DGE fordert klare Qualitätsregelungen in Ganztagsschulen

"Die Mittagsverpflegung sollte in Schulentwicklungs- und Gesundheitsförderungskonzepte der Schule eingebunden werden" so Prof. Helmut Heseker, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und an der Universität Paderborn mit der Lehrer-Ausbildung im Fach Ernährungslehre befasst. Ungünstiges Ess- und Trinkverhalten führt nach seinen Worten an der Schule nicht selten zu erheblichen Problemen wie Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit durch fehlendes Frühstück oder Mittagessen. Andererseits aber auch zu Müdigkeit nach fett- und kalorienreichem Mittagessen, denn: ein voller Bauch studiert nicht gern. Bedingt durch überreichliche Ernährung und zunehmende körperliche Inaktivität nahm der Anteil übergewichtiger Kinder von 1980 bis 1995 von 12 % auf 19 % zu. Grundlage der Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung in der Schule sind die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE 2000). Im Mittelpunkt stehen danach eine Auswahl abwechslungsreicher, fettarmer, gut schmeckender Lebensmittel, täglich frisches Obst und Gemüse, regelmäßig fettarme aber zugleich eiweißreiche Milch und Milchprodukte, über die Woche verteilt mageres Fleisch, einmal Fisch sowie gelegentlich ein Ei, täglich ballaststoffreiche (Vollkorn-)Getreideprodukte und reichlich ungesüßte oder wenig gesüßte Getränke. Dabei spielt eine warme Mahlzeit täglich eine wichtige Rolle für die Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Aber wie soll die Mittagsverpflegung der Schüler am besten organisiert werden? Favorit für die Verpflegung ist das Frischkostsystem, wo in der Schule das Essen frisch zubereitet wird. Wenn das aus praktischen Gründen nicht möglich ist, wird vor allem bei Teilnehmerzahlen unter hundert eine Aufbereitungsküche von gekühlten bzw. tiefgefrorenen Menükomponenten empfohlen, ergänzt durch frischen Salat und Obst. Ist lediglich eine kalte Verpflegung möglich, sollte insgesamt das Kioskangebot optimiert werden. Prof. Barbara Methfessel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg: "Erfahrungen zeigen, dass Schüler/innen bei einem gleichzeitigen Angebot von Standardkioskprodukten und einem optimierten Angebot eher zu ernährungsphysiologisch unerwünschten Produkten greifen." Also Riegel statt Obst sind die Konsequenzen falschen Ernährungsverhaltens. Nicht so gut weg kommen Warmverpflegungssysteme, weil durch Warmhalten die Qualität des Essens abnimmt. Auch Fast Food Catering bekommt schlechte Noten. Innerhalb der DGE entwickelt der "Arbeitskreis Ernährung und Schule" Ansätze, eine "gesunde Schule" im Hinblick auf eine vollwertige Ernährung zu entwickeln. Aus Sicht des DGE-Arbeitskreises sollten den neuen Erlassen und Verordnungen eindeutige Aussagen zur Qualität des Mittagessens gemacht werden, die wenig Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten lassen. Eine Angabe wie "Mittagessen/Mittagsimbiss" begründet z. B. keinen Anspruch auf ein vollwertiges oder warmes Mittagessen und kann bereits durch das Angebot am vorhandenen Schulkiosk erfüllt werden.



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