BTW-Tourismusgipfel 2002

Optimistische Signale trotz Konjunkturflaute

Mehr als die Terroranschläge vom 11. September, habe langfristig die Zurückhaltung der Verbraucher der Reisebranche erheblich zu schaffen gemacht. Dennoch sei die Flaute nur eine vorübergehende Erscheinung, die die jahrelange positive Entwicklung der Tourismuswirtschaft nicht dauerhaft beeinträchtigen werde.

Diese Ansicht, die allgemein auf Zustimmung stieß, vertrat Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), auf dem Tourismusgipfel in Berlin. Allerdings müssten sich alle Beteiligten auf erhebliche Veränderungen im Reiseverhalten und damit in der Nachfragestruktur einstellen. Gefordert seien ein hohes Maß an Flexibilität, wo es um neue Gefährdungssituationen oder Wachstumspotenziale gehe. Wünschenswert sei ebenso mehr Kreativität bei der Entwicklung innovativer Produkte.



Um Wege zu diesem Ziel ging es u.a. bei der Podiumsdiskussion "Tourismus in der Krise?". Während die Gedanken von TUI-Vorstandschef Michael Frenzel und von Stephan Pichler vom Wettbewerber Thomas Cook vor allem darum kreisten, wie sie möglichst viele Gäste in das Ausland bringen können, bewegten Adlon-General-Manager Jean K. van Daalen mit dem Incoming-Tourismus naturgemäß ganz andere Probleme.

"Weniger Inlandsgäste und ein sehr schlechtes Auslandsgeschäft summieren sich schon zu einer Krise der Hotellerie", sagte er. Allein in der Hauptstadt (van Daalen ist zugleich Präsident des Berliner HoGa-Verbandes), - gingen im 1. Halbjahr die Übernachtungszahlen um 3,6 Prozent zum Vorjahr zurück. Die Auslastung der Hotelbetten lag bei nur noch 48 Prozent. Zu seinen konkreten Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die arg gebeutelte Hotellerie gehörte deshalb besonders, Sales und Stadtmarketing zu intensivieren und die touristische Vermarktung im Wettbewerb mit anderen Metropolen weiter zu fördern.

Nur dann könne man neue Märkte erschließen und bekannte entwickeln. Zweifellos ein Highlight dieses nun schon sechsten "Gipfeltreffens" von Spitzenvertretern der Branche und Politikern. In dessen Mittelpunkt die Mobilität als Schlüsselthema gerückt worden war. Mit Blick auf die sich zuspitzenden Probleme bei derzeit allen Verkehrswegen unterstützte dann auch Dr. Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, vehement den Tourismusverband in seiner Forderung nach mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur.

Deren Ausbau, so der allgemeine Tenor, sei eine wichtige Voraussetzung für weiteres Wachstum. Und entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, das als größter Reisemarkt Europas mit besonderen Problemen zu kämpfen hat.



Ob von der eintägigen Konferenz nun "ein Signal des Aufbruchs", wie es hieß, ausging, bleibt abzuwarten. Eine kleine Umfrage dieser Zeitschrift unter anwesenden Hoteliers erbrachte jedenfalls Zustimmung zu derartigen Dialogen. "Für den Einzelnen mag da zunächst wenig spürbar werden", sagte zum Beispiel Bernd Geyer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied vom Hotelverband Deutschland (IHA).

"Aber die Hotellerie konnte auch hier und vor einer breiten Öffentlichkeit nachdrücklich ihre Forderungen nach Beseitigung von Standortnachteilen, wie den hohen Mehrwertsteuersatz, bekräftigen und sich zusätzlich Gehör verschaffen".

Und Andreas Pflaum, Inhaber von Pflaums Posthotel Pegnitz, merkte an: "Eine wichtige Plattform, um die Tourismus-Marke Deutschland mit ihrer Hotellerie ins rechte Licht zu rücken. Außerdem die Gelegenheit, mit den anderen Trägern des Tourismus und der Politik Erfahrungen auszutauschen".

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