Acrylamid Informationen zur Risikominimierung

Wie die am Mittwoch vom Verbraucherschutzministerium vorgestellten Ergebnisse nach den ersten Waren-Proben zeigen, ist Acrylamid in weit mehr Lebensmitteln enthalten als bisher angenommen. Hohe Schadstoffwerte wurden vor allem in Knäckebrot, Kartoffelchips, Pommes Frites und Crackern, aber auch in obergärigem Vollbier, Cornflakes, Röstzwiebeln und in Kaffee-Ersatz-Mischungen nachgewiesen.



Das Problem ist nicht neu. Fatal ist, dass die krebserregende und erbgutschädigende Substanz beim Frittieren, Rösten und Backen von Kartoffel- und Getreideprodukten von ganz alleine entsteht - je höher die Temperatur, um so höher die Konzentration. Von einem Lebensmittelskandal zu sprechen, bei dem die Industrie die Schuld trägt, ist falsch.



Trotzdem die Basis-Facts: Nach derzeitigem Erkenntnisstand bildet sich Acrylamid, wenn Aminosäuren und Zucker bei Temperaturen über 120 Grad Celsius miteinander reagieren. Auch durch die Lagerung von Kartoffeln wird der Prozess begünstigt, weil der Zuckeranteil mit der Zeit ansteigt. Wasser behindert dagegen das Entstehen der Substanz, weil es die Temperatur niedriger hält.



Erst seit kurzem ist der Nachweis von Acrylamid in Lebensmitteln überhaupt möglich. Insbesondere war bislang nicht klar, dass der Ausgangsstoff die Aminosäure Asparagin ist, die in Kartoffeln und Getreide enthalten ist. Ende April 2002 hatte die Schwedische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Swedish National Food Administration) entsprechende Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Laut einem Bericht der ‘Financial Times Deutschland‘ spricht unser Bundesministerium für Verbraucherschutz von einem "sehr ernsten Problem".



Bund und Länder haben daher ein Konzept zur Minimierung der Acrylamidbelastung verabredet, das auf sogenannten Signalwerten beruht. Zur Ermittlung werden in den betroffenen Warengruppen wie beispielsweise Knäckebrot die Produkte herausgesucht, die zu den 10 Prozent der am höchsten belasteten gehören. In dieser Gruppe wiederum gilt dann der niedrigste Wert als Signalwert. In das Konzept werden außerdem alle Lebensmittel einbezogen, die Acrylamidgehalte oberhalb von 1.000 Mikrogramm/Kilogramm enthalten. Bei diesen Erzeugnissen werden die Hersteller aufgefordert, die Gehalte zu reduzieren. So sollen zunächst die Herstellverfahren für Produkte mit den höchsten Acrylamidanteilen verändert und anschließend die Gehalte in Produkten mit niedrigen Werten minimiert werden.



Bei der Untersuchung stellte sich auch heraus, dass Produkte einzelner Hersteller zum Teil sehr viel höher belastet waren als die anderer. Vor allem in ausländischen Produkten wurden hohe Werte gefunden. Der Verbraucher kann sich derzeit jedoch nur bruchstückhaft informieren, da die Hersteller aus gesetzlichen Gründen nicht genannt werden dürfen. Einzige Ausnahme: das Land Nordrhein-Westfalen, in dem die Rechtslage wegen eines eigenen Landesgesetzes die Nennung zulässt. Im Internet sind die amtlichen Untersuchungsergebnisse mit Herstellernamen unter www.munlv.nrw.de veröffentlicht. Dass die Werte stark voneinander abweichen, zeigt etwa folgendes Beispiel: Roggenvollkorn-Knäckebrot von Vitapan weist laut Tabelle 1.465 Mikrogramm je Kilogramm auf, während Mehrkornknäckebrot von Wasa nur mit 194 Mikrogramm getestet wurde.



Weitere Informationen bei:

www.waswiressen.de

www.verbraucherministerium.de

www.warentest.de

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