Asien

Raffles Verkauf geplant?

Eine der bedeutendsten in Asien beheimateten Hotelgruppen, Raffles, soll offenbar auf den Markt kommen. Das in Singapur ansässige Unternehmen Raffles Holdings besitzt und betreibt außer ihrem Flaggschiff, dem Raffles Hotel in Singapur, noch weitere 38 Häuser der Fünf-Sterne-Marke Raffles und des Vier-Sterne-Brands Merchant Court. 29 Hotels kamen im Jahre 2001 durch die Übernahme der Schweizer Swissôtels von der schweizerischen Fluggesellschaft Swissair hinzu. Raffles Holdings ist eine in Singapur börsennotierte Aktiengesellschaft.

Ihr Börsenwert belief sich Anfang September dieses Jahres auf rund 520 Mio. Euro. Dieser rechnerische Wert besagt aber nicht viel, da Raffles Holdings einen Großaktionär, CapitaLand, hat, der selbst 60 Prozent der Raffles-Aktien hält. Nach Informationen aus Londoner Bankenkreisen möchte CapitaLand Raffles Holding nun verkaufen, um mit dem Erlös andere Vorhaben (außerhalb des Hotelgeschäfts) angehen zu können. Dabei wird angestrebt, einen deutlich höheren Erlös zu erzielen als er sich aus dem genannten Börsenwert ableitet. Wie bekannt wurde, hat sich CapitaLand bereits an eine Reihe von Banken und andere Hotelgruppen gewandt, um auf diese Weise Käufer zu finden. Ein potenzieller Käufer müsste allerdings angesichts der Aktienmehrheit von CapitaLand voraussichtlich den freien Aktionären ebenfalls ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Um den Wirbel um die Verkaufsgerüchte möglichst gering zu halten, distanziert sich CapitaLand noch offiziell von seinen Absichten. Aus Europa sind bislang drei Gruppen an Raffles Holdings interessiert. Dabei handelt es sich um Six Continents, Hilton und Millennium & Copthorne (M&C). Denkbar und sogar einigermaßen wahrscheinlich ist dabei, dass die kaufende Gruppe je nach ihrer eigenen Präsenz in den Städten mit Raffles-Häusern ziemlich schnell einen Teil der übernommenen Hotels weiterverkauft.

Eine Rolle wird dabei spielen, wie sehr die einzelnen Hotelgesellschaften am Raffles Hotel selbst interessiert sind, denn das 1887 gegründete Haus in Singapur würde wohl mit Sicherheit nicht so schnell wieder auf den Markt kommen. Raffles steckt gegenwärtig in einer Expansionsphase. Erklärtes Ziel der Präsidentin von Raffles Holdings, Jennie Chua, ist es, die Zimmerzahl der Hotelgruppe bis zum Jahre 2005 auf 25.000 zu verdoppeln.

Zu den Schwerpunkten der Expansion gehört beispielsweise Japan. Allerdings ist auch Raffles stark von den längerfristigen Auswirkungen des 11. September 2001 betroffen. Im ersten Halbjahr 2002 erzielte das Hotelunternehmen nur noch einen Gewinn von 17 Mio. Singapore Dollar (umgerechnet 10,3 Mio. Euro) gegenüber 349 Mio. Singapore Dollar in der Vergleichsperiode des vergangenen Jahres. Diese Entwicklung dürfte auf den Erlös für die Kette drücken.
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