Ueli Prager

100. Geburtstag von Mövenpick-Gründer/Hommage/Interview

15. August 2016: Der stolze Löwe
Ueli Prager ist an diesem Tag vor exakt 100 Jahren geboren. Er erreichte das stattliche Alter von 95, sein langjähriger Weggefährte Professor Kasimir M. Magyar veröffentlicht anlässlich dieses Datums eine knapp 100-seitige Hommage in einer kleinen Privat-Edition (Erwerb über Buchhandlung Bodmer in Zürich zum Preis von 48 €). Die Lektüre richtet sich in erster Linie an Fachleute und Zeitzeugen. Nachfolgend Prager-Interview 'Pionierreflexionen' aus dem Jahre 1996.
Ueli Prager hat als großer Innovator die Schweizer und mitteleuropäische Gastronomie über mehrere Jahrzehnte entscheidend geprägt. In seinen Restaurants nahm er die heute allgegenwärtige Entwicklung zu flexiblen Essenszeiten und kleineren Zwischendurch-Mahlzeiten weit vorweg.

Es entstand ein Hospitality-Großunternehmen mit über 1 Mrd. sfr Umsatz. 1992 verkauften Ueli und Jutta Prager ihre Aktienmehrheit an den deutschen Unternehmer August von Finck, unter seiner Führung wurde der Konzern mit Hotellerie und Gastronomie weltweit neu ausgerichtet.

Im Sommer 1996 anlässlich seines 80. Geburtstages durfte die Redaktion von food-service ein Interview mit UP, wie er genannt wurde, führen. Er hat sich auf diesen Termin überragend gut vorbereitet. Seine geistige Fitness entsprach der eines 50-jährigen.

Mit Respekt und zur Erinnerung nochmals dieses – auch für Junge – sehr lesenswerte Interview in kompletter Länge. Es erschien damals in der August-Ausgabe des Blattes.

Pionierreflexionen: "Ich war ein Mövenpick-Egoist"

Ueli Prager: ein Schöpfer und Schaffer, wie es in der Gastronomie Mitteleuropas nach dem letzten Weltkrieg keinen zweiten gab. Querdenker, Trendsetter, Vorbild - jeder einzelne dieser gewaltigen Titel ist angebracht. Der Schweizer war weit mehr als Gastronom bzw. Hotelier, er war Weltmeister darin, vielfältigen, unkomplizierten Lebensgenuss zu popularisieren und zu vermarkten. So entstand in über 40 Jahren ein Milliarden-Imperium, über lange Strecken hinweg die Brutstätte innovativen Gedankenguts überhaupt; Hunderte heute selbständig erfolgreiche Profis nennen Prager ihren fachlichen Vater, ihren Mentor. Eine unverwechselbare Erfolgsstory. Allein der Generationswechsel ist ihm - wie das bei großen Gründerunternehmern eher häufig als selten vorkommt - nicht geglückt, und so gehört Mövenpick heute einem anderen. Das schmerzt, doch es schmälert nicht im geringsten Pragers Vorreiterleistungen. Der Lernstoff, den er dieser Branche geboten hat, war und bleibt beispiellos. Das Leben eines typischen Pioniers: jahrzehntelang an vorderster Innovationsfront, reichlich Risiken, insbesondere aber große Erfolge in der gewählten Disziplin.

Was bleibt da in der Erinnerung, wie sieht die Bilanz aus?

UP: Das ursprüngliche Konzept von Mövenpick - gleichbleibende, hohe Qualität und Vielfalt, die dank Zwanglosigkeit und Einfachheit des Drumherums (casual eating, wie man sagen könnte) zu guten Preisen serviert werden kann - ist heute so gültig wie damals. Das freut mich besonders.
Dank guter Preise hohe Umsätze,
dank hoher Umsätze gute Resultate und:
dank guter Resultate rasches Wachstum.

Zufrieden bin ich auch, dass wir als erste erfasst haben, was der Markt an der Autobahn bringt, dass wir viele Artikel herausgebracht haben, mit denen Tag für Tag die Qualität garantiert und so ein überragendes Image aufgebaut werden konnte. Kaffee. Ice Cream. Rauchlachs. Salatsaucen. Wein. Rückblickend bin ich glücklich, dass es dank dieser Artikel und natürlich des ausgezeichneten Rufs unserer gastronomischen Leistungen gelungen ist, Lizenznehmer zu finden, die unsere Produkte international lancierten. Wenn ich sehe, dass Wein heute bei Mövenpick ein Wachstumsfaktor ist, dann weiß ich: Seinerzeit wurden einige Sachen gut gemacht.

Aber natürlich passiert im Leben auch viel Negatives. Ich habe Leute ungerecht behandelt - oft war ich kompromisslos und ich hatte sicher zu wenig Zeit für Freunde. Ich war ein Mövenpick-Egoist. Mövenpick hatte einfach Priorität, Mövenpick hatte meine Liebe, meine Treue, meine Zuwendung.

Unternehmertum in Mitteleuropa - schwieriger oder leichter als anderswo? UP: Ich mache mir da wenig Gedanken, ich bin mit Leib und Seele Europäer. Es ist die europäische Kunst, Musik und Literatur, die mich interessiert, und ich finde sie - ich bin mir dabei meines Vorurteils bewusst - allen anderen überlegen. Was soll ich mir in meinem Alter Gedanken machen über die anderen vier Kontinente. Trotzdem: Ich bin zufrieden, dass ich Mövenpick nach Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Jemen, in die Türkei, nach Singapur, China und sogar nach Neuseeland gebracht habe. Der Umgang mit den geschäftlichen Kulturen dieser Länder war fabelhaft spannend, für die anderen Kulturen, das sei zugegeben, blieb kaum Zeit übrig. Ich habe mich stets mit den heutigen Menschen befasst - mit Partnern, Kunden und Angestellten.

Gastronomie: Sie hat ein Seelen- und ein Zahlenleben. Wie stehen diese beiden Größen zueinander, und was ist erfolgsentscheidend?

UP: Das Seelenleben hat Priorität. Erfolg beruht darauf, dass man dies spürt. Aber der common sense, nämlich das Wissen, dass es kein Hobby sein kann und dass man selbst die Rechnung bezahlen muss, sollte einem in den Knochen sitzen, wenn man Geschäftsmann werden möchte. Ein wenig verstehen sollte man schon von Soll und Haben, dem Unterschied zwischen Schuldner und Gläubiger und vom Umgang mit Banken.

Haben Sie in Ihrem Leben eine Vision, eine Leitlinie verfolgt?

UP: Das Wort Vision habe ich natürlich dann und wann verwendet - meistens im Nachhinein. Wenn etwas richtig rauskam, dann war's schön, dies als Vision zu bezeichnen. Das tönt gut. Aber ehrlich gesagt: Im Prinzip habe ich Gelegenheiten ergriffen, Opportunitäten. Aber bin ich deshalb ein Opportunist gewesen?

Ob ich einer Leitlinie gefolgt bin? Ja! Der Anspruch an Qualität in allen Bereichen, an Lebensmittel, an Texte wie ans Rechnungswesen, an Menschen wie an Standorte.

Ihr Lebenswerk ist heute in den Händen anderer. Sie haben es so entschieden - gehen Sie noch in die Betriebe rein und wenn ja, mit welchem Gefühl?

UP: Nein. Es gibt nur drei Lokale, die ich noch besuche, wenn der Zufall mich in die Nähe führt.

Abstand gewinnt man nur, wenn man konsequent ist, und dazu gehört auch jener Abstand, der sich in Hunderten von Kilometern ausdrückt. An die Zeit, in der ich an der Spitze stand, denke ich mit Lust zurück. Allerdings nicht sehr häufig. Was heute geschieht, ist Aufgabe derer, die mit dem Geschäft betraut sind. Der alte Kapitän soll vom Boot gehen und nicht den Neuen ins Steuerrad greifen.

Wie hat das überhaupt funktioniert mit dem Loslassen, mit dem Abstand kriegen? War es schwer, von 200 %igem Unternehmer-Engagement auf fast ausschließlich privates Leben zurückzuschrauben?

UP: Ans Loslassen habe ich seit meinem 65. Geburtstag gedacht. Aber eine dynastische Lösung, die ich mir in meiner Naivität vorgaukelte, ließ sich nicht realisieren. Und drum auch der Verkauf.

War es schwer? War es leicht? Es sind ambivalente Gefühle, die mich bei einer solchen Frage erfassen. Letztlich war ich erleichtert. Und heute bin ich einfach ein alter Mann, der das Glück hat, gesund zu sein, viele Interessen zu haben. Letztere konnte ich Gott sei Dank zeitlebens pflegen, und ich erfreue mich auch einer materiellen Situation, die es mir erlaubt, sorglos zu leben.

Es gibt niemanden mehr, der mir falsche Komplimente macht. Wer hört sie nicht gerne, auch wenn er weiß, dass es nicht unbedingt gleich tönt, wenn man nicht dabei ist. Umgekehrt das wunderbare Gefühl: Du bist frei, zu tun und zu lassen, was Du willst. Du hast keine Agenda mehr, die Termine sind Vergangenheit. Freu' Dich darüber und lerne, dass Du ein ganz unwichtiger, allmählich in Vergessenheit geratener Mensch bist. Ein Mensch, den man endlich in Ruhe lässt innerhalb seiner Familie. Diese Familie glücklich zu machen, das muss jetzt mein Ziel sein. Und mein Glück.

Apropos Glück. Was macht eigentlich glücklich? Kann man Glück untermauern - und umgekehrt: Was zerstört Glück?

UP: Jetzt gelangen wir ins Philosophieren. Um glücklich zu sein, muss man wohl die richtigen Gene haben. Totale Bedürfnislosigkeit hilft zum Glück, das sagen viele Religionen und Denker. Ich selbst glaube das auch. Zugegeben allerdings, ich bin nicht bedürfnislos. Im Gegenteil, ich bin recht anspruchsvoll. Trotz meiner mangelnden Bedürfnislosigkeit fühle ich mich, so lange ich gesund bin, in der jetzigen Situation überaus glücklich. Ich bereue nichts.

Ich habe in meinem Leben weder im erotischen, freundschaftlichen noch materiellen Bereich viel verpasst. Es gibt in der Retrospektive nichts, wo ich sagen würde: Oh, hätte ich doch oder hätte ich doch nicht ... . Ich blicke aus meiner Sicht auf ein gutes Leben zurück.

Sie gelten als ein Mensch, der enorm schnell, gerne und gut lernt. Das war immer so. Wo stand und stehen ihre geistigen Futterkrippen?

UP: Eine anspruchsvolle Frage. Ich muss aufpassen, dass ich ehrlich bleibe und nicht Sprüche klopfe. Also: Ich lese gerne sowohl in Englisch, Französisch als auch Deutsch. Mich interessiert die europäische Politik. Jetzt natürlich vorrangig die englische, mit der nur-schweizerischen hätte ich wohl etwas Mühe. Mich fasziniert, wie sich Kunst und Geld in eigenartiger Weise ineinander verweben. Ich habe einige Kunstmäzene gekannt und sie genau beobachtet: nie pure Idealisten. Alle hatten ein sehr 'erdverbundenes' Verhältnis zum Geld und haben gern etwas Erworbenes wieder mit Gewinn veräußert. Die Frage, warum es dem einen Menschen gelingt, die Kunstwelt zu fesseln und von sich reden zu machen, und der andere - der äußerlich besehen eben so schön, so abstrakt, so exzentrisch oder expressionistisch malt - ein Veilchen bleibt, das im Verborgenen blüht, ist so schwer zu beantworten wie die Frage, weshalb der eine Gastronom Erfolg hat und der andere nicht. Irgendwie hängt's mit der Persönlichkeit zusammen, mit der Klasse des betreffenden Menschen. Das ist wie bei einer Frau. Schön muss sie nicht unbedingt sein - Dauerinteresse erweckt sie, wenn sie Klasse hat.

Sie waren eine Vorbild- Figur. Haben Sie ebenfalls Vorbilder gehabt? Welche?

UP: Mein Vater. Er ist seit 40 Jahren tot, und doch halte ich oft in meinen Träumen Zwiesprache mit ihm. Apropos Träume: Ich freue mich stets auf die Nacht, weil ich in der Nacht ein zweites Leben lebe. Und da - ich muss es gestehen - ist der Abstand zu Mövenpick kleiner.

Wo haben Sie über Jahr- zehnte hinweg im physischen Sinne Ihre unternehmerische Kraft, Ihre Energie hergeholt? Wer, was hat Sie angetrieben?

UP: What makes you tick? Astrologisches ist für mich Hokuspokus. Und doch - als Löwe wollte ich einfach Anerkennung. Vielleicht hat dies auch zu tun mit meiner Jugend, wo ich in der Familie als der Jüngere und oft auch der Einfältigere mich weniger vollgenommen fühlte als der intelligentere Bruder. Auf alle Fälle war mir der Wettbewerbsantrieb schon früh gegeben.

Was überwiegt - der Bauch- oder eher der Kopfmensch Ueli Prager?

UP: Emotionen, Sympathien spielten die größere Rolle. Der Verstand half, diese Emotionen so zu lenken, dass keine finanziellen Katastrophen entstanden. Der Verstand, oder auch das Wissen aus den krisengeschüttelten 30er Jahren, die ich ja als Sohn eines Hoteliers hautnah erlebte, haben mich sparsam und manchmal auch unnötig knauserig gemacht. Etwas, das mir im Nachhinein leid tut, aber mich auch daran hinderte, allzu viele Schlösser in den Sand zu setzen.

Weggefährten über Jahrzehnte, Menschen, mit denen Sie auch heute noch gerne diskutieren, fachsimpeln, essen gehen usw.? Drei herausgegriffen.

UP: Einer ist natürlich Emil Wartmann in Basel. Zwei in völlig anderer Weise anregende Menschen: ein Reiterfreund und ein Verleger klassischer Literatur.

Abstand bringt auch Zeit zum Nachdenken. Wo sehen Sie, einmal zurückgeblickt, Ihre Stärken, aber auch Ihre Schwächen?

UP: Meine Schwächen sind meine Stärken und meine Stärken meine Schwächen. Ich bin zu schnell zu begeistern und vergebe zu schnell Vertrauen. Wenn es gut kommt: fein. Wenn es schief geht, dann eben umgekehrt. Ich habe oft zu schnell den Stab gebrochen über Menschen oder Dinge.

Fehler, sie sind dazu da, dass man lernt. Welches waren Ihre größten Fehler, die Sie sich am wenigsten selbst verzeihen?

UP: Sie wollen mich zum Masochisten machen. Die schlimmsten Fehler habe ich weggesteckt, verdrängt. In meinem Innersten bin ich ein echter Zürcher, ein Zwinglianer, ein Puritaner. Was ich mir nie verzeihe, sind die Unehrlichkeiten, die ich begangen habe, um Ziele zu erreichen. Das könnte ja statt Zwingli auch gutes Jesuiten-Gedankengut sein, der Zweck heiligt die Mittel.

Wie war und ist Ihr Verhältnis zur Macht?

UP: Ich habe ja nichts mehr zu verstecken, irgendwann stehe ich im weißen Hemd vor meinem Richter - wenn es denn so einen gibt!

Ja, die Macht habe ich genossen. Es war schön, in Ägypten oder Saudi-Arabien vom Flugzeug abgeholt zu werden und ohne Passformalitäten sofort ins Hotel zu fahren. Es war schön, ein Dutzend oder auch hundert Mitarbeiter vor sich zu sehen und zu spüren - wie ein Schauspieler vor seinem Publikum -, wie gut gesetzte Gesten und Worte ankamen. Nebenbei bemerkt habe ich gelernt, wie wichtig für den Nimbus die Distanz ist, die man nie verlieren soll.

Und jetzt? Jetzt gibt's da eine ganz andere Macht. Die Macht, tun und lassen zu können, was ich will. Sie waren und sind die personifizierte Gastronomie-Kompetenz, aber definitiv auch ein Weltmeister in Sachen Kreativität. Ist Letzteres eine Begabung, oder lässt sich diese Dimension erlernen? Kann man sie vielleicht sogar schulen?

UP: Ich bin nicht überzeugt von meiner Kreativität, mehr von meiner Beobachtungsfähigkeit, meinem sofortigen Willen, Gesehenes umzuformen, der Situation und Umwelt anzupassen und dann mit Trommeln und Trompeten - oder besser mit Schreiben und Worten - zu verkünden, was Neues entstanden ist. Ich glaube, ich hatte einen sechsten Sinn für das, was zwar noch nicht Realität war, aber ganz einfach in der Luft lag.

Stichwort Krisen. Der Ver- kauf der Company war ja nicht die einzige in Ihrem Leben. Was lernt man daraus, und wie geht man damit um?

UP: Mövenpick zu verkaufen, war schon eine Amputation. Eine kleine Weisheit, die mein Lehrer im Gymnasium mir eingebläut hat, heißt: 'Sei nie nachträgerisch'. Das hat geholfen. Der Mensch oder das Geschehen, dem Du etwas nachträgst, fühlt nichts davon. Der einzige, der darunter leidet, bist Du selber. Schau vorwärts und nicht hinter Dich. Auch einem Scheidungskandidaten könnte man so etwas sagen. Gräm Dich nicht um Vergangenes, erledige es großzügig. Du hast eine neue Zukunft vor Dir: die Kraft positiven Denkens.

Sind Sie im Laufe der Jahre eher pessimistisch geworden, oder hat sich die optimistische Haltung mit der Lebenserfahrung verstärkt?

UP: Man sagt, der gehobene Pessimismus helfe, Enttäuschungen zu vermeiden. Meine positive Einstellung zum Leben und zu den Ereignissen war und ist durchgängig. Mir und anderen zu viel zuzumuten, ist etwas, das ich heute versuche unter Kontrolle zu bringen.

Welche Erfahrungen vermitteln Sie Ihren Kindern; geben Sie berufliche Ratschläge?

UP: 6 Kinder habe ich tatsächlich auf die Welt gestellt. Das einzige, was ich sagen kann: Es ist kein schwarzes Schaf dabei. Ob ich ihnen viel geben konnte, bezweifle ich. Ich war viel zu viel mit dem beschäftigt, was ich mir vorgenommen hatte, sprich aus Mövenpick und auch aus mir einen unübersehbaren Erfolg zu machen. Da war halt meine Zuwendung oft hastig. Oberflächlich. Trotz allem kann ich heute sagen, es sind 4 gute Frauen - die Älteste ist jetzt 54, die Jüngste 24 - mit Charakter und Haltung sowie zwei Buben - 22 und 19 -, die viel versprechen. Und es sieht so aus, dass sie dem Vater manchen Erziehungsmangel verzeihen.

Sie hatten ja einmal die Idee, dass eines dieser Kinder später Ihr Unternehmen in die Hand nehmen soll. Welches wäre am ehesten geeignet gewesen?

UP: Keines. Denn der Anspruch, der dann an so einen Boy mit etwa 25 Jahren gestellt worden wäre - ohne dass ich ihn wirklich begleiten könnte -, ist unzumutbar. Jetzt haben alle die Möglichkeit, in Ruhe ihren Weg zu suchen und zu finden.

Nehmen wir einmal an: Ein junger, 30jähriger, fachlich fitter Typ kommt zu Ihnen und will Ratschläge haben, worauf er in seiner gastronomischen Karriere achten soll. Was sagen Sie ihm?

UP: In meinem Leben haben mich viele um Ratschläge gefragt - doch: Kaum einer wollte sie wirklich hören. In der Regel will ein Ratsuchender nur hören, dass das, was er überlegt hat, gut ist. Wehe, wenn der um Rat Nachgesuchte anderer Meinung ist! Da schwingen dann schnell so Dinge wie Neid, oder auch die Zuweisung mit, man verstehe das Problem nicht oder unterschätze die persönlichen Fähigkeiten des anderen. Gute Verhältnisse und auch Freundschaften leiden, wenn Du frank und frei die Meinung sagst.

Ich kann niemandem raten, ich kann nur sagen: Mach das, was Deinem Temperament, Deinen Neigungen und Deiner Persönlichkeit entspricht. Etwas, was Dir gefällt - nicht wegen des Verdienens, sondern wegen des Dienens und der Zufriedenheit (die Du schaffen kannst bei Deinen Gästen).

Nächste Annahme: Sie hätten Lust, sich in der Gastronomie als Mäzen zu betätigen, da ein paar hunderttausend oder auch Millionen Schweizer Franken ideell zu investieren. Was, wen würden Sie fördern?

UP: Ganz schön provokativ! Bei solchen Fragen werde ich sogar in alten Tagen alarmiert und vorsichtig. Der Erfolgreiche, dem man einen Preis gibt, der braucht ihn nicht - und der Arme, der im Schatten kämpft, den kennt man nicht. Das Schwierigste, Beanspruchendste und oft auch Undankbare ist die Suche nach den Würdigen, die Unterstützung brauchen und verdienen. Jede Menge Stipendien gibt es ja schon. Und außerdem ist es wahrscheinlich so, dass immer noch gilt: Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott.

Was haben Sie sich für die nächsten Jährchen vorgenommen?

UP: Ich will lernen, dem Müßiggang alle diese schönen Seiten abzugewinnen, die ein von Freude und Ernst, von Interesse und Mitgefühl erfüllter Müßiggang erbringen kann.

Ein großer Geburtstag steht bevor. Wird da auch groß gefeiert?

UP: Ja. Soll ich mich verkriechen? Wir wollen meine Freunde und Bekannten zu einem Sommerfest in unser Haus nach Mettmenstetten einladen, das war der Wunsch meiner Frau. Und ehrlich gesagt, der meine auch.

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