44. Kongress Gemeinschaftsgastronomie

Innovative Konzepte und Plädoyer für "mehr Anarchie"

Marcell Jansen und Burkart Schmid auf der Bühne beim 44. GG-Kongress
Thomas Fedra
Marcell Jansen und Burkart Schmid auf der Bühne beim 44. GG-Kongress

Unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft. Lernstoff und Handlungsräume / Erfolgsfaktoren für die Praxis“ präsentierte am Messemontag, den 12. März, der 44. Deutsche Kongress für Gemeinschaftsgastronomie (GG) mit rund 200 Gästen brandaktuelle Themen und innovative Konzepte rund um neue Arbeitswelten, die Digitalisierung und den Faktor Gesundheit. Als Keynote Speaker gab Dr. Volker Busch Tipps zur individuellen Leistungserhaltung.

Mehr als 2 Mio. Mahlzeiten stillen täglich in den deutschen Einrichtungen der Gemeinschaftsgastronomie den Hunger von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. „Die Branche genießt eine hohe Wertschätzung, auch die Politik hat inzwischen erkannt, dass die Gemeinschaftsgastronomie ein wichtiger Kommunikator ist.“ Mit diesen Worten eröffnete Moderator Burkart Schmid, Chefredakteur der Wirtschaftsfachzeitschrift gv-praxis, den 44. Deutschen Kongresses für Gemeinschaftsgastronomie und bat nacheinander sechs namhafte Referenten sowie einen Special Guest auf die Bühne.



Impressionen des Branchentreffs: 44. Deutscher Kongress für Gemeinschaftsgastronomie


Gesundheitliche Aspekte im Vordergrund

Dass neben dem Aspekt der Verpflegung auch gesundheitliche Aspekte immer stärker im Vordergrund stehen, rückte Rainer Roehl, a'verdis, Münster, in den Fokus: „Update Bio – wie sich die Außer-Haus-Branche aufstellt“. Der Ernährungswissenschaftler plädiert leidenschaftlich für Bio-Lebensmittel, deren Produktion den dramatischen Rückgang der Biodiversität und des Artenrückgangs stoppen soll: „In Europa steht Deutschland unter den zehn Länden mit dem höchsten pro-Kopf-Verbrauch an Bio-Lebensmitteln erst an siebenter Stelle.“ Inzwischen steht Bio bei der gesamten AHV auch bei politischen Entscheidern stärker im Bewusstsein.

Das Thema sollte einen exakt formulierten Stellenwert in der Unternehmenskultur der Betriebe erhalten, forderte Schmid und leitete zum nächsten Referenten über: Simon Kuhn, K&P Consulting GmbH, Düsseldorf, führte die Teilnehmer in eine in der GG noch neue, digitale Welt und stellte gastronomische Lösungsansätze als Antwort auf veränderte Verzehrgewohnheiten und Arbeitswelten vor. Restaurantkonzepte, bei denen die gesamte Wertschöpfungskette digital abläuft, sind durchaus auch in der GG denkbar. Stichwort #New Work: Veränderung in der Arbeitswelt entstehen durch Home Offices, Popup-Stores, Agillität oder Internationalisierung.

Marcell Jansen - vom Fußballer zum Gastronom

Wie man sich vom Profifußballer zum Profigastronomen entwickeln kann, erfuhren die Zuhörer bei einem unterhaltsamen Talk von Burkart Schmid mit Marcell Jansen, Ex-Fußballnationalspieler und Gastro-Unternehmer. Sein Startup „Ben Green“, ein Restaurantkonzept, das aus „Fast Food Good Food“ gemacht hat, sorgt am Standort Flughafen Köln-Bonn mit einem Pilotbetrieb mit gesundheitsorientierten Angebote im Baukastensystem für Furore.

Der nächste Teil des Kongresses stand unter dem Motto „Veränderte Anforderungen – neue Konzepte“. Den Part des Referenten hatte Horst M. Kafurke von der Innogy Gastronomie GmbH, Essen, übernommen. Ihm ging es um „Snacking vs. Tellergericht“, ebenso um neue Lösungen für ein verändertes Ess- und Konsumverhalten aufzuzeigen. „Wir entwickeln uns längst weg von der klassischen Mittagsverpflegung hin zu einer umfänglichen Zwischenverpflegung.“ Das Gastronomie- und Beratungsunternehmen entwickelte das Konzept Deli, ein eigenes Format für schnelle, warme und kalte Bistro-Trendgerichte to go wie Sandwiches, Bagels oder Salate.

Den Weg vom Berater zum Kost-Bar-Gastronomen stellte Thomas Beers, ABConcepts GmbH, Ratingen, vor. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck präsentierte er in Hamburg neue Erfolgsformeln in der Krankenhaus-Nische. Back to the Roots führte seine 2006 gegründete Beratungsfirma von Caterern betriebene Krankenhausküchen zurück in die Eigenregie. Die Kost.Bar wurde dabei als eigene Marke entwickelt, die sich bereits in der Praxis bewährt.

Lässt sich Kreativität messen? Wohl kaum, aber Dr. med. habil. Volker Busch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Lehrstuhl der Uni Regensburg, zeigte, wie sich „von der Revolution zur Inspiration“ kreative Arbeitswelten der Zukunft erschaffen lassen. Sein Credo: „Nicht die Zeit rennt, sondern wir!" Er unterhielt seine Zuhörer exzellent und er sorgte mit Alltags- und Praxisbezug. Humorvoll und wissend hielt er ein Plädoyer für mehr Anarchie im Berufsalltag.

Die gemeinsamen Veranstalter Hamburg Messe und gv-praxis planen bereits das nächste Event: Die 45. Auflage des Deutschen Kongresses für Gemeinschaftsgastronomie findet am 18. März 2019 im bewährten Rahmen der Internorga statt.

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