Restaurants in New Orleans

Zukunft fraglich

Mit New Orleans wurde eine der kulinarischen Hauptstädte der Vereinigten Staaten durch den Hurrikan Katrina dem Erdboden gleich gemacht. Während viele Restaurantbetreiber noch auf der Suche nach ihren Angestellten sind, von denen sie nicht wissen, ob sie die Katastrophe überlebt haben, überlegen andere bereits, ob es sich lohnen wird, ihre Restaurants in der zerstörten Stadt wieder aufzubauen.



3.400 Restaurants gab es vor dem Sturm in New Orleans, sie gaben 55.000 Menschen Arbeit – einem Zehntel aller Arbeitnehmer in der Südstaatenmetropole. Louisianas Restaurants setzten bislang 5,2 Mrd. $ pro Jahr um, die Branche war der größte private Arbeitgeber in dem strukturschwachen Bundesstaat. Einige der bekanntesten Restaurants der USA befanden sich in New Orleans’ French Quarter, Uptown und Garden Districts, die zwar relativ trocken blieben, wo aber die Gebäude Bränden oder Plünderungen zum Opfer fielen.



Größter Verlust sind jedoch vermutlich zahlreiche ums Leben gekommene Menschen: Kellner, Spüler und Köche, deren Löhne kaum bis zum Monatsende reichten, und die kein Auto oder Geld für die Flucht gehabt haben dürften, wie die New York Times schreibt. Für diejenigen, die überlebt haben, suchen nun die Louisiana Restaurant Association und die Southern Foodways Alliance schnellstmöglich neue Arbeitsstellen in nicht von der Katastrophe betroffenen Staaten.



Einige Restaurantbesitzer wollen trotz der Zerstörung weiter machen – obwohl es noch lange dauern wird, bis sich wieder genügend Gäste in der Stadt aufhalten. Der Tourismus in New Orleans dürfte wohl auf Jahre zum Erliegen kommen. Auch ob die Arbeitskräfte, die nun anderswo untergebracht werden, eines Tages zurück kommen, kann heute noch niemand sagen.



Restaurants in den Nachbarstädten haben dagegen mit gegenteiligen Problemen zu kämpfen. Überfüllt mit Flüchtlingen, sind ihre Vorräte aufgebraucht und Nachschub schwer zu organisieren, da die Lager der großen Food-Lieferanten wie Sysco in der Region schwer beschädigt sind.



Professor Chris Muller berichtete der Redaktion, dass ganz Amerika unter den Folgen der Katastrophe leidet. „Ich habe gehört, dass mehr als 80 % aller Amerikaner sich entweder deprimiert oder wütend fühlen angesichts dessen, was in den letzten Tagen passiert ist. Manche sagen, dass Depression wie kraftlose Wut ist. Wir sind alle total geschockt wegen des Schadens, der unserer Volksseele zugefügt wurde. Der unmittelbare Effekt sind die enormen Energiepreise, vor allem für Treibstoff.“ Muller erwartet, dass die Gastronomie sehr hart getroffen wird: „Es heißt, dass die Umsätze in der gesamten Branche um 15-25 % gesunken sind. In unserem ’Za-Bistro!’ in Orlando, Florida können wir diese Entwicklung nur bestätigen. Ich fürchte, die schlechte Stimmung wird eines der großen Probleme mindestens bis Weihnachten sein.“



Inzwischen beginnen die großen Ketten damit, ihren finanziellen Schaden zu beziffern: Die Outback Steakhäuser zum Beispiel verloren nach eigenen Angaben bereits 800.000 $ Umsatz und 11.000 $ Lizenzgebühren, nachdem 28 Outlets in Florida, Alabama, Louisiana und Mississippi schließen mussten. McDonald’s musste 130 Restaurants schließen, kündigte aber an, die Gehälter seiner festangestellten Beschäftigten weiter zu bezahlen.



Die Hilfsbereitschaft innerhalb der amerikanischen Gastro-Branche ist riesig: McDonald’s nutzt seine Vertriebswege, um in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Nahrung und andere Hilfsgüter in das Krisengebiet zu bringen; die National Restaurant’s Association hat alle 900.000 Restaurants im Land und ihre 12,2 Mio. Mitarbeiter aufgefordert, sich an einem Spenden-Event am 5. Oktober zu beteiligen; 40 prominente Köche sammeln ebenfalls Geld und kreieren beim ’Share our Strength’-Event am 17. Oktober in Washington, D.C. einen Tribut an das kulinarische Erbe der Südstaaten; am 12. September veranstalten New Yorker Restaurants eine ’Save New Orleans Cocktail Hour’, deren Erlöse direkt in das Mississippi Delta gehen; das New England Culinary Institute stellt Stipendien im Wert von 10.000 $ für Foodservice-Mitarbeiter und -Studenten aus dem Krisengebiet zur Verfügung; New Orleans’ Bürgermeister Ray Nagin fasste außerdem in einem Interview die Möglichkeit ins Auge, Flüchtlinge in Hotels in Las Vegas unterzubringen.



Ende dieses Jahres sollte eigentlich der neue Zagat Survey New Orleans erscheinen. CEO Tim Zagat will noch abwarten, ob er auf eine Veröffentlichung verzichtet. Zagat erstellt den Survey für New Orleans bereits seit 17 Jahren. In der letzten Ausgabe hatten 3.600 Gäste das Commander’s Palace, das Galatoire’s Bayona, das Café du Monde und das Brennan’s zu ihren Favoriten gekürt. Im TV habe man sehen können, dass das Commander’s Palace noch steht, das Café du Monde sei äußerlich beschädigt, berichtet die Zeitschrift Nation’s Restaurant News.



Sicher ist: Einige Restaurants der verwüsteten Stadt werden in Zagats nächstem ’America’s Top Restaurant Guide’ erscheinen – mit einer Fußnote und der Hoffnung, dass sie eines Tages wieder eröffnet werden. Weitere Nachrichten über die Gastronomie im Hurrikan-Gebiet unter



news.nrn.com/cgi-bin5/DM/y/hdGj0Hrkx40GQa0Bov80Er

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