Fachtagung

Schulverpflegung braucht höheren Stellenwert

Die neuesten Computerprogramme kennen schon Grundschüler bestens. Um das Ernährungswissen der Sprösslinge steht es dagegen schlecht. Was man in der Schule dagegen machen kann, diskutierten im Niedersächsischen Lechtingen mehr als 70 Ernährungsfachleute aus ganz Deutschland bei der Tagung „Management nachhaltiger Schulverpflegung“, zu der das ökologische WABE-Zentrum – Klaus-Bahlsen-Haus der Fachhochschule Osnabrück eingeladen hatte. Zum Auftakt machte Martin Köhler vom Bundesernährungsministerium klar, dass der Kampf gegen das Übergewicht einen hohen Stellenwert bei der Bundesregierung genieße. Aktuell sei deshalb mit zehn Millionen Euro das Aktionsprogramm „In Form“ angestoßen worden, das dazu beitragen soll, Kinder und Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes wieder besser in Form zu bringen. Ziel sei es, den Trend zu immer mehr überflüssigen Pfunden bis zum Jahr 2020 zu stoppen. Gelingen könne das nur, wenn die Erwachsenen von morgen schon in jungen Jahren mehr über Nahrungsmittel erfahren. „Dieses Thema muss wieder einen höheren Stellenwert in der Schule bekommen“, betonte Köhler. Was zu einem gesunden Mittagstisch gehört und wie man Schüler dafür begeistern kann, machte DGE-Expertin Dr. Margit Bölts klar. Die ideale Schulmensa sollte täglich mehrere warme Gerichte inklusive Salat, Obst und einem Getränk zu einem bezahlbaren Preis anbieten. Auf dem Speiseplan sollten sich Gerichte mit und ohne Fleisch bzw. Fisch die Waage halten. Auch die Currywurst mit Pommes könne durchaus ihren Platz haben – allerdings nicht wöchentlich, sondern allenfalls ein Mal im Monat. Keinen Spaß versteht die Ernährungsfachfrau beim Angebot mancher Schulkioske: „Die süßen kleinen Dickmacher und Zahnkiller haben in der Schule nichts verloren“. Ministerialrat Helmut Temming berichtete für das niedersächsische Kultusministerium über den rapiden Anstieg der Ganztagsschulen, mit dem auch ein steigender Bedarf an Schulmensen verbunden sei. Dank zum Teil erheblicher Subventionierungen sei der Schulmittagstisch in Niedersachsen mit durchschnittlich 2,50 Euro konkurrenzlos günstig. „Auch in der Schule ist Essen mehr als nur satt werden“, betonte die Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Annette Liebner. Die große Teilnehmerzahl der WABE-Tagung zeige, dass sich die Schulen zunehmend mit dem Management nachhaltiger Schulverpflegung beschäftigen. Auch deshalb kündigte WABE-Projektleiterin Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt weitere Veranstaltungen an: „Mit der Tagung wollen wir den vor Ort Handelnden helfen, eine möglichst nachhaltige, gesunde Schulverpflegung zu organisieren, die ökologisch, sozial und ökonomisch tragbar ist“. Wie das in der Praxis funktioniert, konnten die Besucher bei einer kleinen Ausstellung sehen, in der u.a. Schüler und Lehrerinnen des Schulzentrums Hagen a.T.W. ihre etwas andere Schulmensa vorstellten: Dort ist die landesweit erste Schulmensa an den Start gegangen, die zu einem großen Teil auf Bio-Produkte aus der Region setzt. In Hagen bekommen die „Öko-Köche“ dafür gute Noten, berichtet Hauswirtschaftslehrerin Annelies Wilken: „Wir wollen uns immer weiter zu verbessern. Bei der Tagung haben wir dafür viel gelernt“. www.wabe-zentrum.de Redaktion gv-praxis Schulverpflegung, Wabe-Zentrum, Fachhochschule Osnabrück, Bio-Produkte


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