Shopping Center Report 2015

Breuningerland führt/Ranking

Das Breuningerland in Sindelfingen erhielt 2015 von seinen Mietern die besten Noten als erfolgreichstes deutsches Shopping Center (1,44) und verdrängt das Lago in Konstanz auf Rang 4 (1,63) – zuvor drei Jahre Spitzenreiter. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Citti-Park Kiel (1,56) und das Breuningerland in Ludwigsburg (1,58). Dies sind die Ergebnisse des Shopping Center Performance Reports 2015 (SCPR), der gemeinsam von der Beratungsfirma Ecostra, Immobilien Zeitung und TextilWirtschaft (beide dfv-Mediengruppe) durchgeführt wurde.
Für das Ranking bewerten die Mieter die Zufriedenheit mit der Wirtschaftlichkeit ihrer Shops in einem Center im Vergleich zu Läden in anderen Einkaufszentren. Der SCPR ist die einzige Marktstudie aus Sicht der Mieter – im Fokus steht das Verhältnis zwischen Umsatz und Kosten.

Neu in den Top 10 konnten sich die WilhelmGalerie in Ludwigsburg (1,67. Rg 5) und das Spitzkrug Multi Center in Frankfurt/Oder (1,86, Rg 10) behaupten. Beide Platzierungen sind für Außenstehende eine Überraschung, das Abschneiden des Spitzkrug Centers für Insider hingegen nicht: „Das Center ist ein starker Standort und profitiert von der Schwäche der Frankfurter Innenstadt“, sagt Frank Riedel, Expansionschef des Schuhfilialisten CCC. Unerwartet in der Spitzengruppe kommt auch der Abstieg des Vorjahressiegers Lago in Konstanz auf Platz 4. „Und das, obwohl seit der Freigabe des Schweizer Franken der Shopping-Tourismus aus der Schweiz noch gewachsen ist“, sagt Ecostra-Chef Dr. Joachim Will. Trotzdem profitiert der Handel im Grenzgebiet zur Schweiz weiter massiv. So hat sich zum Beispiel das Rhein Center in Weil am Rhein, fürwahr kein Symbol sinnlicher Einkaufsatmosphäre, auf Platz 7 weit nach vorne geschoben.

Zu den Shopping Centern, die wie in den Vorjahren gute Noten bekamen, zählen das Centro Oberhausen (1,95), das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach bei Frankfurt (1,72) und das Famila-Einkaufsland Wechloy in Oldenburg (1,80). Auch im Tabellenkeller finden sich mit dem Haven Höövt in Bremen (4,40), den Aachen Arkaden (4,25) oder dem Loop5 in Weiterstadt (3,86) alte Bekannte.

Deutlich schlechter benotet wurden zum Beispiel die Potsdamer Platz Arkaden (3,64). Dies könnte an der Eröffnung der benachbarten Mall of Berlin liegen. Diese wurde nicht bewertet, weil sie zu Beginn des Befragungszeitraums Mitte Juni noch nicht ein Jahr in Betrieb war. Die beste Note in der deutschen Center-Hauptstadt Berlin bekommt erneut das Alexa (2,00). Als den kompetentesten Betreiber von Shopping Centern sehen die Mieter die Hamburger Firma ECE, die in Deutschland rund 100 Einkaufszentren managt.

Ein genauer Blick auf die Top 10 bringt eine interessante Erkenntnis: Einzelhändler sind offensichtlich die besseren Center-Betreiber. Obwohl ein insgesamt nur verschwindend geringer Anteil der knapp 400 abgefragten Einkaufszentren Handelsunternehmen gehören bzw. von ihnen geführt werden, sind sie in den Top 10 gleich fünf Mal vertreten: Die beiden Breuningerländer werden zwar von der ECE gemanagt, sind aber im Eigentum des gleichnamigen Stuttgarter Filialisten. Der Citti-Park (Platz 2) wird von dem SB-Warenhausfilialisten Citti geführt, das Famila Einkaufsland in Wechloy bei Oldenburg von der Bünting Unternehmensgruppe. Hinter dem Dodenhof-Center in Posthausen (Platz 8) schließlich steckt die Einzelhandelsgruppe Dodenhof.

Betrachtet man die Spitzengruppe nach Bundesländern, fällt die Dominanz von Baden-Württemberg auf. Fünf der besten zehn sind aus dem Südwesten der Republik: die beiden Breuningerländer, das Lago, die WilhelmGalerie und das Rhein-Center. Die Befürchtung, das Aufrüsten der Stuttgarter Innenstadt mit zwei neuen Einkaufszentren im letzten Herbst könne Städte im Umland wie Sindelfingen und Ludwigsburg unter Druck setzen, hat sich somit nicht bewahrheitet.

Überraschend sind die relativ vielen Brandenburger Center mit guten Noten. Allein vier von ihnen finden sich unter den ersten 20: Spitzkrug Multi Center (10), HavelPark in Dallgow-Döberitz (17), Oranienpark in Oranienburg (17) und Stern-Center in Potsdam (17). Zum Vergleich: Das nahe gelegene Berlin ist lediglich mit einem Center, dem Alexa auf Platz 17, in den Top 20 vertreten.

Auffällig schwach schneiden die Center in Nordrhein-Westfalen ab: lediglich fünf unter den ersten 50 Plätzen. Der Wettbewerb im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland ist anscheinend so gestiegen und so viele neue Center sind gebaut worden, dass nur wenige Einkaufszentren dem Handel zufriedenstellende Ergebnisse bescheren.

Dabei bestätigt das Ranking einen weiteren Trend: Es sind nicht unbedingt die neuen, architektonisch besonders spektakulären Konsumtempel, die dem Handel die größten Erfolge bescheren. Mit dem Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach bei Frankfurt (6) zum Beispiel hält sich das älteste deutsche Shopping Center (1964) seit Jahren in der Spitzengruppe. Neue Center hingegen haben oft große Probleme, sich in einem meist schon gesättigten Umfeld zu behaupten.

www.ecostra.de





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