Fürstenhof Gruppe

Zuversicht in Celle

Die Celler Residenz Hotels GmbH & Co. KG hat Ende Mai beim Amtsgericht Celle wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Die erheblichen Verluste, die das von Celle aus betriebene und mittlerweile verkaufte Berliner Gourmetrestaurant Margeaux geschrieben hat, konnten durch das Stammhaus in Celle nicht aufgefangen werden. "Die Altlasten haben uns finanziell das Genick gebrochen", erklärte Geschäftsführer Carsten K. Rath. Um den Bestand der Celler Häuser, zu denen der Fürstenhof, der Celler Hof, das Hotel Borchers und das Hotel Blumlage gehören, nicht zu gefährden, sah sich die Geschäftsleitung der Hotelgesellschaft gezwungen, den Insolvenzantrag zu stellen. Mittlerweile arbeitet der eingesetzte Hamburger vorläufige Insolvenzverwalter Peter Knöpfel von der Treugarant AG an der finanziellen Sanierung der GmbH. Nach Prüfung der Finanzlage wurde der Pachtvertrag des bis dato zur Gruppe gehörigen Hotels Nordwall zwischenzeitlich beendet. "Wir sind guten Mutes, bis Jahresende die Sanierung abgeschlossen zu haben oder einen neuen Eigentümer zu finden. Unser oberstes Ziel ist es die Betriebe zu erhalten." Derzeit werden Gespräche mit verschiedenen Interessenten geführt. "Für die Betriebe interessieren sich vermögende Einzelpersonen sowie Hotelgruppen." Der vorläufige Insolvenzverwalter kann sich sowohl eine Sanierung mit den jetzigen Eigentümern und Gesellschaftern, den Grafen Hardenberg, als auch eine sogenannte übertragene Sanierung mit einem neuen Investor vorstellen. "Um den Betrieb nachhaltig fortzuführen, müssen allerdings mögliche künftige Eigentümer Investitionen für eine Modernisierung bereitstellen." Zum jetzigen Zeitpunkt haben Rath und Knöpfel eine Stabilisierung der Betriebe erreicht. Knöpfel hat die Garantie gegeben, dass die Häuser ohne Einschränkung weiterbetrieben werden. "Es gab bisher keine einzige Stornierung und auch die Verträge mit unseren Lieferanten werden erfüllt", erklärt Rath. "Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert, es mussten weder Entlassungen noch Gehaltskürzungen vorgenommen werden." Insgesamt beläuft sich die Verschuldung der Gesellschaft auf rund 30 Prozent des Immobilienwertes. Ursprünglich hatten die Grafen Hardenberg sowie Rath gehofft, die finanziellen Belastungen über ein Sale&Leaseback-Modell aufzufangen. Die beteiligte Großbank ließ den Deal allerdings platzen, so dass nur der Weg ins Insolvenzverfahren blieb. "Als ich bei meinem Eintritt in die Gesellschaft die finanzielle Schieflage erkannt habe, wurden alle erforderlichen Schritte zu einer Sanierung eingeleitet." Der Verkauf des verlustreichen Berliner Restaurants wurde realisiert, die existierenden kurzfristigen Kredite sollten auf eine längerfristige Basis gestellt werden und für die angestrebte Modernisierung der Hotels sollten neue Kredite aufgenommen werden. "Es ist frustrierend, denn das Celler Stammhaus selbst entwickelte sich gut", resümiert Rath, der mit einem Insolvenzverfahren bei seinem Eintritt in die Gesellschaft nicht gerechnet hat. "Wir verdienen in Celle gegen den allgemeinen Trend in der Hotellerie Geld", so Rath. Von April vergangenen Jahres bis April 2003 erwirtschafteten die Hotels eine 20-prozentige Umsatz-, bzw. 26-prozentige Erlössteigerung. Mit fast zwei Mio. Euro Defizit soll das Margeaux beim Verkauf im April dieses Jahres die Unternehmenszahlen belastet haben. Das Berliner Engagement der Gruppe hat sich nie gerechnet. "Wir haben nicht einmal im Ansatz die Erlöse erwirtschaftet, die erhofft waren. Es war ein reines Zuschussgeschäft", so Rath. Die Celler wollten ursprünglich ein Standbein in der Hauptstadt mit Hilfe der erwarteten Gewinne aufgrund der Expo 2000 in Hannover finanzieren, die allerdings in der gewünschten Höhe ausblieben. Anke Cimbal



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