36. Internationales Foodservice-Forum

Branchen-Powertag sorgt für volles Haus

Kein Platz mehr frei am neuen Standort: Das 36. Internationale Foodservice Forum zog umbaubedingt von Hamburger CCH ins Mehr! Theater am Großmarkt und war gefragt wie nie: 2.200 Teilnehmer besetzten alle Stühle in der ungewohnten Location, die sich schnell als 'mehr' als ein Ersatz erwies. Zehn hochkarätige Redner referierten - moderiert von Gretel Weiß und Axel Weber - zum Motto: Zukunft tanken. Quer denken. Machen!
Nach der Begrüßung durch Gretel Weiß, Herausgeberin von food-service und FoodService Europe & Middle East, und Hamburg Messe-Chef Bernd Aufderheide stellte Gretel Weiß die brandneuen Zahlen der 100 größten deutschen Gastronomen vor. Mit einem Plus von 2,8 % für die Branchenspitze war 2016 wieder ein erfreuliches Jahr, wenn auch kein überragendes. 

Zwei große Übernahmen prägten das vergangene Jahr aus gastronomischer Sicht: Joey's Pizza ging an den größten Franchisenehmer des Weltmarktführers Domino's und die deutsche Starbucks-Organisation an den polnischen Multi-Konzept-Player AmRest. Die Köpfe hinter beiden Unternehmen, Don Meij (Domino's Australien) und Henry McGovern (AmRest), stellten dem Publikum sich, ihre Strategien und Pläne für den deutschen Markt vor. Domino's setzt vor allem auf Technologie, die Digitalisierung und das 'Internet of Food', um das Ziel von 1.000 Stores in den nächsten zehn Jahren zu erreichen.

100 neue Starbucks-Units pro Jahr

20 % Wachstum pro Jahr lautet das Versprechen von AmRest, das sich das Ziel gesetzt hat, zum führenden Gastro-Player in Europa zu werden. Für Deutschland bedeutet das: ein Upgrade für die Marke Starbucks, eine Führungsrolle in puncto Technologie und Kaffeequalität und eine verstärkte Expansion der Marke mit rund 100 neuen Coffee Houses pro Jahr ab 2019. 

Nach einer Stunde Lunchen, Netzwerken und fachlichem Austausch auf der mehr als 1.000 qm großen F&B-Mall, auf der unterstützende Unternehmen ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen vorstellten, stand ein weiteres aktuelles Top-Thema im Fokus: Gründer Emanuel Pallua präsentierte seinen Lieferdienst foodora, der 2015 gestarteten wachstumsstarken Schnittstelle zwischen Restaurants und Kunden, die inzwischen in über 50 Städten in zehn Ländern operiert. 2.500 Restaurants in Deutschland nutzen das Angebot bereits als zusätzlichen Vertriebskanal. 

Anschließend hieß es 'Bühne frei' für einen Popstar unter den Zukunftsforschern. Prof. Kjell A. Nordström analysierte die zukünftigen Bedürfnisse von Gästen und Konsumenten. "In 30 Jahren werden 85 % der Menschen in 600 Mega-Städten leben. Die Gastronomie ist eine der Branchen, die auf dieser Welle der Urbanisierung surfen werden", so Nordströms Prognose. "Erfolgreich sind die Unternehmen, denen es gelingt, ein temporäre Monopol in den Köpfen der Menschen zu kreieren." Die Lebensdauer dieser Monopole werde sich allerdings verkürzen. Voraussagen sind obsolet. "Strategien und Pläne werden überflüssig. In Zukunft geht es nur noch mit dem Prinzip 'Versuch und Irrtum'."

Erfolgskonzepte on stage

Den Nachmittagsblock eröffneten Haya Molcho und ihr Sohn Ilan. mit ihrem Konzept NENI bereichern sie die Hotels der 25hours-Gruppe, unter anderem in Berlin. Deren gastronomische Philosophie erläuterte Bernd Gieske, Head of F&B der Gruppe, die zwischen 40 und 60 % ihrer Umsätze mit Foodservice generiert. Das Restaurant NENI Berlin trägt mit rund 400 Gästen am Tag einen Jahresumsatz von 4 Mio. € dazu bei. 

Haya Molcho gründete NENI mit ihren Söhnen am Naschmarkt in Wien - bis heute ist das Unternehmen ein richtiger Familienbetrieb und auch eine Lifestyle-Marke. Die Food-Philosophie: Balagan - ein sympathisches Durcheinander orientalischer Küchen mit einer großen Portion israelischer 'Chuzpe'.

Weiter ging die Reise vom Hotel an Verkehrsstandorte: Stefan Weber und Michael Weigel von casualfood sind Spezialisten für dieses Geschäftsfeld. Zwölf Jahre nach dem Start als 'Brezelbuben' am Frankfurter Flughafen erlöst das Unternehmen heute mit 60 Units und elf Marken 43,5 Mio € pro Jahr. Zum Portfolio gehören sowohl Convenience-Stores, also auch Snack-Mobile und Fast Casual-Formate unterschiedlicher Couleur. Beispielhaft für die konzeptionelle Kreativität von cadualfood steht das italienische Deli Goodman & Filippo, derzeit realisier am Düsseldorfer Flughafen. 

In die richtige Stimmung für einen entspannten Abend brachte Schlussredner Stefan Verra, Experte für Körpersprache, die begeisterten Teilnehmer. Faszinierend: die vielfältigen Botschaften, die unsere Haltung und Mimik dem Gegenüber senden. Die Kunst: sie zu dechiffrieren. "Körpersprache wird nie einen netten Menschen aus Ihnen machen. Aber sie ist immer verantwortlich für den ersten Eindruck! Gehen Sie wohlwollend mit ihr um! Und wenn Sie wollen, dass Ihre Gäste sich wohlfühlen: Lächeln Sie!" 

Das nächste, 37. Internationale Foodservice Forum findet statt am 8. März 2018, dem Vortag der Internorga. 




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