Atom-Katastrophe in Japan und Sushi-Verzehr in Deutschland

Nach dem Reaktorunglück von Fukushima liegt die Frage nahe, ob Lebensmittel aus Japan eine erhöhte Strahlenbelastung aufweisen. Besonders im Fokus: Sushi – hierzulande Synonym schlechthin für japanische Küche und im Sortiment nicht nur japanischer Restaurants und Sushi-Ketten prominent vertreten. Die Betreiber von Sushi-Lokalen weisen darauf hin, dass nur die wenigsten Produkte und Zutaten aus Japan stammen. Offensive Informationen sind bisher selten.


„Einige Gäste fragen nach, woher unsere Produkte kommen und ob für die kommende Zeit unser Warenbestand gesichert ist“, erklärt Sarah Strub vom Sushi Restaurant Yooji's in Zürich, und fährt fort: „Sie wollen aber auch wissen, wie es unseren Mitarbeitern und deren Familien geht.“ Aus Japan importiert das Unternehmen lediglich konservierte Lebensmittel wie Ingwer und Sake. In den kommenden Monaten werden keine Engpässe erwartet. Kurz vor der Katastrophe kam noch eine Lieferung. Parallel suchen die Lieferanten allerdings nach Alternativen.


Auch Roland Koch, Gastro Consulting/Hamburg, erwartet keine Beeinträchtigung des Sushi-Absatzes. Nur Thunfisch stamme aus Japan. Derzeit gebe es keinen Hinweis darauf, dass Lebensmittel belastet sind. Eher erwartet Koch, dass die starke Nachfrage nach Thunfisch zu einem Engpass führen könnte.

„Bislang hatten wir erst eine einzige Anfrage per Email. Ein Gast hat sich nach der Herkunft unseres Fisches erkundigt“, sagt Hans-Bodo von Laffert, Sushi Factory/Hamburg. Obwohl keine Fragen kommen und kein Rückgang der Gästezahl spürbar ist, will das Unternehmen nun das Thema aktiv kommunizieren. „Wir erwarten, dass die die Verunsicherung künftig wächst. Darauf wollen wir vorbereitet sein.“ Mit Infomaterial will Sushi Factory Kunden darüber aufklären, dass bei japanischem Essen die Zutaten nicht zwangsläufig aus Japan stammen. Lediglich zwei Saucen waren im Sortiment, die zur Sicherheit ausgelistet wurden. Mit einer Spendenaktion soll den Menschen in Japan finanziell geholfen werden.

Die Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, gehen davon aus, dass für Verbraucher in Deutschland von Fisch aus pazifischen Fanggebieten keine Gefährdung durch radioaktive Stoffe aus Fukushima ausgeht. Grund sei die bereits deutlich sichtbare Verdünnung der radioaktiven Stoffe im Meerwasser 30 km von der Anlage entfernt. Allerdings meldet die Betreibergesellschaft des havarierten AKW immer wieder neue Hiobsbotschaften. Durch einen 20 cm langen Riss am unterirdischen Tunnelsystem des Reaktors 2 tritt seit mehreren Tagen radioaktives Wasser aus. Das Leck konnte bislang noch nicht abgedichtet werden.


Die EU-Kommission hingegen hat kürzlich mit Hilfe einer ’Schubladen-Verordnung’ aus dem Jahr 1987 in Kraft gesetzt. Damit gelten seit einigen Tagen höhere Strahlungsgrenzwerte für Lebensmittel aus Japan. Die Die Grenzwerte liegen jetzt so hoch wie nach der Katastrophe von Tschernobyl. Milchprodukte dürfen beispielsweise mit 1.000 Becquerel strahlen, statt mit 370 Becquerel.


www.twospice.ch

www.sushi-facotry.com
www.gastroconsulting.de

 



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