VDD-Bundeskongress

Steinkamp mahnt Änderungen an

Rund 1.300 Diätassistenten und Ernährungsmediziner reisten aus der gesamten Republik zum 5. Bundeskongress des Verbandes der Diätassistenten (VDD) in die Autostadt Wolfsburg. Der diesjährige Branchentreff stand ganz im Zeichen der politischen Forderungen des Berufsverbandes.


In ihrer Eröffnungsrede brachte es die Präsidentin des Berufsverbandes VDD, Doris Steinkamp, auf den Punkt. Der Beruf der Diätassistentin befinde sich derzeit in einer Sackgasse. Den Diätassistenten sei es in Deutschland nicht möglich, sich aufbauend auf die Berufsausbildung akademisch weiterzubilden. Die Diättherapie sei – trotz eines eindeutigen Urteils des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2000 – immer noch nicht als Heilmittel anerkannt. Und der Berufstitel spiegelt bei Weitem nicht die Kompetenz und Fachlichkeit, mit der Diätassistenten heute ihren Beruf ausübten. Er sei deshalb zu ändern, forderte sie, damit Patienten und Ärzte auf Anhieb sehen könnten, welche Qualität in Beratung und Therapie sie bei Diätassistenten erwarten könnten. Das sei aus Gründen der Patientensicherheit unabdingbar.


Die Präsidentin des europäischen Dachverband der Diätassistenten, Professor Anne de Looy von der University of Plymouth, war ebenfalls zur Eröffnung des Bundeskongresses gekommen und unterstrich die Bedeutung der deutschen Diätassistenten im internationalen Kontext. Sie hatte sich bereits mehrfach zuvor besorgt darüber geäußert, dass die Diätassistenten in Deutschland als einzige auf europäischer Ebene bislang keinen Zugang zu einer spezifischen akademischen Aus- und Weiterbildung erhalten.


Schützenhilfe erhielt der VDD auch von den Vertretern der Ernährungsmedizin: Professor Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbandes der Ernährungsmediziner (BDEM) –sagte in seiner Begrüßung: „Wir Ernährungsmediziner brauchen Diätassistenten als qualifizierte Mitglieder der Ernährungsteams.“ Ernährungsabhängige Krankheiten nähmen dramatisch zu, die Folgekosten seien die Hauptursache für die Kostenentwicklung in unserem Gesundheitssystem.


Professor Arved Weimann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), betonte ebenfalls die Paradoxie von Überfluss einerseits und Mangelernährung und Adipositas andererseits in unserer Gesellschaft. Er sehe eine essenzielle Notwendigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit von Medizinern und Diätassistenten. Die Partnerschaft zu diesem klassischen Heilberuf sei aus ärztlicher Sicht unabdingbar, ebenso wie die Akademisierung des Berufes, damit der Anschluss an die europäischen Nachbarländer nicht verloren gehe.


Der zweitägige Kongress bietet den Diätassistenten über die berufspolitischen Dimensionen hinaus eine hochkarätige und fundierte Weiterbildung, ein regelrechtes ‚Wissens-Update in Diätetik und Medizin’, so der Titel des Fachkongresses. Die Fachbesucher diskutieren hochaktuelle Themen, zum Beispiel zum Thema Patientensicherheit: Wie kann die Qualität in der Diättherapie sichergestellt werden? Immer häufiger wird Fettleibigkeit (Adipositas) mittels Operation behandelt: Wie hat die begleitende diätetische Ernährung vor und nach einer Operation auszusehen? Oder auch: Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen psychischen Erkrankungen und Ernährung? Wie kann eine Diättherapie von depressiven Patienten geplant und umgesetzt werden, ohne sie zu überfordern? Auch die kultursensible Beratung von Patienten mit Migrationshintergrund ist ein zunehmend wichtiges Thema und steht folgerichtig in Wolfsburg auf dem Programm.


Begleitend zum Fachkongress präsentieren rund 70 Unternehmen der Branche ihr Angebot. Auch das eine gute Gelegenheit für Diätassistenten, sich über Neuentwicklungen und Trends im direkten Gespräch zu informieren. In Satellitensymposien der Industrie ging es u.a. um die Rolle der Medien bei der Meinungsbildung zu Fragen der Ernährung, um Genießen und Gesundheit oder um Functional Food. Auch das spannende Themen, die die derzeitige öffentliche Diskussion beeinflussen.
 
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