Expo.02

Zwischenbilanz zur Schweizer Landesausstellung

Gut zur Hälfte der vom 15. Mai bis zum 20. Oktober, also 159 Tage dauernden Landesausstellung im Schweizerischen Drei-Seen-Land liegen sämtliche Kernzahlen unter den Erwartungen. 1. Allgemein: In punkto Besucherfrequenz hatte man mit 10,5 Mio. Eintritten - generiert durch 4,8 Mio. Besucher, die mehrfach kommen - sowie mit insgesamt 4,3 Mio. verkauften Billets gerechnet, zur Hälfte der Zeit liegt man da mit bislang 4,4 Mio. Eintritten unter Plan. Grund, so Rainer Müller, Marketingdirektor der Expo.02, seien vor allem ausgebliebene Schulklassen und Firmenausflüge. Dennoch hält die Expo-Generaldirektion 4,3 Mio. Ticketverkäufe weiterhin für machbar und rechnet gesamt mit 8,4-11 Mio. Eintritten. Um die Frequenz in der zweiten Hälfte anzukurbeln, hat man zusätzlich 2,5 Mio. sfr für Werbekampagnen im In- sowie im angrenzenden Ausland losgemacht, denn auch von hier soll Besucherschub kommen. Ziel waren 1 Mio. ausländische Gäste, bislang zählte man aus den Nachbarländern Deutschland und Frankreich erst 150.000. Das mag auch an dem starken Schweizer Franken liegen. Die Ausstellungs-Arteplage in Neuenburg kann 33 % aller Besucher auf sich verbuchen, Biel 32 %, Yverdon 19 % und Murten 16 %. Auch, was den Umsatz der Expo.02 angeht, sieht man derzeit Schwierigkeiten, den Plan von 1,4 Mrd. sfr zu erreichen. Die Erlöse aus den Ticketverkäufen liegen nach Aussage von Walter Häusermann, Finanzchef der Expo.02, rund 11 % unter Budget. Erstens gingen im Vorverkauf mit 2 Mio. Karten doppelt so viele verbilligte Tickets weg als budgetiert, außerdem liegt der Anteil der günstigen Abendtickets (10 sfr, Ganztageskarte 48 sfr) höher als erwartet. 20 % aller Eintritte werden nach 18.30 Uhr verzeichnet. "Wir sind Geiseln unseres eigenen Erfolgs." Zurzeit verfügt die Expo.02 noch über eine Risikoreserve von 130 Mio. sfr. "Es gibt keine Garantie, dass wir nicht mehr ans Parlament gelangen werden", so Häusermann. 2. Gastronomie: Was die Gastronomie der Landesausstellung angeht, präsentiert sich das Zahlenbild wie folgt: 85 % aller Besucher, so hatte man vor Beginn kalkuliert, würden die 36 stationären und gut 20 mobilen gastronomischen Einheiten nutzen. Die ersten Monate zeigen nach Angaben von Bernhard Marti, Projektleiter Gastronomie, einen Anteil von ca. 80 %. Viele Schulklassen kommen mit fertig geschmierten Broten - Picknick-Publikum also. Der Durchschnittsbon, Anfang Mai noch mit 14 sfr kalkuliert, liegt je nach Arteplage und auf alle Besucher gerechnet bei 11.50-13 sfr - damit ist man auch beim F&B-Gesamtumsatz, zunächst mit 125 Mio. sfr veranschlagt, "im Moment gut 10 % unter dem Budget kumuliert", so Marti. "Die letzten drei Wochen waren wir aber immer 10-15 % über Budget. Wir holen auf!" Schwierigkeiten habe es gegeben, "weil unsere Preisempfehlungen nicht eingehalten wurden. Und: Einige Konzessionäre, vor allem in den kleinen Outlets, nahmen die Bonierung nicht sehr ernst. Hier haben wir die Verträge von der variablen Miete auf eine fixe Miete umgestellt. Lernschritte: "Schnelligkeit und Flexibilität sind Match entscheidend." Das gilt auch für jeden der food-service Akteure. Deren Zwischenbilanz präsentiert sich uneinheitlich: Erfolg und Misserfolg liegen dicht an dicht. Die großen Player Migros und coop geben sich zufrieden. "Mit einer Anzahl von 15.000-25.000 Transaktionen sowie 30.000-50.000 Besuchern pro Standort und Woche und einem Durchschnittsbon zwischen 18 und 22 sfr erwarten wir pro Standort 8 Mio. sfr Umsatz und sind damit super zufrieden", so Alwin Hollenstein, Verantwortlicher Gastronomie bei der Migros, die auf den Arteplages in Biel und Neuenburg mit je einem "Mistral"-Restaurant vertreten ist. "Die schwierigen Verhältnisse in der Vorbereitungszeit haben zu einer optimalen Lösung geführt." Auch das coop-Projekt "Biotavola" ist mit einem prognostizierten Umsatz von rund 5 Mio. sfr nach Angaben der Zeitschrift hotel+tourismus revue auf Budgetkurs. Auch hier spricht man von um die 3.500 Transaktionen pro Tag. Allerdings sind auch geschäftliche Misserfolge unter den Gastronomen nicht auszuschließen. Vor allem Wirte auf der Arte-plage in Yverdon haben mit einem generell kleinen Einzugsgebiet, schlechten Mittagsfrequenzen und einem schwachen Abendgeschäft zu kämpfen. "Die Umsätze der ersten Expo-Wochen waren weit unter den Minimalbudgets angesiedelt", sagt Stefan Tamò, der mit Partnern auf der Arte-plage das Restaurant "Mirage Grill + Dancing" betreibt. Dennoch: Gewinner und Verlierer der Landesausstellung könne man erst am Ende der gut 5 Monate ausmachen. Und was haben die Gastronomen in den Orten rund um die vier Arteplages von der Landesausstellung? Wenig. Anfangs war von Einbrüchen die Rede, weil Einheimische die Abendtickets nutzten und sich auf den Ausstellungsplattformen verpflegten, später von einer leichten Erholung. Zusätzliche Gäste jedenfalls zähle man durch die Expo kaum, weil viele Besucher per Bahn anreisten und direkt auf die Arteplages gingen. Ein verstärktes Bewerben von Mehrtages-Ausflügen soll hier in der zweiten Hälfte Besserung bringen. Alles in allem also ähnliche Probleme wie damals bei der Expo 2000 in Hannover. Denn auch die Schweizer halten sich mit Schelte nicht zurück. Erst waren es die Entstehungskosten, dann die Gastropreise und -qualität, später die Abfallentsorgung. "Flop an Flop - und alle gehen hin" betitelte das Gastro Journal kürzlich einen Bericht über die Gastronomie der Landesausstellung. Unterm Strich aber dürfte man den Planwerten hier näher kommen als damals in Deutschland. Wenn denn das Wetter mitspielt und die Werbekampagnen nicht auf taube Ohren und leere Portmonee treffen...



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