Groupon

Zweifel an Zahlen und Konzept

Kritische Stimmen über die Online-Rabattfirma häufen sich, Ende vergangener Woche hat die US-Börsenaufsicht SEC die Emissionspapiere von Groupon bereits zum zweiten Mal abgelehnt. Zum ersten Mal fiel das Börsen-Prospekt durch, weil die Darstellung des Groupon-Geschäfts der US-Finanzaufsicht deutlich zu positiv dargestellt war.
 
Beim zweiten Mal störte man sich an dem von Groupon verwendeten Begriff Consolidated Segment Operating Income (CSOI). Groupon verwendet den Begriff, um seinen “operativen Gewinn” zu benennen, rechnet dabei aber wesentliche Kostenfaktoren, wie die Kunden-Gewinnung und Marketing, einfach heraus.
 
So hat Groupon für das erste Quartal 2011 nach seinem eigenen CSOI-Standard einen Gewinn von 81,6 Mio. Dollar erwirtschaftet. Das Wall Street Journal rechnete nach, dass von dem schönen Geld nichts übrig bleibt, wenn man die Bilanz mit üblichen Methoden liest. Im Gegenteil: Rechnet man die (beträchtlichen) Marketingkosten wieder dazu, die Groupon elegant weglässt, schreibt das Unternehmen statt einem Gewinn im ersten Quartal einen dicken Verlust von 98 Mio. Dollar.
 
Es gibt aber nicht nur massive Zweifel an den Groupon-Zahlen. Von der Columbia Business School wurde die Attraktivität des Geschäftsmodells von Groupon analysiert. Ergebnis: Von 70 möglichen Punkten erzielte Groupon 36. Besonders negativ schlägt zu Buche, dass Groupon-Nutzer keine Anreize haben, dauerhaft der Plattform die Treue zu halten und dass jede Groupon-Transaktion von Nutzerseite jedesmal auf Neue getätigt werden muss.
 
Im Februar dieses Jahr wurde gemeldet, dass der Umsatz von Groupon innerhalb eines Jahres um unglaubliche 2.200 Prozent förmlich explodiert sei. Groupon galt und gilt als das am schnellsten wachsende Unternehmen der Welt. Die zweite Zahl ist, dass Groupon-Gründer Andrew Mason angeblich ein Übernahmeangebot in Höhe von sechs Milliarden Dollar von Google abgelehnt haben soll. 2.200 Prozent Wachstum in zwölf Monaten. Sechs Milliarden Dollar Kaufangebot abgelehnt. Diese Zahlen klingen für viele einfach zu verlockend. Auch wenn sie einfach zu schön sind, um wahr zu sein.
 
Quelle: Meedia.de / Stefan Winterbauer

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