Berlin gibt Ladenöffnungszeiten frei/Gastro-Auswirkungen

Shoppen rund um die Uhr in Berlin: Mit dem neuen Ladenschlussgesetz beschloss das Abgeordnetenhaus der Hauptstadt eine weitgehende Freigabe der Ladenöffnungszeiten. Bereits für die vier Adventssonntage gilt: Geschäfte dürfen von 13 bis 20 Uhr verkaufen. Gemischte Gefühle bei den Gastronomen: Einige erwarten Zusatzerlöse. Andere befürchten, dass Gäste ausbleiben könnten. Wer von den längeren Öffnungszeiten profitiert – darüber entscheiden vor allen Dingen Lage und Betriebstyp. „Das war lange überfällig“, freut sich zum Beispiel Dragan Mitrovski (2 Burger King Outlets, 3 weitere Betriebe in Berlin). „Liberale Öffnungszeiten gehören nunmal zu einer Metropole. Ich bin froh, dass Berlin den ersten Schritt macht. Ich rechne mit verstärktem Geschäft am Abend und am Wochenende – das heißt, ich brauche mehr Mitarbeiter und werde dementsprechend weitere Arbeitsplätze schaffen.“ Mit der schnellen Freigabe der Öffnungszeiten will Bürgermeister Klaus Wowereit zum Weihnachtsgeschäft mehr Touristen nach Berlin locken. Zusätzlich zum Advent kann der Senat an vier weiteren Sonntagen im Jahr den Verkauf erlauben. Geschäfte, die zum Beispiel Jubiläen feiern, können dies an zwei weiteren Sonntagen im Jahr tun. Insgesamt ist der Verkauf also an zehn Sonntagen im Jahr möglich. An allen anderen Wochentagen können Händler ihre Geschäfte theoretisch rund um die Uhr öffnen – was aber an kaum einem Standort wirklich sinnvoll sein dürfte. Karstadt-Quelle prüft derzeit die Öffnung bis 22 Uhr: „Wir werden beobachten, wie sich die Nachfragesituation entwickelt“, erklärt Hans-Joachim Matzky, Le Buffet Restaurant Wintergarten im KaDeWe. Die Sonntagsöffnung beurteilt er – abgesehen von den Adventssonntagen zurückhaltend. „Eine Ausweitung von Montag bis Samstag hätte uns womöglich gereicht. Ich befürchte, dass der offene Sonntag in der Sommersaison eher weniger genutzt werden wird und uns sogar noch Geld kosten könnte.“ Wichtig sei die Freigabe aber in jedem Fall für das Ansehen Berlins bei internationalen Gästen. „Da die Berliner traditionell spät ausgehen, werden wir sie mit längeren Abendöffnungszeiten voraussichtlich weniger erreichen. Zuwachs erhoffen wir uns aber von den in- und ausländischen Gästen, die dann abends länger über die Tauentzienstraße flanieren können.“ Auch in den sieben Berliner ECE-Shopping Centern werden sich die Türen ab 1. Dezember nicht rund um die Uhr öffnen: Einzig die Potsdamer Platz Arkaden und das Ring Center werden täglich von 10 bis 22 Uhr verkaufen. Andere, wie das Eastgate oder das Gesundbrunnen Center weiten die Öffnungszeiten von lediglich Donnerstag bis Samstag auf 22 Uhr aus, das Linden-Center an Freitagen und Samstagen. Das Allee-Center und die Märkische Zeile schließen ihre Türen weiterhin um 20 Uhr. Auch morgens tut sich nicht viel: Alle Center öffnen erst um 9.30 bzw. 10 Uhr. Für Gastronomen, deren Betriebe nicht unmittelbar in den Shopping Zonen der Stadt liegen, könnte die Freigabe sogar Einbußen bedeuten: „Wer abends einkaufen geht, geht in dieser Zeit natürlich nicht mehr in Restaurants“, erklärt Stefan Schneck (3 Betriebe in Berlin). „Für unsere Schnitzelei und Nola’s erwarte ich mir deshalb keine starken Impulse – im Gegenteil. Aber ich denke, dass sich das Ausgeh- und Shoppingverhalten der Menschen bald einpendeln wird. Grundsätzlich und persönlich befürworte ich die Freigabe: Es ist wichtig, dass Unternehmer selbst über die Öffnungszeiten ihrer Betriebe entscheiden dürfen.“ Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels begrüßte die Berliner Initiative und kritisierte zugleich die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern. Die meisten Länder planen wie Berlin eine Freigabe der Öffnungszeiten. Bayern und das Saarland dagegen wollen an den bisherigen Gesetzen festhalten.


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