BSE-Krise - Problem

Sicherheitsgefühl

Logo, das ‚Mad Cow Desaster', sprich BSE, trifft Rindfleisch-profilierte Betriebstypen am härtesten. Wir haben bei 5 Großen der Branche reingehört, wie sich Angebot & Nachfrage aktuell gestalten und welche Marketing-Strategien sie verfolgen. Uwe Büscher, Whitbread (Maredo), Düsseldorf: "Wir können nur eins tun: Langfristig Qualität gegen Panik setzen. Unser Hauptthema in der nächsten Zeit wird gesundes Essen sein, denn Maredo ist eine Qualitätsmarke, das gilt für alle Produkte (ab April DIN ISO 9001). Der Gast soll wissen, dass er bei uns kein Käfighuhn bekommt! Denn 30 % der Gäste verlagern sich auf Ausweichprodukte wie Geflügel, Schwein, Wild und Fisch. Kurios: Steakgerichte, die man selbst zusammenstellt, brechen ein, aber Komplettgerichte mit Eigennamen werden weiter bestellt. Ab März wird unsere Karte 12 neue Produkte umfassen, doch wir bleiben ganz klar beim Steak. Schließlich ist das unsere Kernkompetenz, aber wir wollen demonstrieren: Hey, wir haben auch das und das und das. Unsere Werbekampagne kommuniziert diese Inhalte: Radiowerbung, Mailing an 320.000 Stammkunden und 1,8 Mio. Flyer-Postwurfsendungen." Rolf Kreiner, McDonald's, München: "Es ist eine Krise der Ernährungsindustrie und wir, die Gastronomie, stecken als Abnehmer zwischendrin. Ja, es kommen etwas weniger Gäste durch die Tür. Das Genussmoment fehlt. Der Ø-Bon ist nicht unser Problem, er bleibt - auch wenn sich die Rindfleisch-Nachfrage mehr auf Chicken und Pork verlagert - durch die Menü-Offerten stabil. Natürlich stellen wir auf weniger Beef um. Nicht, weil wir unserem Rindfleisch nicht trauen würden, nein: weil dies seit längerem geplant ist. Ausnahme: Big Mäc. Er war, ist und bleibt unser Flaggschiff, darauf wollen und können wir in den Menüs nicht verzichten. Zum Glück nehmen ihn die Kunden mehr als Synonym für McDonald's wahr und weniger als Rindfleisch. Es ist schwer, Rind - oder wie in unserem Fall reines Muskelfleisch - gegen den Trend durchzusetzen. Der Gastronom ist im weitesten Sinne ein Retailer. Will heißen: Wenn es regnet, verkaufen sich Regenschirme gut, wenn die Sonne scheint, dann eben Sonnencreme. Eigentlich sollte man meinen, dass die Schnelltests Verbrauchersicherheit schaffen, indem kranke Tiere aussortiert werden. Doch bislang wird das Instrument lediglich als Darstellung genutzt. Die Reaktion der Verbraucher auf BSE ist im europäischen Vergleich hier ausgesprochen stark, ausgesprochen emotional. Damit müssen wir leben. Es gilt jetzt, Sicherheitssysteme aufzubauen, die hoffentlich möglichst bald anfangen zu wirken. Entscheidend ist, dass sich der Verbraucher möglichst bald wieder sicher fühlt." Herbert Gruber, Asado Steak, München: "Das Problem ist: Den Leuten ist gründlich der Appetit vergangen. TV-Bilder von sezierten Gehirnen und geschredderten Tierkörpern nehmen die Lust am Essen. Ich persönlich habe noch nie so viel Steak gegessen wie jetzt. Unser Produkt lernte ich durch die BSE-Krise noch mehr schätzen als vorher schon! Doch das Vertrauen des Konsumenten ist nachhaltig erschüttert. Allein rigorose Aufklärung von A-Z kann dies langfristig reparieren. Schwere Fehler macht an dieser Stelle die Politik, immer noch! Da werden die Namen von Futtermittel-Panschern gedeckt. Anstatt denen den Betrieb dicht zu machen, kommen sie mit lächerlichen Geldbußen davon! Wir stehen zu unserem Produkt, schließlich kauft man nicht argentinisches Fleisch, weil es billiger ist. Es ist Natur pur. Dennoch: Man muss verstärkt Ausweichprodukte anbieten, denn die Verlagerung liegt bei 20 - 25 %. Seafood ist eine solche Alternative und liegt im Trend." Armin Bieri, Burger King, München: "Das Marktpotenzial ist weiterhin gut. Unser Geschäft läuft zufriedenstellend. Wir glauben, dass uns unsere Gäste treu bleiben. Wir möchten ihnen ein Sortiment anbieten, das möglichst verschiedene Geschmacksrichtungen bedient. Natürlich ist der klassische Burger unser Zugpferd, aber wir sind bemüht, immer wieder Neuheiten anzubieten und mit dem wechselnden Angebot des King des Monats erhöhen wir die Varianz in unserem Sortiment. Die Nachfrage hat sich nur leicht verschoben: Unsere Gäste fragen etwas mehr nach Chicken-Produkten. Neben den klassischen Produkten bieten wir unseren Kunden als Alternative Salate, den Fish King oder den Country Burger (vegetarisch) etc. an. Thema Sicherheit? Alle unsere Lieferanten unterliegen strengen Qualitätskriterien. Wir verwenden nur hochwertiges Muskelfleisch und halten uns strikt an die Gesetzesrichtlinien: Die Herkunft des Fleisches ist lückenlos nachweisbar. Unsere Gäste können sich darüber auch auf unserer Homepage und über die Hotline informieren. In den Restaurants ist ein Gästebrief ausgelegt." Eugen Block, Block House-Restaurants, Hamburg: "So etwas habe ich noch nicht erlebt, seit es unsere Firma gibt. Unsere Reaktion? Keine Angebotsänderungen! Steaks, aus dem Fleisch argentinischer Rinder, waren, sind und bleiben unser Hauptprodukt. Ihre 60 % Umsatzanteil bei Food können wir aktuell natürlich nicht halten. Viele Gäste weichen auf Artikel unserer leichten Vitaminküche aus. Zufällig, wirklich zufällig, haben wir im Herbst beschlossen, zwei neue Bandnudel-Artikel auf die Karte zu setzen. Das hilft jetzt sehr. Interessanterweise hat die Nachfrage nach dem Block Burger überhaupt nicht gelitten. Und auch eine Neueinführung, nämlich ein XXL-Steak mit 500 g für 2 Personen, macht ihren Weg. Der Artikel läuft praktisch unbeeinflusst von der BSE-Krise gut bis sehr gut. Insgesamt betrachtet liegen die Umsatzeinbußen in Hamburg (und Düsseldorf) am niedrigsten - zum Teil lediglich einstelliger Rückgang - da wirkt der Faktor Vertrauen kraft Marke am stärksten. Die Hamburger Bevölkerung sieht uns weniger als Steakhouse, sondern als gastronomischen Rundum-Versorger. Die Aufgabe heißt, das Vertrauen zu intensivieren, Appetitlichkeit und Genuss zu vermitteln. Am liebsten würde ich BSE lächerlich machen." Übrigens: Die Werbung von Block House im Textteil der großen Tageszeitungen argumentiert: 'Unsere Rinder sind Vegetarier'.
Größte Probleme durch BSE-Krise*
  • "Die Problematik ist noch lange nicht ausgestanden, sie wird sich 2001 wie ein 'Roter Faden' durch das Lebensmittel verarbeitende Gewerbe ziehen."
  • "Allgemeine Verunsicherung in Bezug auf die Glaubwürdigkeit von Speisenangeboten; d.h. Rückgang des Verzehrs in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung."
  • "Aus der BSE-Krise wurde - was noch viel schlimmer ist - eine Wurstkrise. Die Auswirkungen für die Branche sind noch nicht abzusehen."
  • "Neben Engpässen in der Beschaffung und dem Risiko von Qualitätsverlusten die steigenden Preise bei hochwertigen Substitutionsprodukten wie Wild, Fisch, Geflügel."
  • "Schnelle, systematische Umstellung der Rezepturen und des Sortiments ohne Verlust des Qualitätsstandards. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Lieferanten und der Gastronomie ist dringend und zwingend erforderlich!"
  • "Man konsumiert bewusster. Der Qualitätsgedanke steht im Vordergrund und somit das Vertrauen zur Marke."
  • >li>"Die Angebotsrange wird erheblich eingeschränkt - das ist jedoch auch eine Chance, noch kreativer mit den verbleibenden Alternativen zu arbeiten."
  • "Aus der BSE-Krise werden wir die Konsequenz ziehen, dass wir die wenigen Produkte mit Rindfleisch gegen Schweinefleisch austauschen."
  • "Der unbekannte Infektionsweg und evt. kommende Übertragung durch Milch und Milchprodukte."
  • "Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Verzehrgewohnheiten des Verbrauchers ändern."
  • "Mangelnde Aufklärung über ungefährdete Fleischteile wie Muskelfleisch."
  • "Die mögliche Entwicklung, dass sich die gegenwärtige Diskussion immer stärker gegen Fleischverzehr generell richten könnte, und der Verbraucher dadurch zunehmend verunsichert reagiert, d.h. gegebenenfalls verstärkt auf vegetarische Speisen zurückgreifen wird."
  • "Die Unverlässlichkeit der Herstellerangaben und unehrliche Lieferanten! Wem kann man überhaupt noch trauen?"
  • "Vertuschung und Missmanagement in Legislative und Wirtschaft."
  • "Klare Information seitens der Produktion - damit auch wir klare Auskünfte geben können."
  • "Wir werden das Vertrauen der Verbraucher erst zurückgewinnen, wenn gesetzliche Maßnahmen am Markt greifen."
*food-service Befragung von 100 Gastronomen


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