Jamie Oliver Dinner

eher enttäuschte als jubelnde Fans

Eine - laut Eigenwerbung - "völlig andere" Dinnershow will das Jamie Oliver Dinner in Frankfurt sein, das am vergangenen Donnerstag mit viel Medienrummel unter dem Messeturm Premiere feierte. 'Anders' ist sie bestimmt, ob aber unbedingt besser als die zahlreichen anderen Mischungen aus Show und Promi-Koch-Vier-Gang-Menü, die seit Jahren in deutschen Großstädten zu sehen sind? Wohl kaum. Jamie selbst ließ es sich nicht nehmen, zur Premiere anzureisen . "It's great to have you here, it's great to have some music around my food", ließ Jamie seine Fans wissen, und das war's auch schon - der Meister verschwand von der Bildfläche. Statt dessen servierte man dem Publikum einen Mix aus Kochshow-Persiflage sowie deutschen und internationalen Schlagern, die irgendwie - reim dich, oder ich fress dich! - auf das Thema Kochen umgetextet wurden ("Wann ist der Koch ein Koch?" "Köche lügen nicht..."). Zwischendurch sorgten Artistikeinlagen immer wieder für vorübergehende Spannung. Was das alles mit Jamie zu tun hatte? Die Frage blieb unbeantwortert. Auch dass der englische Superstar jemals vorher von Marius Müller-Westernhagen gehört hat, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden. Trotzdem durfte dessen Kopie - zugegeben, eine gute! - drei Lieder singen, die zumindest insofern den Bezug zum Thema Essen und Kochen herstellten, als dass sie die versammelte Gästeschar zum kollektiven Servietten-über-dem Kopf-Schwenken animierten. Wie hieß es doch gleich auf den Großbildschirmen an der Zeltdecke? "Applaus!! Applaus!" Bei Teilen des Publikums hinterließ das Showprogramm wohl eine gewisse Ratlosigkeit. Diesen Klamauk sollte sich Jamie - Megastar mit ausgewiesenem sozialen Gewissen und dem Anspruch, die Welt zu verbessern - ausgedacht haben? Da konzentrierte man sich schon lieber aufs Essen, das, so wurde immer wieder beteuert, der Namensgeber selbst kreiert hatte. Dass Jamies Küchenphilosphie ("Zutaten aus der Region, saisonale Schwerpunkte, wenn möglich Bio") im Rhein-Main-Gebiet mit Jakobsmuscheln mariniert mit japanischer Yuzu-Limone mit Ingwer und Shiso-Kresse, Safran-Risotto mit Meeresfrüchten, Rinderfilet im Kräuter-Parmaschinken-Mantel mit geschmortem Gemüse und Kartoffel-Oliven-Püree sowie einer Dessertvariation aus Schokoladen-Tarte, New York Vanilla Cheesecake und Vanille-Pannacotta nur sehr bedingt umgesetzt wurde, störte angesichts der guten Qualität der Speisen nicht wirklich. Schade nur, dass die Pausen zwischen den Gängen oft so lang(weilig) waren. Für die Marke Jamie Oliver (TV-Shows, Bücher, Restaurants etc.) gehört Deutschland mit zu den größten und wichtigsten Märkten außerhalb Großbritanniens. Jamie ist eine Kultfigur, insbesondere für die jüngeren Generationen. Mit der Dinnershow, von der die Fans soviel mehr und ehrliche Jamie-Elemente erwartet haben, besteht die Gefahr, dass der Star vom Thron geholt wird. Marketingtechnisch definitiv nicht ungefährlich! Das Jamie Oliver Dinner (Veranstalter ist die Prime Time Entertainment, die auch schon die Witzigmann-Shows und Afrika! Afrika! produziert hat) will jünger, frecher und unkonventioneller sein als andere Dinnershows und damit vermutlich auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Ob diese Zielgruppe tatsächlich bereit und in der Lage ist, für einen Abend ohne ihr Idol über 100 Euro pro Person (ohne Getränke) auszugeben, bleibt abzuwarten. Die Gäste, die die traditionelle Spiegelzelt-Variante bevorzugen, haben in Frankfurt mit dem Harald Wohlfahrt-Palazzo an der Commerzbank-Arena jedenfalls eine bewährte Alternative. Am Main soll das Jamie-Dinner bis April 2009 laufen, Anfang des nächsten Jahres wird ein Ableger in Hamburg dazu kommen, der wegen "Schwierigkeiten mit dem Zeltaufbau" verschoben werden musste. Allerdings sollen in der Hansestadt bis zum Zeitpunkt der Absage nur 7.000 Tickets verkauft worden sein. Bei 500 Sitzplätzen pro Abend dürfte das kaum für einen dauerhaften Erfolg ausreichend sein. www.jamie-s.com www.pte-ag.eu Redaktion food-service Jamie Oliver Dinner, Frankfurt, Dinnershow, Prime Time Entertainment


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