29. Internationales Foodservice Forum

Volles Haus, tolles Programm

Institutionen zeichnen sich dadurch aus, dass auch Krisen ihnen nichts anhaben können. Und so stellte das 29. Internationale Foodservice-Forum mit über 1.600 Besuchern wieder einmal alle seine bisherigen Teilnehmerrekorde in den Schatten. Sogar aus Australien waren Foodservice-Profis angereist, um den geballten Content des größten deutschen Kongresses für die Profi-Gastronomie, veranstaltet von der Hamburg Messe und den Fachzeitschriften food-service sowie FoodService Europe & Middle East, mitzunehmen: Inspiration, Energie und Wissen.

Leitlinie 2010: ’Innovation & Initiative - Investition in die Zukunft’. Im Verlauf des siebenstündigen Powerprogramms wurden Konsumtrends identifiziert, Marktpotenziale aufgespürt und Zukunftsstrategien entwickelt. Außerdem: Erfolgskonzepte live on stage. Die Redner-Riege: Foodservice-Macher als auch Marktbeobachter und fachfremde Profis.

Gretel Weiß, Chefredakteurin und Herausgeberin der food-service, präsentierte die Facts & Figures der Top-100-Gastrounternehmen: „2009 war bei vielen Unternehmen der Branchenspitze besser als befürchtet“, so ihr Fazit. In Sachen Handlungsspielräume und Megatrends für 2010 prognostizierte sie: „Trennlinien werden überwunden, Grenzen überflüssig.“ Im laufenden Jahr gebe es Grund zu Optimismus: „Der Motor stottert zwar noch, aber er wird anspringen!“

Development-Vorstand Alexander Schramm skizzierte die Strategie seines Unternehmens McDonald's bezüglich Innovation und Brand Leadership. „Nicht jedes Produkt, das innovativ wirkt, muss zukunftsfähig sein, z.B. wenn es am Markt vorbei geht oder seiner Zeit voraus ist.“ Fehler seien dazu da, daraus zu lernen. McDonald' sei auch nicht immer der First Mover, aber die Stärke des Unternehmens sei es, immer wieder neue Markttrends aufzuspüren und in großen Dimensionen umzusetzen. Auch innovative Optimierungen dürften kein Lippenbekenntnis sein. Die große Lehre aus der Krise des Unternehmens zu Beginn der Dekade: Nicht das tun, was operativ machbar ist, sondern das operativ machbar machen, was der Gast von McDonald's erwartet.

Zum vierten Mal bereits hielt Prof. Chris Muller von der University of Central Florida, eine seiner genialen Lehrstunden für Foodservice-Profis auf dem Foodservice-Forum. Das Thema: Preisgestaltung in ökonomisch angespannten Zeiten. Mullers These: Es gibt eine Kultur der kostenlosen Dienstleistungen und Produkte, maßgeblich verursacht durch das Internet. Eine solche Gesellschaft brauche eine vielfältige Preisgestaltung, so Muller, mit hochpreisigen Kultmarken, 'flexiblen Kämpfern' und günstigen Angeboten. “Die Menschen kaufen nicht die Eigenschaften eines Produkts, sondern wahrnehmbare Werte und Vorteile.“ Der profitable Kunde sei deshalb die Zielscheibe, die richtige Preisstrategie der Pfeil. „Bauen Sie Ihre Preis auf dem Prinzip 'Freemium' auf – günstige Basisangebote, die aber nur mit kostenpflichtigen Extras richtig Spaß machen“, empfahl Muller.

Der Mediziner Dr. Michael Spitzbart erklärte, wie sehr die menschlichen Glücksgefühle abhängig sind von Ausschüttungen des Neurotransmitters Dopamin. Er sorgt für Optimismus, Kreativität und Euphorie in unserem Gehirn. „Menschen, bei denen diese Werte hoch sind, haben Überblick und gute Laune“, so Spitzbart. Umgekehrt seien auch Stresshormone im Blut messbar - „leider wird das nicht getan. Am Ende steht dann Burn-out.“ Moderne Menschen vernachlässigten oft die wichtigste Person in ihrem Leben: sich selbst. „Aber erst wenn es Ihnen gut geht, sind Sie auch wertvoll für andere.“ Drei Fragen sollte sich jeder Mensch stellen: mag ich die Arbeit, die ich tue, den Menschen, mit dem ich lebe und den Ort, an dem ich wohne? „Und schärfen Sie Ihre Wahrnehmung! Bleiben Sie kritisch!“

'Coa' – asiatisches Fast Casual aus Frankfurt – war das erste der Aufsteiger-Konzepte, die am Nachmittag von ihren Machern in Wort und Bild vorgestellt wurden. Die Brüder Alexander und Constantin von Bienenstamm berichteten, wie die in einem Biergarten geborene Idee, mit authentischer asiatischer Küche in die Systemgastronomie einzusteigen, zu heute sieben Coa-Restaurants führte und was das erfolgreiche Konzept auszeichnet. „Wir leben asiatische Küche!“, so ihr Credo. „Unser Ziel ist nicht, das Außergewöhnliche zu tun, sondern das, was wir tun, außergewöhnlich gut zu machen.“

Im Doppelpack – wie auch immer häufiger ihre beiden Konzepte Coffee Fellows und Dulce – traten Dr. Stefan Tewes und Matthias Schneider auf die Bühne und gaben Einblicke in die Genese und Perspektiven ihrer Coffeebar- bzw. Schokolade+Eis-Formeln. Das Modell der gemeinsamen Expansion – eine Win-win-Strategie in Zeiten, in denen das Klima für Coffeeshops durch gesteigerten Wettbewerb und das wirtschaftliche Umfeld durchaus rauer geworden ist. Und enormer Rückenwind für die noch junge Frankfurter Eiscreme- und Pralinenmanufaktur.

Den humorigen Abschluss machte Persönlichkeitstrainer Johannes Warth: „Wenn Sie morgens nicht sagen können: 'Das Beste, was der Welt heute passieren kann, bin ich', dann bleiben Sie am besten im Badezimmer!“, riet er dem Publikum. Wider die deutsche 'Absitzmentalität' und schlechtgelaunte Performances, so sein Appell pro positive Einstellung und Mut zur Veränderung und Authentizität: „Vordenken, nicht nachdenken, mutig voranschreiten!“

Daten, Denkanstöße, Diskussionsstoff – viel Input für hohen Output. Mit hohem Take-away-Anteil. Inspirierende Wegzehrung bis zum nächsten, dem 30. Internationalen Foodservice Forum am 10. März 2011.

www.foodservice-forum.de

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