Frankfurt

Traditionsbäckerei Mayer macht weiter

Im Spätsommer 2012 hatte die Frankfurter Bäckerei Mayer Insolvenz angemeldet. Knapp drei Monate später steht fest: Es geht weiter – in verschlankter Form. Von den ehemals 28 Filialen bleiben 20 Läden erhalten. Das system-gastronomische Schwesterunternehmen ‚La Maison du Pain‘ feierte derweil die sechste Neueröffnung.
Die Erleichterung ist Geschäftsführer Oliver Mayer anzumerken. Der Fortbestand des 1938 gegründeten Familienunternehmens, das Mayer nun in dritter Generation führt, ist vorerst gesichert. 20 Filialen – bis auf Königstein alle in Frankfurt – werden weitergeführt, 8 Bäckereien wurden geschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 190 auf 132 geschrumpft. „Der Konkurrenzdruck wurde einfach zu hoch: Zu viele Bäckereien auf engstem Raum und dazu noch der Wettbewerb der Discounter, die ihre Backkompetenz zunehmend ausgebaut haben“, sagt Mayer. „Rödelheim steht beispielhaft für die zehn Filialen, die wir schließen mussten. Innerhalb von vier Jahren wurde dort aus einer florierenden Filiale ein unrentables Geschäft. In diesem Zeitraum eröffneten auf der Radilostraße drei weitere Bäcker und ein Internetcafé mit Backshop.“ Ein Überangebot, das Mayer schließlich in die Knie zwang.

„Während wir uns mit ‚La Maison du Pain‘ von Beginn an über das höherwertige und handwerklichere Angebot positioniert haben, haben wir mit der Bäckerei Mayer erst einmal versucht, beim Preiskampf mitzuhalten“, sagt der Geschäftsführer rückblickend. Das will er jetzt ändern. Vor allem an der Kommunikation soll gearbeitet werden. „Viele Bäcker werben mit  Original-Sauerteig-Brot, das haben wir nie gemacht, weil wir das für selbstverständlich hielten. Bei uns gibt es doch keine Backmischungen“, so Mayer. Aber offensichtlich müsse man die eigene Philosophie doch besser an den Kunden kommunizieren.

Am Sortiment hingegen werde sich nichts ändern, versichert Mayer. Gestrichen wird nichts. Am besten verkaufen sich bei dem Frankfurter Bäcker die traditionellen Brotprodukte: Mailänder Brötchen, Vogelsberger Brot, Oberhessisches Brot (2-kg-Brot), Vollkornbrot. Etwa ein Drittel der gebliebenen Filialen bieten auch Sitzgelegenheiten zum Verweilen. Den Foodservice-Anteil schätzt Mayer auf etwa 30 %.

Das 2007 gestartete und ebenfalls von Oliver Mayer geführte Schwesterunternehmen ‚La Maison du Pain‘ war von der Insolvenz nicht betroffen. Die Strategie des französischen Bäckerei- & Brasserie-Konzepts ist aufgegangen. „La Maison du Pain funktioniert bislang an fünf völlig unterschiedlichen Standorten: im Einkaufszentrum MTZ, in der Wiesbadener Fußgängerzone, im Geschäftsumfeld auf der Bockenheimer Landstraße, auf einer gediegenen Einkaufsstraße in Sachsenhausen und als reines Neighbourhood-Café im Oeder Weg“, resümiert Mayer. Ende November kam die Flaniermeile Berger Straße hinzu. An einem ehemaligen Bäckerei-Mayer-Standort eröffnete dort mit dem Zusatz ‚petit‘ das kleinste aller Maisons. „Damit ist Frankfurt aber auch gesättigt“, meint der gelernte Bäckermeister. „Würden wir weitere Filialen eröffnen, ginge die Exklusivität des Konzepts verloren.“ Das Kapitel Expansion von La Maison du Pain ist damit freilich nicht beendet.

www.lamaisondupain.de
www.baeckerei-mayer.de



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