50% mehr Verbraucherpleiten im 1. Quartal '04

Die Zahl der Verbraucherpleiten steigt bundesweit weiter dramatisch an. Im ersten Quartal 2004 wurden nach den bisher vorliegenden Zahlen mit 11.504 rund 50 % mehr Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet als von Januar bis März des Vorjahres. Damals waren es noch 7.679 Verfahren. Im Gegensatz dazu sind die reinen Unternehmensinsolvenzen von Gesellschaften (im Wesentlichen GmbH, KG, GbR, oHG und AG) um rund 5 % von 2.938 im 1. Quartal 2003 auf etwa 2.792 in den ersten drei Monaten 2004 zurückgegangen. Diese Zahlen hat heute die volkswirtschaftliche Abteilung der Seghorn Inkasso GmbH in Bremen veröffentlicht. Wenn die Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen auch bedenklich ist, so fällt der Anstieg selbst aber immerhin schwächer aus als in den zwölf Monates des Vorjahres. Im gesamten Jahr 2003 war in Deutschland nämlich sogar ein Anstieg um rund 70 % auf 33.812 Verfahren festgestellt worden. "Wenn der jetzige Trend bis zum Jahresende anhält, werden wir in diesem Jahr bundesweit wohl mehr als 50.000 Verbraucherpleiten zu verzeichnen haben. Das wären dann zweieinhalb mal so viele wie noch im vorletzten Jahr", sagte Seghorn-Geschäftsführer Stephan Jender bei der Vorstellung der Daten in Bremen. In die Pleite führen nach seiner Meinung neben überzogenen Konsumausgaben meist schwierige private Situationen wie Arbeitslosigkeit oder Scheidung. Ein wesentlicher Grund für die dramatische Zunahme der Zahl der tatsächlich eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren ist nach Meinung des Seghorn-Geschäftsführers die nunmehr mögliche Stundung der Verfahrenskosten zu Lasten der Landeshaushalte. "Diese Kostenübernahme gab es früher nicht, weshalb das Verfahren häufig nicht eröffnet werden konnte und deshalb oft auch gar nicht erst beantragt wurde. Jetzt versuchen immer mehr Verbraucher die Chance, die ein erfolgreiches Verfahren mit der Restschuldbefreiung bietet, zu nutzen", berichtet Stephan Jender. Die Regionalanalyse zeigt für die einzelnen Bundesländer eine zum Teil extrem unterschiedliche Entwicklung. Für die im Bundesvergleich eher an meist überdurchschnittlich gute Wirtschaftsnachrichten gewöhnten Einwohner Baden-Württembergs ist die Untersuchung ein Schock: Dort stieg die Zahl der eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren um 81 % an, im ganzen Jahr 2003 war bereits ein Anstieg von 66 % gemeldet worden. Schlimmer kam es nur noch für die beiden traurigen 'Spitzenreiter' Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo jeweils 91 % mehr Verfahren als im 1. Quartal 2003 eröffnet wurden. Die meisten Verbraucherinsolvenzen gab es im ersten Quartal dieses Jahres erwartungsgemäß mit 2.886 wieder im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Niedersachsen meldet 1.640, Bayern 1.195 und Baden-Württemberg 1.130 eröffnete Verfahren. Die wenigsten Pleiten von Verbrauchern gab es entsprechend mit 205 in Bremen, mit 217 in Thüringen, mit 273 in Mecklenburg-Vorpommern und mit 280 im Saarland. Seghorn Inkasso ist eines der führenden deutschen konzern-unabhängigen Inkasso-Unternehmen und in fast jedem vierten Verbraucherinsolvenzverfahren als Vertreter von Gläubigern beteiligt. Weitere Daten zu den übrigen Bundesländern finden sich im Inkasso-Report 3/2004 unter www.inkasso-report.de



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