Internet im Hotelzimmer

Surfen mit High-Speed

Allgegenwärtig, dynamisch und global - der Siegeszug des Internets ist in vollem Gange. Auch die Hotellerie kann sich der veränderten Gästenachfrage nicht mehr entziehen und setzt neue Standards. Internetanschluss und Multimedia im Hotelzimmer gehören mittlerweile vielerorts zur Ausstattung.


Zwischen Frust und Lust - die rasante Dynamik der Internetentwicklung überrollt so manchen. Was heute noch state-of-the-art war, gehört morgen bereits oftmals in die Mottenkis-te. Nicht nur für Technikmuffel werden die aktuellen Hightech-Segnungen oftmals zum undurchschaubaren Dickicht. Von der dot-com-Krise ist bei den Internetnutzern nichts zu spüren. Das Internet hat sich als Informations- und Kommunikationsmedium durchgesetzt. Knapp die Hälfte aller Deutschen hatte Mitte 2001 Zugang zum World Wide Web, wie neueste Studien belegen. Bis 2005 werden fast eine Milliarde Menschen weltweit online sein, schätzen Experten. Die Konsequenzen für den Hotelmarkt sind facettenreich. Nachholbedarf besteht in den meisten Bereichen des Hotels. Auch wenn die Buchungszahlen via Internet mit weit unter fünf Prozent momentan noch kaum ins Gewicht fallen, wird die Bedeutung des elektronischen Vertriebs in den kommenden Jahren sprunghaft ansteigen. In punkto Sales & Marketing, E-Procurement (Einkauf übers Internet), E-Recruitment (Mitarbeitersuche übers Internet), Corporate-Geschäft (B2B), E-Learning (Schulungen übers Internet) und E-Logistik sind durch das WWW signifikante Veränderungen und enorme Potenziale zu erwarten. Was Hoteliers bereits heute direkt zu spüren bekommen sind die veränderten Gästewünsche in Sachen Technologieausstattung im Hotel. "Die Gäste wollen sich im Hotel wie zu Hause fühlen und dort nach Bedarf auch ein Büro einrichten können", konstatiert Daniel Conolly von der School of Hotel, Restaurant & Tourism Management am Daniels College of Business, Denver/USA. Fakt ist, Businessgäste erwarten mittlerweile im Hotelzimmer eine Ausstattung, die an Multimedia-Schaltzentralen erinnert. "Wir erleben immer wieder, dass Reisende gezielt nach Diensten wie Hochgeschwindigkeits-Datenleitungen auf dem Zimmer nachfragen", berichtet Conolly. Der Internetzugang dürfte seiner Meinung nach bald so selbstverständlich zur Grundausstattung gehören wie Fernseher und Telefon. Hotels, die dabei nicht mithalten, werden früher oder später Gäs-te verlieren. Geschäftsreisende legen in Sachen Internet besonders Wert auf Geschwindigkeit, Flexibilität und einfache Bedienung. High-Speed und Plug and Play heißen die dementsprechenden Zauberworte - schnell einfach und güns-tig soll das Internet vom Hotelzimmer aus handhabbar sein. Auf dem Markt werden derzeit diverse Möglichkeiten an Internetzugänge angeboten - zugeschnitten auf das Profil des Hotels. Durch verschiedene Betreibermodelle lassen sich die hohen Investitionen im Hotel im Rahmen halten, denn ein Return on Investment lässt sich oftmals nur indirekt kalkulieren. "Mit PC und einem kostenlosen High-Speed-Internetzugang auf jedem Zimmer, geben wir unserem Hotel einen klaren USP", erklärt Abraham Rosenthal, Geschäftsführender Gesellschafter des Berliner Hotel Gates. Der Immobilienunternehmer entschloss sich im November 2000 zu einer grundlegenden Neuausrichtung des ehemaligen Hotel Consul. Von den insgesamt sieben Mio. DM Umbaukosten investierte er allein 500.000 DM in die IT-Ausstattung. In jedem der 72 Hotelzimmer stehen ein moderner PC mit Windows-Software und Flachbildschirm sowie eine 2,3 Mbit-Standleitung zur Verfügung, die kostenloses Surfen rund um die Uhr erlauben. Im Visier hat Rosen-thal Geschäftsreisende, die sich aufgrund des kostenlosen Service für das Gates Hotel entscheiden. "Der Hotelsektor hinkt der Informationsgesellschaft noch hinterher. Im Hotel stellt ein PC mit kostenloser Online-Freiheit eine Ausnahme dar, über die wir uns profilieren können", erklärt Rosenthal. Die Bereitstellung des Webzugangs sieht der Berliner als Sales & Marketinginstrument statt als direkte Umsatzquelle. "Bereits mit einer 2,5-prozentigen Steigerung unserer Performance haben wir die laufenden Kosten von rund drei DM pro Zimmer gedeckt", so Rosenthal, dem von seinem Internetprovider eine Pauschale von 2.000 DM monatlich berechnet wird. "Das Internet wird sich zu einem flächendeckenden Medium entwickeln, dem wir Rechnung tragen müssen", sagt Rosenthal, "rund 80 Prozent der Gates-Gäste nutzen das Angebot, fast 40 Prozent der Gäste erklären, dass unser Service eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Hotels gespielt hat." Auch im Freiburger Hotel am Rathaus setzen die Inhaber Thomas Hess und Richard Herkert auf den kostenlosen Internetzugang. Seit in den 39 Hotelzimmern der High-tech-Service angeboten wird, haben Preisdiskussionen abgenommen, erklärt Hess. "Für uns lohnen sich nicht vermeintliche Zusatzumsätze durch die Internetnutzung. Wir erzielen stabilere Umsatzsteigerungen durch gestiegene Zimmerpreise, die von unseren Gästen akzeptiert werden". Der Online-Zusatznutzen für die Gäste funktioniert kabellos über Funktechnologie: Über eine Antenne auf dem Dach ist das Hotel mit einem lokalen Internetknoten verbunden. Die Übertragungsrate liegt dabei rund 80 mal höher als bei ISDN. Vom Dach aus werden die Informationen an kleine Senderantennen auf jeder Hoteletage weitergeleitet. Um auf diese Leitung zuzugreifen, benötigen die Gäste lediglich eine Funkkarte an ihrem Laptop. "Wir verleihen gegebenenfalls die Karten und installieren die erforderliche Software oder stellen kostenfrei einen Laptop zur Verfügung", so Hess. Insgesamt investierten die beiden Hoteliers rund 23.000 DM in die Netzwerktechnik, die sich durch den zusätzlichen Marketingfaktor bereits amortisiert hat. "Der Wettbewerb in der Hotellerie geht nicht ausschließlich über den Preis", ist Hess sicher.
Auf Hochgeschwindigkeit setzt auch das Frankfurt Marriott Hotel: In allen 588 Gästezimmern und Konferenzräumen wurde eine High-Speed Internet-Lösung des amerikanischen Technologie-Unternehmens STSN, Salt Lake City, installiert. "Als erstes Hotel in Deutschland bieten wir eine echte Plug and Play-Lösung: Unsere Gäste müssen weder ihren Laptop umkonfigurieren, noch Wartezeiten für die Internetverbindung in Kauf nehmen", erklärt Hans- joerg Schneider, Director of Finance im Frankfurter Marriott. Für die Onlineverbindung mit einer bis zu 300 Mal schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit als herkömmliche Zugänge über Modem erhebt das Hotel eine einmalige Gebühr von 19,95 Euro pro Übernachtung, unabhängig von der Zeit oder der übertragenen Datenmenge. Mittels einer Schnittstelle werden die Gebühren automatisch ins Front Office System übertragen. "Gäste können im Internet surfen, Mails verschicken und haben über sichere Virtual Private Networks, VPN-Verbindungen Zugriff auf das eigene Firmenintranet", so Ralph Hadamek, Business Development Manager bei der STSN Deutschland GmbH, Eschborn. Kernstück der Plug and Play-Lösung ist die STSN-Box. Diese kleine Einheit ist in jedem Hotelzimmer in der Nähe des Telefons zu finden und bietet als Anschlussoptionen High-Speed Ethernet, High-Speed USB sowie Standard Modem. "Wir haben im Marriott Frankfurt als deutsches Pilotprojekt rund 1.000 DM pro Zimmer investiert", erklärt Hadamek. Das Hotel ist nicht Eigentümer des technischen Systems, sondern nutzt die Internetlösung als Betreibermodell. Die derzeitigen Online-Umsätze von rund 12.000 bis 15.000 DM im Monat erhält der Betreiber STSN, das Hotel ist mit einer Provision an den generierten Umsätzen beteiligt. "Wir wollen mit unserem Angebot Gäste gewinnen. Der bedienerfreundliche High-Speed-Internetanschluss wird zunehmend zum Entscheidungskriterium für Gäste", ist sich Schneider sicher. Durch den sicheren Zugriff auf das firmeninterne Intranet über VPN, Virtuelle Private Networks, wird das System besonders für Business-gäste wie beispielsweise Siemens attraktiv. "Damit werden nicht nur die Sicherheit sensibler Unternehmensdaten sichergestellt, sondern auch enorme Kommunikationskosten der Firmen gesenkt", erklärt Michael Hartmann, Vice President Global Business Development Hospitality bei Siemens ICN, München. "Hotels werden weniger Umsätze im Bereich Kommunikation generieren, aber ein wachsendes Corporate-Geschäft verzeichnen." Eine für den jeweiligen Corporate-Kunden angepass-te technologische Infrastruktur wird zukünftig die Kaufentscheidung beeinflussen. In der schönen neuen digitalen Welt ist allerdings zwischen Arbeiten und Entertainment zu unterscheiden. Fernsehgerät, Computer und Internet verschmelzen zur digitalen Medienvielfalt. Der Steigenberger Frankfurter Hof hat sich auf die unterschiedlichen Gästebedürfnisse eingestellt. Neben dem interaktiven Multimediaangebot via Hotel-TV mittels dem seit Anfang des Jahres erhältlichen Room-base-System von Grundig TV-Communications GmbH, Fürth, bietet das Fünf-Sterne-Haus seit Februar 2001 in allen Zimmern einen separaten Internetanschluss mit Hochgeschwindigkeit, der von Smart Traveller e-Services Ltd., Nicosia/Zypern, betrieben wird. "Wir bieten unseren Gästen eine goldene Maus auf dem Hotelschreibtisch, in die er seinen mitgebrachten Laptop lediglich einsteckt und online loslegen kann", erklärt Martin Kastner, Director Sales & Marketing im Frankfurter Hof. Von Oktober 2001 an sollen zusätzlich alle Zimmer mit PCs ausgestattet werden. Für die Auswahl des passenden Technologie-Partners sollte sich der Hotelier Zeit nehmen. Derzeit werden in diversen Pilothotels neue Internetlösungen von Betreibern ge-testet. Die Lüneburger Ciscom AG will in Kooperation mit Cisco Systems, DeTeLine und der Deutschen Telekom AG von Anfang 2002 an einen High-Speed Internet Anschluss für Hotels mit dem Namen SprINNter anbieten. Ein Pilotprojekt ist seit Anfang August im Hotel Residenz Hafen Hamburg online, in dem 100 Zimmer mit dem Hochgeschwindigkeitsanschluss ausgestattet wurden. Die Grundig TV-Communications GmbH hat im Hotel Räter Park in Kirchheim bei München in Kooperation mit GlobalLoop Ltd., Hod Hasharon/Israel, in Hinblick auf eine angestrebte Kooperation eine Plug and Play-Internetlösung testweise installiert. Roombase Laptop Connect ist unabhängig von einem in-teraktiven Hotel-TV-System und soll als Stand Alone-Lösung angeboten werden. Trotz der zunehmenden Verknüpfung zwischen TV und Internet, hat sich das Internet-Surfen via Hotelfernseher bisher noch nicht durchgesetzt. Probleme bei der Bildschirmauflösung und Verbindungsgeschwindigkeit bringen für den Gast, der im und mit dem Internet arbeiten will, keine optimalen Ergebnisse. "Einen Quantensprung wird es in diesem Bereich wohl erst mit modernen Plasmabildschirmen geben", schätzt Michael Hartmann von Siemens. Die Prodac Media AG, Köln, bietet integriert in das interaktive Hotel-TV-System auch Zugriff über eine Infrarot-Tastatur auf das World Wide Web. "Businessgäste reisen oftmals mit eigenem Laptop an, um zu arbeiten. Das Hotel-TV-Internet-System ist mehr als Gastinformationsmedium gedacht, mit dem maßgeschneiderte Informationen aus dem Internet mundgerecht angeboten werden können. Gleichzeit aber auch der uneingeschränkte Zugang zum Datenhighway möglich ist", erklärt Karen Nüßmeier, Marketingleiterin bei Prodac Media. "Unsere Gäste nehmen das Internetangebot gut an", so Steffi Heilig, Geschäftsführende Direktorin des Rhön-Park Hotels im bayerischen Hausen. Das 320-Zimmer-Ferienhotel hat das Multimedia-System von Prodac Media auf Urlauberbedürfnisse eingestellt. Eine mehrsprachige Einführung in das Multimedia-Angebot erleichtern dem Gast die Orientierung. "Die Gäste wollen im Hotel die gleichen Möglichkeiten, wie zuhause vorfinden", weiß Toni Klumpenaar, Projektmanager IT bei der Dorint Hotels & Resorts AG, Mönchengladbach. Da sich der Technologiezweig im ständigen Wandel befindet, lassen Hotelgruppen bei Entscheidungen für Investitionen in diesem Bereich Vorsicht walten. Bei Dorint wurden in den vergangenen drei Jahren alle neueröffneten Hotels mit ISDN und analogen Anschluss-möglichkeiten ausgestattet. Hotels mit Konferenzgeschäft bilden bei Dorint dabei den primären Markt für High-Speed-Anschlüsse. Betreibermodelle mit Technologieunternehmen, die Hotels mit zeitgemäßer Hightech ausstatten, ermöglichen Hotels auf dem Stand der Zeit zu bleiben, ohne kontinuierlich große Summen in die notwendige Technik zu investieren. An den Umsätzen aus dem Multimedia-Bereich sind Hoteliers dann aber meist auch nur mit einer Provision beteiligt. So hat die Dorint-Gruppe beispielsweise in 12 Hotels das Kommunikationssystem Guestlink des norwegischen Herstellers Otrum mit Deutschlandsitz in Goch in Betrieb. Das System basiert auf einem TV-Gerät, das einen NC-Computer integriert hat. Internetbilder gelangen vom PC auf den TV-Computer und werden dort mit Hilfe einer speziellen Software als Bild aufbereitet. "Eigentlich ist der Fernseher ein Rechner mit Speichermöglichkeiten", so Klumpenaar. Die Internet-TV-Lösung der Skandinavier kann per Infrarottastatur oder angeschlossenem Laptop benutzt werden.
Bei der Lindner Hotels AG in Düsseldorf werden bis Ende des Jahres verschiedene Pilotprojekte in Hotels wie beispielsweise ein Wireless LAN-Projekt gestartet. "Wir stellen bereits heute in allen Hotels analoge oder ISDN-Internetanschlüsse zur Verfügung, wollen aber bald High-Speed-Zugänge bieten", erklärt Peter Durben, Leiter IT bei Lindner. Noch ist die Hotelgruppe auf der Suche nach einem passenden Betreibermodell. "Wir peilen eine Plug and Play-Lösung an, denn die häufigs-ten Probleme treten durch teilweise notwendige Konfigurationseinstellungen auf", so Durben. Für die zeitgemäße Ausstattung der Hotels rechnet das Unternehmen insgesamt mit rund 40 bis 50.000 DM pro Hotel. "Business-Gäste wollen nicht erst noch Einstellungen an ihrem Laptop vornehmen müssen, bevor sie online gehen. Die Verbindung muss einfach, schnell und flexibel sein", erklärt Durben, "Dabei werden sich High-Speed-Zugänge zum Standard entwickeln." Als Pilotprojekt soll im Frankfurter Lindner Congress Hotel das vom britischen Unternehmen Quadriga mit Deutschlandsitz in Dreieich angekündigte digitale TV-Kommunikationssystem Genesis getestet werden. Das sich bisher in der Entwicklungsphase befindliche System soll einen Hochgeschwindigkeits-Internetzugang per TV und Laptop bieten. Für das integrierte System rechnet der britische Konzern mit Installationskosten von rund 500 Pfund pro Zimmer. Zukünftige Technologiestandards werden die Anforderungen an Hotels stetig verändern. Nach dem Einbruch der Telefonumsätze in der Hotellerie durch die Verbreitung von Mobiltelefonen, stellt auch das Medium Internet weniger eine neue Umsatzquelle, als vielmehr ein Sales & Marketing-Instrument und einen von Gästen geforderten Standard dar. Bei der notwendigen Aufrüstung in die entsprechende technologische Infrastruktur sollte im Auge behalten werden, dass mobile Internet-Applikationen es in ferner Zukunft Hotelgästen möglich machen werden, Inhalte auch "wireless" zu empfangen. Mit einem Partner in Sachen Internet und Hightech an der Seite, lassen sich dabei die kommenden Veränderungen sicherlich erfolgreicher bewältigen.
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