Tourismus

Weiteres Wachstum prognostiziert

Die internationale Tourismusbranche meldete für das Jahr 2000 Rekordergebnisse. Allein in Deutschland stiegen die Übernachtungszahlen um sechs Prozent auf 326,3 Mio. und erreichten einen neuen Höchststand. Große Events wie Expo oder Fußball-EM hatten die Entwicklungen positiv beeinflusst. Doch auch für 2001 stehen die Zeichen günstig, so die Prognosen verschiedener Reiseanlaysen.

Ob Olympische Sommerspiele, Expo 2000, Heiliges Jahr, Fußball-Europameisterschaft oder Oberammergauer Passionsspiele: Das Jahr 2000 hatte an touristischen Attraktionen eine Reihe Highlights zu bieten. Hierin sieht Francesco Frangialli, Generalsekretär der World Tourism Organisation (WTO), Madrid, eine wesentliche Ursache für die Rekordergebnisse, die die Tourismusbranche für das vergangene Jahr zu melden hat. Die Zahl der touristischen Ankünfte ist weltweit um beachtliche 7,4 Prozent gestiegen und erreichte damit das stärkste Wachstum seit zehn Jahren. Nach vorläufigen Ergebnissen der WTO konnten im vergangenen Jahr 698 Mio. Ankünfte registriert werden, und die touristischen Einnahmen stiegen um 4,5 Prozent auf 476 Mrd. US-$. Auch für Deutschland war 2000 ein außerordentliches touristisches Jahr. Zwar hatte die Expo die Erwartungen hinsichtlich der ausländischen Besucherzahlen nicht erfüllt, dennoch verzeichnete Deutschland mit rund 19 Mio. Gästen - einem Plus von 10,5 Prozent - so viele Ankünfte wie nie zuvor. "2000 war für den Deutschland-Tourismus ein Rekordjahr und vor allem bei den ausländischen Gästen ein hervorragender Start ins neue Jahrtausend", so Ursula Schörcher, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), Frankfurt am Main. Nach einer Hochrechnung der DZT-Marktforschung auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden wurde 2000 aus dem In- und Ausland insgesamt ein Übernachtungsplus von sechs Prozent erzielt. Das Deutschland Incoming zählte 39,6 Mio. Übernachtungen und die Deviseneinnahmen stiegen um acht Prozent auf 33,2 Mrd. DM. Ein Wachstum von 6,5 Prozent auf 108,3 Mio. Gäste ermittelte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden für Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mehr als neun Betten. Ähnlich positiv haben sich die Übernachtungszahlen für das deutsche Beherbungsgewerbe entwickelt. Mit 326,3 Mio. Übernachtungen, die einem Plus von 5,9 Prozent entsprechen, wurde 2000 ein neuer Höchststand erreicht.

Profitiert haben von dem Tourismusboom alle Bundesländer. Herausragende Zuwächse an Übernachtungen meldeten Niedersachsen mit 25 Prozent, Berlin mit 21 Prozent, Brandenburg mit 19 Prozent sowie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 17 Prozent. Für die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover brachte die Expo Rekordzuwachsraten von 87 Prozent auf 1,2 Mio. Übernachtungen. Insgesamt zählten die neuen Bundesländer einschließlich Ostberlin 19,3 Mio. Gäste (plus 8,5 Prozent), die es auf 59,5 Mio. Übernachtungen brachten (plus 10,1 Prozent). Die alten Bundesländer wurden von 89 Mio. (plus 6,1 Prozent) Gästen bereist, die 266,8 Mio. Mal übernachteten. Das Reiseland Deutschland erfreut sich nicht nur im Ausland wachsender Beliebtheit. Die Deutschen selbst haben ihren Urlaub wie in den vergangenen Jahren am häufigsten im Inland verbracht. Nach den Analysen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (F.U.R), Hamburg nimmt Deutschland als Urlaubsziel mit 29 Prozent Marktanteil und 18,2 Mio. Urlaubsreisen den ersten Rang unter den Deutschen ein. Weit abgeschlagen folgt Spanien auf Rang zwei mit einem Marktanteil von 14 Prozent und 8,8 Mio. deutschen Reisenden. Auf der Beliebtheitsskala hat Mecklenburg-Vorpommern mit 3,8 Prozent Schleswig-Holstein (3,7 Prozent) überholt. Bayern bleibt trotz leichter Rückgänge in den letzten Jahren mit 6,8 Prozent Marktanteil nach wie vor das wichtigste Urlaubsziel im Inland. Daneben werden von den Deutschen vermehrt außereuropäische Reiseziele nachgefragt. 1999 lag der Marktanteil noch bei 13 Prozent, 2000 war er auf 14 Prozent angestiegen. Neben der Türkei trugen Australien (Olympische Spiele), Ziele im mittleren und südlichen Afrika sowie in Asien zu dem Ergebnis bei. Nordamerika wurde dagegen im Jahr 2000 aufgrund des Wechselkurses weniger häufig frequentiert. Insgesamt unternahmen die Deutschen im vergangenen Jahr 62,2 Mio. Urlaubsreisen, die mindestens fünf Tage andauerten. Dabei ist der Pauschalreiseanteil, so die F.U.R., von 30 auf 31 Prozent erneut gestiegen. Das gilt auch für Deutschland.

Die wichtigsten Entwicklungen 1999-2000
 
Internet-Bucher + 86%
Außereuropäische Ziele + 9%
Ausgaben insgesamt + 8%
Hotelurlaub + 4%
Pauschalurlaub + 3%

Quelle: F.U.R. 31. Reiseanalyse RA 2001


Die DZT ermittelte, dass die Buchungen für Pauschalreisen im Reisebüro mit 22 Prozent auf 3,9 Mio. überdurchschnittlich zunahmen. Als wichtige Kennziffern stellt die F.U.R. für 2000 noch die Reiseausgaben pro Person und Urlaubsreise heraus, die deutlich gestiegen sind. Insgesamt haben die Deutschen rund 96 Mrd. DM für Urlaubsreisen ausgegeben, eine Steigerung um acht Prozent im Vergleich zu 1999. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dieser Zuwachs vor allem das Luxussegment mit Reisen von mehr als 9.000 DM pro Person betrifft. Hier erhöhten sich die Ausgaben um 28 Prozent. In den verschiedenen Reiseanalysen wurde dem Medium Internet erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Das Online-Reisebuchungsverhalten verzeichnet in ganz Europa immense Steigerungsraten. Im jährlich veröffentlichten Reisemonitor des Münchner Institutes IPK International wurde der Anstieg des Anteils der Online-Reisebuchungen europaweit mit 600 Prozent beziffert. Dennoch bleibt das Internet noch hinter den herkömmlichen Buchungswegen zurück. Nach Ergebnissen der F.U.R. buchten in Deutschland mittlerweile 2,6 Mio. (vier Prozent) eine Urlaubsreise ganz oder teilweise über das Internet. Das entspricht eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 86 Prozent. Neben den quantitativen Aspekten rücken in den Reiseanalysen zudem veränderte Inhalte und Intentionen im Reiseverhalten in den Fokus. Gesundheitsurlaube und Wellnessreisen gewinnen zunehmend an Bedeutung. IPK International verzeichnet ein Wachstum von sechs Prozent für gesundheitsorientierte Urlaube und einen Anstieg um vier Prozent bei Kururlauben. Das Institut thematisiert in diesem Zusammenhang die Veränderung der Bevölkerungsstruktur in den Industrienationen. Analog zur wachsenden Zahl älterer Menschen wandelt sich das Alter der Reisenden. Heute ist der deutsche Reisende durchschnittlich 43 Jahre alt, und jährlich erhöht sich dieser Durchschnitt um ein halbes Jahr.

"Der Trend rückläufiger Populationen in Europas Industrieländern geht einher mit dramatischen Veränderungen bei den Nachfragemustern", analysiert Rolf Freitag, Geschäftsführer IPK International, "Unternehmen, die Verbraucher ansprechen, müssen sich grundsätzlich neu orientieren." Die DZT ermittelte, dass dieser Trend zu Wellness-Reisen für den Deutschlandtourismus positive Auswirkungen mit sich bringt. Zwischen Januar und November 2000 ist die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste in deutschen Heilbädern um 8,9 Prozent auf 3,4 Mio. und in Seebädern, Luftkur- und Erholungsorten um zehn Prozent auf 4,2 Mio. gestiegen. Mit gezielten Marketingkampagnen versucht die DZT diese Entwicklung zu fokussieren. Eine weltweite Kampagne zum Thema Gesundheits-, Wellness-, Fitness- und Beautyreisen soll Deutschland als Wellness-Reiseland und als Reiseland mit hoher Erlebnisqualität positionieren.

Als Ergebnis neuerer Untersuchungen hält die World Tourism Organization (WTO) fest, dass die Motive Ruhe und Erholung verstärkt den Faktoren Gesundheitsorientierung und Lebensqualität weichen. Hierin sieht die Organisation einen wesentlichen Grund, dass Sport- und Aktivurlaube verstärkt zunehmen. Deutsche Touristen verbringen beispielsweise 32 Mio. Sporturlaube im Jahr. Auch die F.U.R. erwartet langfristig Veränderungen auf dem Reisemarkt. Für die kommenden zehn Jahre vermutet die F.U.R., dass die Zahl der Urlaubsreisen von 62 Mio. auf 80 Mio. pro Jahr anwachsen können. Das quantitative Wachstum sei aber mit Strukturveränderungen verbunden wie neuen Zielgruppengewichtungen (Senioren als Wachstumsmotor), anderen Zielpräferenzen (Fernreisen) sowie einer kürzeren Reisedauer. Generell wird für 2001 wieder mit einem Wachstum des Tourismus gerechnet. Die WTO prognostiziert mit 4,1 Prozent weltweit eine geringere Rate als im vergangenen Jahr. IPK International schätzt, dass der Anstieg des Tourismus im laufenden Jahr weltweit bei 3,3 Prozent liegen wird. Für Deutschland wird ein Plus von 3,7 Prozent ausgemacht. Die DZT rechnet für Deutschland mit einem Übernachtungsplus von zwei bis drei Prozent aus dem Ausland und fünf bis sechs Prozent aus dem Inland.

Positive Auswirkungen auf die Übernachtungszahlen verspricht sich die DZT besonders vom "Jahr des Tourismus 2001 in Deutschland". Zu den Trägern dieser Initiative gehören Parlament, Bund, Länder und die deutsche Tourismuswirtschaft. Im Rahmen des Aktionsjahres werden in verschiedenen Programmen Ideen und Impulse für Reisen und Urlaubstage in Deutschland gegeben. Die Bundesländer greifen beispielsweise im monatlichen Wechsel mit Events bestimmte Themen wie Museen oder Natur auf. Die Initiatoren des "Jahr des Tourismus" erwarten neben einer weiteren Zunahme an Übernachtungen und Urlaubsreisen für 2001 auch langfristige positive Wachstumsimpulse.
Urlaubsziele der Deutschen in 2000
 
         
  1998 1999
2000
  % % % Mio.
Deutschland gesamt 29,6 29,0 29,3 18,2
Bayern 7,3 7,1 6,8 4,2
Mecklenburg-Vorp. 3,7 3,7 3,8 2,4
Schleswig-Holst. 4,5 3,8 3,7 2,3
Niedersachsen 2,8 3,5 3,1 1,9
Baden-Württ. 3,1 3,4 3,1 1,9
Ausland gesamt 70,4 71,0 70,7 44,0
Spanien 14,2 14,7 14,2 8,8
Türkei 3,6 3,2 4,7 2,9
Basis: (Mio.)
Alle Urlaubsreisen
63,4 62,6
62,2

Quelle: F.U.R. 31. Reiseanalyse RA 2001
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