Lebensmittelhygiene

Smileys als bundesweites Gütesiegel?

Seit gestern tagen die Verbraucherminister in Potsdam. Dabei geht es auch um den Smiley als Gütesiegel in Sachen Hygienestatus in Restaurants & Co. Einzelne Bundesländer wie Niedersachsen und Berlin vergeben bereits Smileys. Die Politik strebt nach einer bundesweit einheitlichen und öffentlich gemachten Bewertungslösung für Gastronomiebetriebe – Branchenorganisationen wie Dehoga und BLL sehen das Smiley-Modell nach dänischem Vorbild indes äußerst kritisch.
 
Eine bundesweit einheitliche Hygienebewertung von Gastronomiebetrieben zum Zweck verbesserter Verbraucherinformation: erklärter Wunsch der Politik. Dafür plädiert beispielsweise Bundesministerin Ilse Aigner. Und Verbraucherministerin Lucia Puttrich hat sich konkret für das Smiley-System ausgesprochen.
 
Erstmals wurde der Smiley als amtliches Gütesiegel 2009 im Berliner Bezirk Pankow eingeführt, zudem wurde eine Negativ-Liste im Internet veröffentlicht. Das mehrstufige Smiley-System ist simpel: Ein breit lächelnder Smiley attestiert Gastronomiebetrieben, dass sie hygienisch einwandfrei arbeiten. Bei Beanstandungen schaut der Smiley dagegen traurig drein.
Ob der Smiley kommt, haben die Länder zu entscheiden. Ebenso die Regularien: freiwillige oder verpflichtende Veröffentlichung? Und: Müssen auch negative Resultate kommuniziert werden?
Fest steht, Beanstandungen bei der Lebensmittelkontrolle sind an der Tagesordnung – in der Regel erfährt der Verbraucher nichts davon. Doch mit gutem Grund hat der Dehoga Bundesverband bereits anlässlich des Smiley-Vorstoßes in Pankow davor gewarnt, Gastronomen leichtfertig öffentlich an den Pranger zu stellen. Insbesondere sei die besagte Negativliste äußerst fragwürdig: Denn ob die Lebensmittelkontrollbehörden mit ihrem geringen Personalbestand überhaupt in der Lage sind, die erforderlich werdenden Nachkontrollen durchzuführen und die Negativliste auf einem aktuellen Stand zu halten, ist höchst zweifelhaft. Wenn aber zeitnahe Nachkontrollen nicht gewährleistet werden können, darf keine derartige Liste veröffentlicht werden, stellt der Verband klar. Ebenfalls gebe es eine Vielzahl offener Punkte zur Sinnhaftigkeit des Smiley-Systems. Selbst wenn nur positive Bewertungen veröffentlicht würden, sei die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen groß, mahnt der Dehoga. In der Tat: Wie soll es beispielsweise der Verbraucher es interpretieren, wenn ein Betrieb kein Smiley-Zeichen hat? Und fest steht, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Behörden wohl kaum in der Lage sind, alle Betriebe zeitgleich zu testen.
 
Jüngst nahm auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) Stellung zur gegenwärtigen Smiley-Diskussion: Eine Übernahme des in Dänemark praktizierten Systems würde eine Abkehr vom bisherigen Kontrollansatz und eine erhebliche Aufstockung der personellen wie finanziellen Mittel auf Seiten der Bundesländer voraussetzen. Bislang werden die Lebensmittelunternehmen hierzulande nach einem risikoorientierten Ansatz kontrolliert, d. h. bestimmte Betriebe werden intensiver überwacht als andere. Bei einer Einführung des dänischen Smiley-Systems müssten dagegen deutschlandweit kontinuierliche und zeitlich eng getaktete Kontrollen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung für sämtliche Lebensmittelbetriebe sichergestellt werden, um zumindest halbwegs aktuelle, vergleichbare und repräsentative Ergebnisse zu liefern. Die Gleichbehandlung aller Unternehmen muss schon aus Wettbewerbsgründen gewährleistet sein, erklärt BLL-Geschäftsführer Dr. Marcus Girnau: „In Dänemark haben sämtliche Betriebe zeitnah eine Ausgangsbewertung erhalten, die einen Vergleich der Betriebe untereinander zulässt und Wettbewerbsverzerrungen vermeidet. Außerdem sind die Bewertungen vergleichbar, weil es ein landesweit einheitliches System mit gemeinsamen Kontrollkriterien gibt. In Deutschland ist die Lebensmittelüberwachung hingegen Ländersache. Außerdem kann ein Betrieb in Dänemark nach einem schlechten Befund sehr zeitnah nach der Mängelbehebung eine Nachkontrolle einfordern, um nicht dauerhaft mit dem Makel einer schlechten Bewertung behaftet zu sein. Diese Voraussetzungen sind in Deutschland derzeit nicht gegeben.“ Hinzu komme, dass eine negative Bewertung, wenn sie sich erst einmal im Internet verbreitet habe, im Netz kaum mehr entfernt werde könne – selbst wenn die Mängel lange bereits abgestellt worden seien. Dass allein dies für einen Gastronomiebetrieb heutzutage schwer belastend, wenn nicht existenzbedrohend sein kann, lässt sich unschwer ausmalen.
 
www.dehoga.de
www.bll.de
 



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