Sternekoch Frank Rosin

Als Elektro-Kalle auf Kantinen-Mission

Die Kantine Weigang in Prenzlau war das erste Ziel für die Undercover-Aktion von Frank Rosin auf Kabel 1. Damit wird das zuletzt mäßig erfolgreiche Format des Sternekochs „Rosins Restaurant – ein Sternekoch räumt auf„ auf Kantinen übertragen. Im Vorfeld hatte der Sender Spannung aufgebaut und "Fürchterliches" angekündigt. 

Pächterin Ilona Weigang betreibt in Prenzlau zwei Kantinen und verkauft dort im Durchschnitt 500 bis 600 Essen täglich. Der Familienbetrieb bekocht Handwerker und Bauarbeiter, Anwohner, Schüler und in der Rathauskantine auch städtische Mitarbeiter. Die machen sich allerdings rar, insbesondere die Beamte. Darüber hinaus wird ein Lieferservice betrieben. Die tägliche acht Gerichte im Angebot werden zum Einheitspreis von 3 Euro angeboten, für die Lieferung werden 50 Cent pro Essen berechnet.
Ein Modell mit wenig Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg und ein Fall für Frank Rosin, der vom Restaurantretter auf Kantinenretter umgesattelt hat. Seit Frühsommer suchte der Sternekoch und sein Expertenteam Kandidaten für die neue Reality-Show nach dem Muster "Sie haben Probleme? Wir lösen sie!"- mit der Möglichkeit der voyeuristischen Anteilnahme des Kabel-1-Publikums.

Bewerben können sich Kantinenbetreiber und -gäste

Für eine Kantinen-Rettungsaktion kann sich jeder bewerben - egal ob unzufriedener Besucher, Betreiber oder Verpächter. Im Fall Weigang war es Tochter Madeleine, die ihre Chefin und Mutter Ilona auf die Sprünge helfen wollte, den Kantinenbetrieb auf die Erfolgsspur zu führen. Sie war auch die "Verbündete" von Kabel 1, Frank Rosin und Konsorten, um in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mehrere versteckte Kameras in der Kantine zu installieren.

Die Videoaufnahmen wurden in einen Ü-Wagen übertragen und dort mit kritischem, fachmännischem Blick ausgewertet. Außer Frank Rosin hatte noch der Gastronomie-Berater und Großküchenbetreiber Olaf Hertlein im Wagen vor dem Bildschirm Platz genommen.  Um 3.30 Uhr morgens beginnt die Observation:  Köchin Marion tritt ihren Dienst in der Kantine an - Kamera läuft! Die strengen Blicke der beiden Observer entdecken gleich Unerhörtes: Rohe Hackfleischbällchen! Ungekühlt warten sie auf der Mise-en-Place auf ihre Weiterverarbeitung!

Sternekoch recherchiert als Elektro-Kalle

Doch Rosins Mission beschränkt sich nicht auf den Platz am Bildschirm. Als "Elektro Kalle" betritt er die Kantine und beginnt seinen Part vor den versteckten Kameras. Seine Verkleidung erinnert an Hape Kerkelings "Schlämmer Horst" - falsche Zähne, Perücke und ausgepolsterte Berufsbekleidung. Mit einem "Kollegen" vom örtlichen Elektro-Handwerksbetrieb erhielt er unter dem Vorwand notwendiger Überprüfungen elektrischer Geräte Zugang in die Kantinenküche. Bewaffnet mit Klemmbrett und Stift konfrontiert er das Küchenpersonal mit Fragen und Kommentaren, die für einen Elektriker höchst ungewöhnlich sind: „Was wird das denn? Ach, Kochklopse!“  Das provoziert geradezu die Enttarnung und die Dramaturgie des Sendeformats kann ihren Lauf nehmen.

Dazu gehört die Befragung potenzieller Kunden und die Verkostung des Angebotes: Schnitzel mit pappiger Panade, Lungenwurst, Erbsen-Karotten-Pampe und warmes Eierfrikasse . „Schon optisch eine  Überwindung“, sagt Rosin und schluckt schon vor dem ersten Bissen. Ergo: „Das Essen fällt gnadenlos durch“. Das Speisenangebot wird charakterisiert als „Zeitreise in die Kulinarik der ehemaligen DDR“. Großküchenprofi Hertlein ergänzt: „Kochtechnisch eine 6!“

Kalkulation nach der Regel Pi mal Daumen

Auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten fällt das Familienunternehmen Weigang durch. Kalkuliert wird Pi mal Daumen. Rosin: „Habt Ihr schon mal seriös ausgerechnet, ob Ihr damit Geld verdient?“

Dem Kantinen-Rettungsteam kann das nur recht sein. Wo so vieles im Argen liegt, gibt es jede Menge Ansätze für Verbesserung. Kantinenchefin Ilona muss das strenge Urteil des Sternekochs über sich ergehen lassen: „Es ist alles Deine Schuld!“ Es fließen viele Tränen, die Rosin trocknen kann, weil er psychischen Beistand bietet und zusammen mit Küchenspezialist Hertlein und Einrichtungsexpertin Melanie Frehse die Lösung findet. „Es muss eine 360-Grad-Veränderung her, ansonsten seid Ihr pleite“.

Das Angebot wird von acht auf zwei Gerichte reduziert

„Weniger ist mehr“ lautet die Richtung. Statt bis zu acht Gerichte gibt es künftig nur noch zwei Menülinien täglich. Es soll frisch gekocht werden und neue Angebote geben wie Couscous-Salat und Vollkorn-Pasta mit Basilikum-Pesto mariniertem Fetakäse und Rucola. Dazu werden die Preise pro Portion kalkuliert und erhöht. Der Gastraum ein farbiges Ambiente erhalten  - und Tochter Madeleine übernimmt den Laden!

Wir hätten gerne mit dem Sternekoche über seine Kantinen-Mission gesprochen um beispielsweise zu erfahren, wie viel die Rettungsaktion gekostet hat und wer sie bezahlt hat. Aber Frank Rosin hat keine Zeit. Wahrscheinlich ist er schon wieder unterwegs, um die nächste Kantine zu retten.



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