Auswirkung des BSE-Dilemmas auf Gastronomie

Aktuelle Lage und Branchen-Statements: Seit letzten Freitag zählt nun auch Deutschland zu den von BSE betroffenen Ländern Europas. Die Vertrauenskrise im Lebensmittel-Handel und in der Gastronomie ist eklatant: Bei der Mehrheit der Bevölkerung trifft man auf undifferenzierte Panikreaktionen. Die typische Verhaltensweise ist nicht der Wechsel zu Schwein oder Geflügel, sondern weitgehender Verzicht auf sämtliche Fleisch- und Wurst-Offerten. Viele Großverpfleger haben schon jetzt Rind vom Speiseplan verbannt. Künftig dürfte die Herkunft von Fleischprodukten das große Thema der Branche werden.
  • Viele Gäste und Kunden bleiben gänzlich weg.
  • Angst der Konsumenten steigt täglich.
  • Verkauf und Verarbeitung von Rindfleisch wurde extrem eingeschränkt.
  • Gastronomie bietet verstärkt vegetarische Ausweichofferten an.
  • Durch Aufklärung und Service vor Ort will man das Vertrauen des Verbrauchers zurückgewinnen.
Branchenrundblick Augustiner, München (Thomas Vollmer): "Bei uns halten sich die Einbußen noch in Grenzen, vielleicht ein Drittel Einbrüche bei Steaks, bei sonstigem Rind wie z.B. Braten etwa - 10 %. Die Gründe? Erstens ist die bayrische Küche sehr schweinefleischhaltig. Zweitens wissen unsere Stammkunden, dass wir auf eigenem Bauerhof produzieren, auf dem kein Tiermehl - man könnte auch Tiermüll sagen - verarbeitet wird. Bei neuen Gästen haben wir es natürlich schwerer. In Kürze werden wir daher freiwillige Schnelltests durchführen. Im Moment stehen mehr Gerichte vom Schwein, Wild und Geflügel wie Ente und Gans auf der Speisekarte." Zeiss, Hanau (Edgar Rinke): "Als Fleischerei und Metzgerei-Imbiss haben wir ganz starke Verluste: Rindswurst, Roulade, Braten und Gulasch vom Rind gehen kaum noch. Die Kunden verlagern sich größtenteils nicht auf Schwein oder Fleischloses, sondern bleiben generell fort - etwa 20 % weniger! Kurioserweise werden Frikadellen und Hack weit weniger gemieden als anderes Rindfleisch. Wir haben umgehend Rind aus der Wurstproduktion herausgenommen und bieten im Imbiss verstärkt Geflügel, Teigwaren oder Kartoffeln an. In den Betrieben müssen wir fast psychologische Betreuung leisten - nur durch Aufklärung haben wir eine Chance, das Vertrauen wieder herzustellen. Ich hoffe, dass aus dem ganzen Debakel langfristig ein neues Qualitätsbewusstsein erwächst, das den extremen Preisdruck mildert!" Karstadt, Essen (Ernst F. Schatz): "Brandaktuell sind Karstadt und Le Buffet wenig betroffen. Der Anteil des Rindfleischs am Gesamtumsatz macht nur 2 % aus und das ist größtenteils argentinischer Herkunft. Natürlich haben wir umgehend reagiert: Es wird kein Rind mehr bei der Wurstproduktion verwendet und europäische Lieferanten müssen Schnelltests nachweisen. Allerdings stelle ich wenig Interesse seitens der Gäste fest, die meisten essen das Fleisch doch." Block House, Hamburg (Martin Preuninger): "Die Leute, die zu uns kommen sind gesprächsbereit, aber diejenigen, die erst gar nicht kommen, können wir natürlich nicht erreichen. Dabei kommt unser Fleisch aus Südamerika. Aber die Menschen sind von der Panikmache der Medien generell völlig verunsichert. Es wäre noch schlimmer gekommen, wenn seit 1996 nicht schon soviel Aufklärung stattgefunden hätte - damals hieß es Rinderwahnsinn, heute wissen doch die meisten, was BSE ist. Natürlich haben wir T-Bone Steaks aus dem Sortiment genommen, aber die Dauerrenner Filet- und Ribeye-Steak laufen auch jetzt. Unser Vorteil: Das Personal ist von Haus aus umfassend über die Herkunft des Fleisches informiert und kann gut mit besorgten Gästen umgehen." buxs, vegetarisches Quickservice-Restaurant, München (Anna Lander): "Seit Samstag kommen die Leute in Strömen - 40 % mehr Gäste zur Mitte der Woche nach dem schwarzen Freitag! Regulär liegt unsere Frequenz bei 800 -1.000 Gästen pro Tag, ich vermute, dass uns vom aktuellen Anstieg allerdings dauerhaft nur 10 -15 % der Gäste erhalten bleiben. Die Menschen vergessen oder verdrängen so etwas sehr schnell. Grundverkehrt, denn die Verbraucher sollten diese Krise zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, was sie eigentlich essen!"



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