Rabattgesetz

Von alten Zöpfen befreit?

Seit Ende Juli 2001 sind das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung aufgehoben: Modernisisert wurden die Rahmenbedingunen des Wettbewerbsrechts. Prinzipiell stellt die Ratendifferenzierung in der Hotellerie nichts Neues dar, wie Saison-, Corporate- oder Last Minute-Preise belegen. Bedeutet das veränderte Wettbewerbsumfeld Start frei für Schnäppchenjäger oder die überfällige Befreiung von antiquierten Fesseln? In der Hotellerie werden die neuen Voraussetzungen für den Wettbewerb mit gemischten Gefühlen beobachtet.

Dieter W. Hörtdörfer, Direktor, Kur & Sporthotel Allgäu Sonne, Oberstaufen

"In der Ferienhotellerie - bedingt durch die Aufenthaltsdauer der Gäste - werden wir auch nach der Streichung des Rabattgesetzes versuchen, die Logispreise kons-tant zu halten. Preisnachlässe oder Zugaben (zum Beispiel ÜF-Preis zahlen und Halbpension/Kurdiät als Zugabe erhalten) werden wir in belegungsschwächeren Zeiten forcieren - dann aber für alle Gäste. Unsere Hotelgäste setzen sich größtenteils aus langjährigen Stammgästen zusammen. Wenn wir einzelnen Gästen zusätzliche Rabatte gewähren, würde dies zu Unstimmigkeiten führen. Natürlich wird der Gast nun häufiger damit argumentieren, dass er im Hotel XY ein besseres Angebot bekommt. Hier werden wir versuchen, durch den Service, Neuerungen in bestimmten Abteilungen und nicht zuletzt durch die exponierte Lage unseres Hauses unseren Preis zu rechtfertigen. Die Mitarbeiter der Rezeption arbeiteten auch bisher schon mit diesen Argumenten, zumal Preisnachlässe nur über die Direktion gewährt und nicht an der Rezeption "verhandelt" werden. Auch in Zukunft werden wir Arrangements anbieten, deren Leistungen der Gast aber eindeutig mit anderen Angeboten vergleichen kann."



Bernd Geyer, Geschäftsführender Vorstand, Hotelverband Deutschland (IHA), Berlin

"Wenn sich die ganze Aufregung um den Wegfall des Rabattgesetzes gelegt haben wird, dürfte es eine Rückkehr zum "business as usual" geben. Schließlich herrschte auch bisher am deutschen Hotelmarkt ein harter Wettbewerb, den die aufgeklärte Kundschaft für sich zu nutzen wusste. Vorhersagbar ist, dass der wachsende Rabattwirrwarr zu Lasten der Preistransparenz gehen wird. Der Hotellerie kann man nur raten, sich auf ihre Stärken zu besinnen, nämlich mit einem gelungenen Mix aus Preis, Qualität und Service ihre Kundschaft zufrieden zu stellen. Dabei sollte das strategische Ziel nicht aus den Augen verloren werden, eine Preispolitik zu betreiben, die ebenso wettbewerbsfähig wie transparent und profitabel ist."



Kerstin Ahlbrand, Area Director Sales & Marketing Austria, Germany & Switzerland, Marriott International Inc., Eschborn

"Wir sehen den Wegfall des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung als positives Signal für unser Kundenbindungsprogramm. Unser international etabliertes Bonusprogramm Marriott Rewards mit knapp 15 Millionen Mitgliedern weltweit kann nun auch in Deutschland aktiv vermarktet und beworben werden. In Deutschland haben wir derzeit rund 200.000 Rewards-Mitglieder. Bisher bewegten sich solche Programme in Deutschland in einer gewissen Grauzone, nun können wir durch eine forcierte Vermarktung sicherlich auch hierzulande weitere Mitglieder akquirieren. Zurzeit arbeiten wir an einem Konzept, das den weiteren Ausbau unseres Kundenbindungsprogramms vorsieht. Wir sind außerdem auf der Suche nach geeigneten Partnern in Deutschland für Marriott Rewards, bei denen unsere Gäste ihre Prämien einlösen können. Wir haben eine transparente und marktgerechte Preispolitik unternehmensweit, die wir auch weiterhin beibehalten werden. Wahrscheinlich werden vereinzelt Gäste versuchen, ihr Verhandlungsgeschick einzusetzen, doch in unseren Häusern ist das Handeln um Preise auch weiterhin nicht erforderlich. Insgesamt erwarten wir nicht, dass es zu dem von einigen erwarteten großen Feilschen um Preise kommen wird."



Sabine Loh, Director Sales & Marketing Choice Hotels Germany & Central Europe, München

"Ein starker Wettbewerb ist in der Hotellerie nichts Neues. Ich gehe davon aus, dass an diesem Preiskampf auch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen wenig ändern werden. In den vergangenen Jahren gab es für Privat- und Firmenkunden schon immer die Möglichkeit, in den Genuss von Sonderpreisen, -konditionen und -leistungen zu kommen. Ich denke dabei beispielsweise an Wochenend-Packages, Familien- und Seniorenprogramme oder Firmenvereinbarungen. Kein Hotelier hat etwas zu verschenken und unsere Erfahrung ist, dass selten ein Kunde Rabatte um jeden Preis erwartet. Auch Kundenbindungsprogramme wie unsere Choice Club Card und das Favoured Guest Programm erhalten einen noch höheren Stellenwert. Zentrale Bedeutung hat auch bei diesem Thema die Schulung der Mitarbeiter. Unsere Choice-Mitarbeiter sind so geschult, dass sie innerhalb eines bestimmten Preisrahmens agieren können. Auch wenn, wie wir alle wissen, ein unverkauftes Zimmer unwiderruflich verloren ist, gilt auch hier: Wir verkaufen eine Dienstleistung, die ihren angemessenen Preis hat."
stats