DFB-Koch Holger Stromberg

So speist die Nationalmannschaft in Südafrika

Er ist fester Bestandteil von Jogi Löws WM-Masterplan: Starkoch Holger Stromberg, seit 2007 für den Speiseplan der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft verantwortlich. Gemeinsam mit den deutschen Hoffnungsträgern gibt es für ihn vom 11. Juni bis 11. Juli nur ein Ziel: das Wahrwerden eines südafrikanischen Wintermärchens!

Längst beschäftigt sich Stromberg mit den Vorbereitungen für das Ernährungsprogramm während der WM in Südafrika: anders als 2008 bei der EM in Österreich und der Schweiz wird er in Südafrika völlig andere Gegebenheiten vorfinden. Er muss Faktoren wie Klima, Logistik, die Beschaffenheit der Lebensmittel und mögliche Risiken im Vorfeld einschätzen, um einen reibungslosen Ablauf vor Ort einerseits sowie die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mannschaft andererseits zu gewährleisten. Im Interview gibt er spannende Einblicke:

Unsere Nationalmannschaft bereitet sich sehr intensiv auf die WM in Südafrika vorbereitet. Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?

Wir nehmen mit den Hotels und den jeweiligen Küchenchefs gezielt Kontakt auf und recherchieren die Einkaufsbedingungen vor Ort. DFB-Kollegen waren in Südafrika mehrfach in unserem WM-Quartier zu Gast, um alles von Deutschland aus optimal vorbereiten zu können. Über die deutsche Botschaft wurden ortsansässige Deutsche kontaktiert, um auch für mich spezielle Fragen besser einschätzen zu können. Mein Küchenplan basiert darauf, die Menüpläne mit vielen regionalen Lebensmitteln zu erstellen. Ich freue mich auch persönlich sehr auf die herrlichen einheimischen Produkte, die hohe Ansprüche erfüllen werden.

Sind die Menüpläne beim Flug schon im Gepäck?

Die Menüpläne werden nicht nur bei der WM, sondern bei jedem Länderspiel immer im Vorfeld erstellt und an die Hotels kommuniziert. Danach nehmen die Hotels die Bestellungen der Lebensmittel vor und übernehmen die vorbereitenden Tätigkeiten. Während des Turniers kocht der Chefkoch des Hotels dann in Absprache mit mir und ich bin inklusive der organisatorischen Abläufe bei den Mahlzeiten für die Gesamtkoordination verantwortlich. Selbstverständlich lasse ich mir bei der WM auch Raum für spontane Ideen, wie zum Beispiel eine 'Brotzeitplatte', einen 'afrikanischen Abend' oder ein Barbecue. Spontane Ideen sind wichtig für das gesamte Team, es beeinflusst die Stimmung positiv und sorgt gleichzeitig für Abwechslung bei so langen Turniertagen.

Und was ist, wenn bei den Spielern mal Hamburger mit Pommes ganz oben auf der Wunschliste stehen?

Kein Problem - keine Speise ist grundsätzlich ungesund. Ich serviere ab und zu Hamburger, denn im Grunde ist das die perfekte Mahlzeit. Mageres Rindfleisch steht für Eiweiß, frischer Salat für Vitamine und Mineralien und ein Vollkornbrötchen für komplexe Kohlenhydrate. Und auch Pommes kann man auf gesunde Art zubereiten, in dem sie in Rapsöl frittiert werden. Noch dazu ist die Hamburgersauce auch selbst mit wenigen Handgriffen hergestellt: Cremigen Joghurt, etwas Senf und Ketchup sowie frischen Meerrettich miteinander verrühren und fertig ist die passende Sauce.

Wenn Sie auf die Europameisterschaft 2008 zurück blicken, was wollen Sie in Südafrika besser oder anders machen?

Im Hinblick auf die WM in Südafrika ist die organisatorische Herausforderung ein Teil meines Jobs. Die Voraussetzungen während der EM im Tessin waren sensationell. Dieses Mal wird die Warenbeschaffung beim Einkauf sicher schwieriger werden. Allerdings werde ich zur Unterstützung einen weiteren Koch und eine Servicekraft vor Ort einsetzen - zusammen werden wir die Herausforderung meistern.

Wie wird das Essen serviert? Bekommen Spieler und Betreuer das gleiche Essen?

Wir bieten immer ein Buffet, an dem sich jeder die Speisen individuell zusammenstellen kann. Die Spieler, Trainer und Betreuer treten als eine Einheit auf und essen folglich auch gemeinsam.

Was ist die letzte Mahlzeit für die Mannschaft am Tag des Spiels und wie viele Stunden vor dem Anpfiff wird sie angeboten?

Die Spieler bekommen ca. 3,5 Stunden vor dem Spiel ihren 'Pre-Match-Snack' in Form einer sehr kohlenhydratreichen Speisenauswahl. Aus Tradition gibt es Tomaten- und Bolognesesoße mit Integrale- bzw. Dinkelnudeln. Dabei liefern die Vollkornnudeln komplexe Kohlenhydrate, die länger Energie spenden. Außerdem gibt es noch eine Auswahl an Kuchen und Sandwiches, auch hier spielt das verwendete Mehl eine energetische Rolle. Meistens werden Rühr- und Sandkuchen angeboten. Bei der letzten Mahlzeit vor dem Spiel vermeide ich kulinarische Experimente. Mein Ziel ist lediglich, die Zufuhr von Energie zu sichern und dabei den Magen nicht zu reizen.

Viele beneiden Sie sicherlich um Ihren Job. Aber haben Sie während der WM in Südafrika überhaupt Zeit, sich das Land oder ein paar Spiele anzuschauen?

Zeit für private Ausflüge werden wir nicht haben, das ist aber auch nicht Sinn meiner Tätigkeit. Bei den Spielen werde ich selbstverständlich im Stadion sein, um mitzufiebern und mit anzufeuern. Das wäre auch schwer zu verkraften, wenn ich ein Spiel am Radio mitverfolgen müsste - reinste Quälerei.

Dennoch wird nicht jeder Koch auch gleich Koch der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie war das bei Ihnen?

Oliver Bierhoff war kurz nach der WM 2006 in einer meiner Münchner Lokalitäten zu Gast. Durch meinen allabendlichen Rundgang komme ich immer wieder mit Gästen ins Gespräch, so auch mit ihm. Wir tauschten uns zur Qualität der Zutaten, unserer Philosophie und Teamführung aus und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Ich habe ihm meine Visitenkarte gegeben und gesagt, er könne sich bei mir melden, falls er mal kulinarische Unterstützung braucht. Einige Wochen später hat er dann tatsächlich angerufen und mir zu meiner Überraschung den Posten bei der Nationalmannschaft angeboten. Das war ein sehr besonderer Moment für mich.

Können unsere Fußball-Profis in Sachen gesunde Ernährung etwas bewirken?

Ich bin überzeugt, dass unsere Fußball-Profis als Vorbild dienen und etwas bewirken können. Fans identifizieren sich mit ihren Idolen, mit ihrem Lifestyle und somit auch mit der Ernährung.

Nelson Mandela hat gesagt, dass Sport die Macht hat, Menschen zu inspirieren und zusammenzuführen. Würden Sie sagen, dass für Essen das gleiche gilt?

Auf jeden Fall würde ich dem hundertprozentig zustimmen. Beides sichert Freude.

Haben Sie einen Tipp für einen gesunden und leckeren WM-Snack, der die Fans vor den Fernsehern in der Gastronomie oder zu Hause begeistern könnte?

Ideal sind zum Beispiel Gemüsesticks oder Hühnchensatays mit einem spicy Gurken-Minz- Joghurtdip. Beide Snacks lassen sich wunderbar vorbereiten und ohne zusätzliches Geschirr servieren. Sie liefern jede Menge Vitamine, Mineralstoffe und biologisch hochwertiges Eiweiß. Der spicy Gurken-Minz- Joghurtdip gibt den Snacks einen frischen und kühlenden Touch, passend zu dieser Jahreszeit. Ebenso wird der Kreislauf der fiebernden Fußballfans durch die leichte Schärfe zusätzlich angeregt.

Seit August 2007 gehört Holger Stromberg als Koch der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum offiziellen Betreuerstab des DFB. Geboren 1972 als Sprössling einer Gastronomenfamilie in Münster, erarbeitete sich bereits mit 23 Jahren seinen ersten Michelin-Stern im Restaurant 'Goldschmieding' in Castrop-Rauxel. Seit 2003 geht er als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der F.E.B. Food.Entertainment.Beverage GmbH in München eigene Wege. Neben seinem Engagement für den DFB führt der Starkoch ein europaweit agierendes Catering-Unternehmen. Darüber hinaus betreibt er diverse Event-Locations. 2008 rief Stromberg mit Curry73 eine eigene Currywurst-Kette ins Leben. Seit März 2010 lädt er außerdem zum kultivierten Genießen in sein Stromberg Café bei BMW Lenbachplatz in München ein. Sein neuester Coup ist das großzügige und außergewöhnliche 'Kutchiin' in München: Event-Location, Tages-Gastronomie und Frische-Markt unter einem Dach. Gemeinsam mit seiner Mutter Brigitta und seinem Geschäftspartner, Freund und Sternekoch Stefan Manier leitet er zudem das elterliche Gasthaus Stromberg in Waltrop.

http://www.holgerstromberg.de/


stats