-Kirche vertieft. Eine einmalige architektonische Herausforderung: „Die Akustik ist phantastisch, die Kultur ist allgegenwärtig.“ Kultur ist auch das Stichwort für Gastronom Fiolka, der die endgültige Entscheidung für sein Engagement mitten in New York in einer umgebauten Kirche getroffen habe: „Da wusste ich: Das willst du auch in Bielefeld machen.“ Mittlerweile sei er fest davon überzeugt, dass sein Projekt auch wirtschaftlich ein Erfolg wird. Seine künftigen Gäste sieht er als Menschen jenseits der 30, die eine ruhige Atmosphäre genießen wollen, Muße in einem ungewöhnlichen Raum suchen, bequem sitzen, nicht allzu laute Musik hören, lesen, sich etwas Gutes tun wollen.



Seit der Ankündigung Tim Mälzers, ebenfalls ein Restaurant in einer Kirche zu eröffnen, gibt Fiolka beim Umbau noch mehr Gas: „Wir wollen auf jeden Fall die ersten sein, die dieses Projekt realisieren.“ Angepeilt wird derzeit ein Eröffnungstermin im August.

www.bernstein-live.de

www.tim-maelzer.de

www.bielefeld-marketing.de

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