Kumpel & Keule

Berliner Szene-Metzger eröffnet die Speisewirtschaft

Schon kurz nach der Eröffnung in der Markthalle Neun vor drei Jahren war Kumpel & Keule die wohl berühmteste Fleischerei des Landes. So ziemlich jedes Medium berichtete über die Revolution an der Wursttheke, die Jörg Förstera und Hendrik Haase damals anzettelten. Jetzt haben die beiden mit dem Restaurant Speisewirtschaft nachgelegt.

Kumpel & Keule, die kleinste Bio-zertifizierte Metzgerei der EU (36 qm), wollte alles anders machen als die kriselnde Konkurrenz: ganze Tiere kaufen, alle Teile verkaufen, die Warenkette offenlegen, direkten Kontakt mit den Bauern pflegen und vor allem für Transparenz sorgen. Und das ganz wörtlich. Alle Schritte der Produktion sind sichtbar, da sie hinter großen Scheiben stattfinden. Die selbstgestellte Mission: Die Ehre eines verschwindenden Handwerks retten.

Von Anfang an spielte bei Kumpel & Keule auch Gastronomie eine Rolle. Mit dem Dry Aged Burger, den man an der Theke bestellen kann, hat man nicht nur einen Hit am Streetfood Thursday geschaffen, dem großen Publikumsmagneten der Markthalle Neun in Kreuzberg, sondern auch gleich ein erfolgreiches Catering-Angebot. Das machte schon vor der Eröffnung der Speisewirtschaft 40 % des Umsatzes aus. Ein eigenes Restaurant war da eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Der Blickfang in der nun im Januar ebenfalls in Berlin-Kreuzberg eröffneten Speisewirtschaft ist der verglaste Reifeschrank neben der offenen Küche. Gut sichtbar hängen zwei Rinderrücken-Viertel aus. Bis zu acht Wochen tun sie das, bis es auf den Grill geht. Trotzdem ist die Speisewirtschaft alles andere als ein Edelsteakhaus. Und auch kein Burgerbrater, obgleich man zwei Stück im Angebot hat (8-9 €).

Unter den Hauptgerichten: Roastbeef, Gürkchen, Bratkartoffeln, Freestyle Remu - Kostenpunkt 18 €. Foto: Hendrik Haase
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Unter den Hauptgerichten: Roastbeef, Gürkchen, Bratkartoffeln, Freestyle Remu - Kostenpunkt 18 €. Foto: Hendrik Haase
Im Grunde ist das Konzept ein High-End-Metzgerimbiss. Nose to tail ist ein großes Thema. Bries (9 €), Leberwurst-Stulle (7 €) und Blutwurst (13 €) stehen auf der Karte, aber auch Tatar (10 €/100 g), Roastbeef (18 €), Bratwurst (12 €), Ochsenbäckchen und – der Bestseller – das Dry Aged Steak (20 €/ 200 g). Das kommt vom Metzgerstück, das selten in Handel und Gastronomie gelangt, da es etwas aufwändig zu parieren ist.

Handwerk steht nicht nur beim Fleisch, sondern auch bei Getränken und Beilagen im Vordergrund. Das eigens gebraute Craftbier 'Hopfenkeule' kommt von Heidenpeters, das Brot von Sironi, die Gewürze von Soulspice, alles Nachbarn in der Markthalle Neun, die ums Eck ist, und auch das Gemüse liefert.

Viel Storytelling gibt es in der Speisewirtschaft. Auf der Karte – ein Umschlag mit regelmäßig wechselnden Einlegeblättern – wird der Gast sehr ausführlich über den handwerklichen Ansatz der Fleischerei informiert, über die verschiedenen Cuts des Rinds, sogar Koch-Tipps werden gegeben, aber auch den ein oder anderen Witz gönnt man sich. 'Fett ist geil' heißt etwa das WLan.

Aktuell hat man Dienstag bis Samstag ab 16 Uhr geöffnet, im Laufe des Jahres soll Mittagsservice hinzukommen. Die 28 Plätze an sechs Tischen werden im Augenblick zwei mal pro Abend vergeben. Zwei Kellner und zwei Köche kümmern sich in dem Fullservice-Restaurant um die Gäste.

www.kumpelundkeule.de


Text: Felix Denk




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