Six Continents

Streit um die Geschäftspolitik

Soll der Six Continents Hotelkonzern weitere Hotelgruppen übernehmen oder besser die "Kriegskasse" an die eigenen Aktionäre ausschütten? Über diese Alternative streiten sich gegenwärtig die Konzernspitze und verschiedene einflussreiche Aktionäre, so der Aktienfonds Hermes, vertreten durch seinen Vorsitzenden der Geschäftsführung, David Pitt-Watson. Konkret geht es bei dieser Auseinandersetzung darum, ob Six Continents die beiden amerikanischen Gruppen Starwood (einschließlich Sheraton) und Wyndham übernehmen soll oder nicht. Verzichtete Six Continents auf die beiden Übernahmen, so könnten bis zu 1 Mrd. Pfund oder umgerechnet 1,6 Mrd. Euro ausgeschüttet werden, ohne die sonstigen Ziele der Six Continents-Marken und -Gesellschaften zu gefährden, so wenigstens Pitt-Watson. Dabei merkt Pitt-Watson an, dass schon der Kauf von Inter-Continental im Jahre 1998 für 1,8 Mrd. Pfund (2,9 Mrd. Euro) viel zu teuer gewesen sei und damit effektiv Werte der Aktionäre vernichtet habe.

Bei Six Continents handelt es sich um die frühere Bass-Hotelgruppe, deren Flaggschiffe heute Holiday Inn und Inter-Continental sind. Kürzlich hatte Six Continents die britische Posthouse Kette für den Preis von 810 Mio. Pfund oder 1,28 Mrd. Euro übernommen. Im Geschäftsjahr 2000/2001 (30. September) hat der Konzern 4,03 Mrd. Pfund oder 7 Prozent mehr als im Vorjahr umgesetzt und vor Steuern 731 Mio. Pfund oder drei Prozent weniger als im Vorjahr verdient. Der 11. September schlug mit Umsatzeinbußen von 25 Mio. Pfund zu Buche. Dass der Gewinn leicht zurückging, erklärt Six Continents mit Rückstellungen von 43 Mio. Pfund für die Reorganisation des Hotelgeschäfts, hauptsächlich für die Posthouse-Kette.

Der Vorstandsvorsitzende von Six Continents, Sir Ian Prosser, hat in diesen Tagen zu dem Streit mit Hermes Stellung genommen und erklärt, dass man sich 12 bis 18 Monate Zeit nehme, um die Marktentwicklung zu beobachten und gegebenenfalls zu handeln. Wenn die Preise für Hotels allerdings weiter stiegen, sei es tatsächlich sinnvoller, einen Teil der für Käufe vorgesehenen Mittel an die Anteilseigner auszuschütten. Six Continents ist an der Übernahme der genannten amerikanischen Unternehmen besonders interessiert, weil der Konzern in den Vereinigten Staaten bisher deutlich unterrepräsentiert ist.

Pitt-Watson ist dagegen der Meinung, dass schon genügend Zeit verstrichen sei und daher die Ausschüttung nun fällig wäre.

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