Treugast-Trendgutachten Hospitality

Städtetourismus vorn

Die großen Kongresse machen bei ihrer „Wanderschaft“ rund um den Erdball immer häufiger in Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main oder München Station. Deutschland sei heute bereits „das bedeutendste Tagungszentrum Europas“, stellte der Geschäftsführer der Münchner Unternehmensberatung Treugast Stephan Gerhard bei der Vorstellung des Trendgutachtens Hospitality 2005/2006 anlässlich der Expo Real fest. Die im internationalen Vergleich äußerst günstigen Hotelpreise, Billigangebote der Low-Cost-Carrier, eine ausgeprägte Infrastruktur sowie der hohe Sicherheitsstandard führten zur Pole-Position der deutschen Tagungsdestinationen. „Und“, ergänzt Gerhard, „zwischen Flensburg und Oberstdorf kann Deutschland mit zahlreichen Incentive-Modulen glänzen.“ Tagungen und Kongresse, aber auch gut vermarktete kulturelle Highlights, wie beispielsweise die Wiedereröffnung der Frauenkirche (Dresden), Musicals (Hamburg), Ausstellungen (MoMa in Berlin), trugen wesentlich dazu bei, dass sich der Städtetourismus 2004 zu einem „Zugpferd der Branche“ entwickelte. Rund 77,8 Mio. Übernachtungen entfielen in Deutschland im Jahr 2004 auf Großstädte, das sind rund ein Drittel aller Übernachtungen, und „der Trend hält an“, prophezeit der Treugast-Geschäftsführer. Allein die vier wichtigsten Metropolen Berlin, München, Hamburg und Frankfurt erreichten mit 31 Mio. Übernachtungen 40 Prozent des gesamten Aufkommens im deutschen Städtetourismus, wobei Berlin (plus 16 Prozent), Dresden (plus 12,3 Prozent) und Köln (plus 10,5 Prozent) die höchsten Zuwachsraten erzielten. Gemessen an der Zimmerauslastung im Jahr 2004 machten vor allem die Städte im Ruhrgebiet einen Sprung nach vorne: So verbuchten Köln und Essen eine Steigerung um mehr als zehn Prozent. Auf den Spitzenplätzen lagen allerdings Heidelberg (73 Prozent), Hamburg (69,4 Prozent) und München (69 Prozent). Auch im kommenden Jahr werde die Auslastung besser sein als im Vorjahr, prognostiziert Gerhard. „In den Stadthotels ist mit einem Umsatzanstieg von mindestens zwei bis drei Prozent zu rechnen.“ Sondereinflüsse wie die Fußball-WM 2006 spielten dabei eine wesentliche Rolle. Die günstigen Zimmerpreise, die Gäste aus nah und fern anziehen, haben aber auch ihre Schattenseiten. Angesichts steigender Nachfrage (Übernachtungsplus von 5 Prozent im Jahr 2004) und sinkender Zimmerpreise, stehen für Gerhard die ökonomischen Regeln auf dem Kopf. Seiner Meinung nach bleibt auch im laufenden Jahr der Preisdruck „enorm hoch“, zumal die Kosten „weiter in die Höhe klettern.“ Diese Situation kann fatale Folgen für die Branche haben. Denn aufgrund fehlender Finanzmittel bleiben die notwendigen Investitionen aus. „Vor diesem Hintergrund und nach den Forderungen von Basel II steht die auf Bankkredite fokussierte Unternehmensfinanzierung vor dem Umbruch“, ist Gerhard sicher, denn das traditionelle Hausbankenmodell kollidiere mit den Anforderungen des internationalen Kapitalmarktes. Das spiegelt sich auch in der Praxis wider, in der immer häufiger attraktive Finanzierungsformen wie Leasing, Beteiligungen oder Mezzanine-Finanzierungen an Bedeutung gewinnen. Das Trendgutachten der Treugast gibt auch Handlungsempfehlungen für Investitionen in Hotelimmobilien auf Basis der wichtigsten Trends in der Branche. Um Vergleiche zu ermöglichen, teilt die Treugast die Hotelbetriebe in strategische Gruppen ein, die sich nach Standardisierungsgrad und Qualitätsstandard richten. Die Bewertung der Gruppen lehnt sich an das Triple-A-System amerikanischer Rating-Agenturen an. Demnach steigen Luxusanbieter in der diesjährigen Bewertung von BBB auf A. Auch die Spezialisten als Gruppe erfahren eine leichte Aufwertung vom A auf AA – unter anderem durch die noch besseren Marktchancen der Tagungs- und Kongresshotels. „Spezialisten, ob privat oder nicht privat, gewinnen“, macht Gerhard am Beispiel der Wellness- und Medical-Wellness-Betriebe fest. Profilierten Privathotels räumt er mittelfristig gute Chancen ein, weil sie die wachsenden Bedürfnisse der Gäste nach individueller Betreuung besser gerecht werden können als die Kettenhotellerie. Zu den Verlierern zählen die traditionellen Kurhotels – sie können sich nur schwer auf den Wellnessmarkt mit dem immer spezifischeren Anforderungen einstellen. Insgesamt werde die Nachfrage nach Hotelimmobilien in Deutschland weiter steigen, äußerte der Treugast-Geschäftsführer. Trotz regionaler Überkapazitäten zähle die Hotelimmobilie zu einer der renditestärksten Immobilieninvestitionen. Gute Investmentchancen sieht Gerhard in Mixed-Use-Immobilien, in der Zwei- und Drei-Sterne Tagungshotellerie, in der Zwei-Sterne-Budgethotellerie und in der Drei- bis Vier -Sterne-Businesshotellerie.



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