1. Internorga-Forum Schulcatering 2011 glänzt mit 400 Teilnehmern

Gelungene Premiere: Das erste Schulcatering-Forum im Rahmen der Internorga Fachmesse in Hamburg ist auf große Resonanz gestoßen. Exakt 413 Teilnehmer kamen am vorletzten Messetag ins CCH-Kongresszentrum. Sie wurden nicht nur über den Status Quo der Schülerverpflegung mit all ihren Schwachpunkten informiert, sondern konnten auch von wegweisenden Beispielen aus der Praxis sowie Konzepten für die Zukunft erfahren.

„Das Schulgeschäft ist und bleibt schwierig“ zieht Burkart Schmid, Chefredakteur der gv-praxis und deren Tochter Ess-Klasse Junior den Schluss aus einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift aus dem Deutschen Fachverlag in Frankfurt. Die mehr als 100 Schulcaterer, die sich an der Umfrage beteiligt haben, strafen die miserablen Rahmenbedingungen mit der Schulnote 4,3 ab. Man möge endlich Qualitätsanreize schaffen, lautete eine der Forderungen aus der Branche. Dabei geht es um einen vergleichsweise jungen Markt: 68 Prozent der aktiven Schulcaterer zählen seit maximal zehn Jahren Schülerinnen und Schüler zu ihren Gästen.

Dass ihre Zahl potenziell weiter steigen wird, macht Ulrike Arens-Azevêdo deutlich. „Fast die Hälfte aller Schulen in Deutschland sind mittlerweile Ganztagsschulen“ schreibt die Professorin der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften ihre spannende Analyse aus dem Jahr 2008 fort. Auch über die ausgewiesenen Ganztagsschulen hinaus werde das Angebot von Mittagessen in Schulen immer wichtiger. „Es ist inzwischen die Regel und nicht die Ausnahme, dass sich Kinder und Jugendliche ein bis drei Mal in der Woche den ganzen Tag in der Schule aufhalten.“ Umso wichtiger sei ein qualitativ hochwertiges Angebot nicht zuletzt angesichts der zunehmenden Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendliche.

Bei der Frage der Qualität sei mancherorts bereits einiges erreicht worden, bleibe aber auch noch viel zu tun. „Zu wenig frisches Obst und Gemüse, zu häufig Fleisch und zu selten Trinkwasser im Angebot“ resümiert Arens-Azevêdo, die maßgeblich an der Entwicklung der Qualitätsstandards für die Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE beteiligt war.


Der Erfolg der Schulverpflegung hängt allerdings nicht nur von der Essensqualität ab, sondern in hohem Maße von den Räumlichkeiten. Die Mensa muss insbesondere für die jugendlichen Jahrgänge ein cooler Ort der Kommunikation mit leckerem Essen sein. Schule könnte hier das Beispiel Recklinghausen machen. Klaus Herrmann, im kommunalen Bildungsbüro für den Fachbereich Schule und Sport verantwortlich, zeigte den Forumteilnehmern in Hamburg wie man in Recklinghausen die Versorgung von 14.900 Schülern zwischen 7 und 15 Uhr auf einen einheitlichen hochwertigen Standard bringen will. Der fängt an bei der Ausstattung der Schulküche und endet mit dem zentralen Abrechnungssystem für die monatliche Mensagebühr. Bei der Planung der Speiseräume hat man die Ess- und Freizeitgewohnheiten der Kids berücksichtigt. Herausgekommen sind schallgedämmte Räume mit PC-Stationen, Lounge-Bereich und flexiblen Sitzgelegenheiten, die den ganzen Schultag über offen sind.


Die Einführung einer Bio-Linie im Essensangebot wird für die Recklinghauser Schulen noch überlegt. Immerhin hatten 47 Prozent der dort befragten Schüler das als wichtig erachtet.

Zum Thema „Bio im Schulcatering – eine Frage der Wirtschaftlichkeit“ ging Anja Erhart ins Detail. „Ein durchdachtes Konzept ist die Voraussetzung für den Erfolg“, warnt die Inhaberin der Frankfurter Agentur für Ernährungsfragen vor Bio-Schnellschüssen. Sie empfiehlt kontinuierliches Vorgehen und einen niederschwelligen Einstieg mit zunächst 5 Prozent Bioprodukten im Wareneinsatz und Ziel für mehr.


Um politische und schulische Rahmenbedingungen, falsche und richtige Planung sowie die häufig fehlende Akzeptanz der Schulverpflegung bei der Zielgruppe ging es in der anschließenden Diskussionsrunde unter Leitung von Claudia Zilz, Redakteurin Ess-Klasse Junior. „Die Zukunft hat gerade begonnen“, zeigt Prof. Dr. Georg Koscielny von der Hochschule Fulda den aufmerksamen Teilnehmern des Forums zum Abschluss die Perspektive auf: Man müsse die Wünsche der Schüler im ganzheitlich Angebot berücksichtigen, dazu zählten auch Snackofferten. "Langfristig ist Schulcatering ein Milliardenmarkt.“ Termin für das 2. INTERNORGA Forum Schulcatering:  13.03.2012




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