International

Sodexho zieht in Spanien vor Gericht

Sodexho hat gegen die Landesregierungen von Andalusien und Valencia Klage wegen wiederholter Nichtzahlung im öffentlichen Gesundheitswesen erhoben. Laut Michel Franceschi, Geschäftsführer von Sodexho España, begleichen die beiden autonomen Länder ihre Rechnungen regelmäßig mit über einem Jahr Verspätung, während die spanischen Gesetze eine Frist von 70 Tagen vorgeben. "Die Situation ist unerträglich und zwingt uns sogar dazu, Verträge mit der öffentlichen Verwaltung abzulehnen, um uns verstärkt auf den Privatsektor zu konzentrieren." Das Problem beschäftigt Sodexho in Spanien tatsächlich schon seit längerem. Während der französische Konzern im südlichen Nachbarland vor fünf Jahren noch rund 70 Prozent aller Verträge mit der öffentlichen Verwaltung und nur 30 Prozent mit privaten Unternehmen abgeschlossen hat, stellt sich die Situation heute genau umgekehrt dar. Allerdings ist nicht ganz Spanien so zahlungsunfreudig. "Sowohl Madrid als auch das Baskenland begleichen ihre Rechnungen sehr pünktlich und auch in Katalonien kann von einer angemessenen Zahlungsbereitschaft die Rede sein", unterstreicht Franceschi. In den anderen Ländern gebe es zwar auch Probleme, allerdings seien sie nicht so gravierend wie in Andalusien und Valencia.

Nicht nur der spanische Gemeinschaftsverpflegungssektor hat mit der geringen Zahlungsmotivation der Länder zu kämpfen. Sowohl die Hersteller von Krankenhausausstattungen als auch die Arzneimittelindustrie berichten von ähnlichen Schwierigkeiten. Von seit vier Jahren unbeglichenen Rechnungen ist im Einzelfall die Rede. Am alarmierendsten ist die Situation in der südlichsten Region Spaniens. Das andalusische Gesundheitssystem SAS schuldet seinen Zulieferern insgesamt stattliche 2,5 Mrd. Euro, Valencia steht mit immerhin 450,0 Mio. Euro in den roten Zahlen.

Trotz der schwierigen Situation im öffentlichen Gesundheitswesen können die Franzosen mit der Entwicklung in Spanien zufrieden sein. Sodexho España ist nach Deutschland die in Europa am stärksten wachsende Filiale des Unternehmens und positioniert sich in Spanien nach Compass auf Rang zwei. Im letzten Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von 120,0 Mio. Euro verzeichnet, zehn Prozent mehr als 2002. Für das kommende Jahr rechnet man mit einem weiteren Zuwachs von 14 Prozent. Martina Kunze

stats