DGE fordert umfassende Maßnahmen zur Prävention von Übergewicht bei Kindern

-Anlässlich des Kongresses "Kinder und Ernährung", veranstaltet vom Bundesverbraucherministerium in Berlin-

Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen nehmen Häufigkeit und Schweregrad von Übergewicht und Adipositas in alarmierender Weise zu. Als "besorgniserregend" bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Situation in Bezug auf Übergewicht bei Kindern. Regionale Studien bestätigen den Trend auch für Deutschland. Nach Ansicht internationaler und nationaler Experten sind Übergewicht und Adipositas die derzeit größte Herausforderung für unser Gesundheitswesen.

Dies war Anstoß für den Kongress "Kinder und Ernährung", der vom Bundesverbraucherministerium am 8. Juli 2003 in Berlin veranstaltet wurde. Die wissenschaftliche Leitung hatte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE).



Anlässlich des Kongresses unterstreicht die DGE die Bedeutsamkeit des Problems und fordert eine Erweiterung der Präventionsmaßnahmen sowie - bei bereits manifestem Übergewicht - Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Um Übergewicht zu vermeiden, muss ein gesundheitserhaltendes und -förderndes Ernährungsverhalten erlernt und gefestigt werden. Es reicht nicht, nur auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten oder übergewichtige Kinder auf "Diät" zu setzen. Hier müssen neue Lebenskonzepte vermittelt werden, damit Kinder von klein auf lernen, richtig zu essen und sich (wieder) mehr zu bewegen. Wichtige Säulen zur Prävention des Übergewichts sind neben einer energiereduzierten, fettmoderaten, stärkebetonten und ballaststoffreichen Ernährung eine ausreichende Bewegung im Alltag der Kinder, die Verbesserung der Ernährungserziehung, Bewegungs- und Gesundheitsförderung in Schulen und Kindertagesstätten, die Integration von geeigneter Schulverpflegung sowie intensive Einbeziehung des sozialen Umfeldes, d. h. der Personen, die auf die Ernährungserziehung der Kinder einen Einfluss haben, wie Eltern, nahe Verwandte, Erzieher oder Lehrer. Ein wichtiger Schritt ist die Verhältnisprävention. Wenn die Verhältnisse, in denen die Kinder leben, "gesünder" werden, lassen sich Kinder auch leichter in die richtige Richtung lenken. Konkret heißt das z. B.: Anstatt in der Schule zu lehren, dass die Süßigkeiten am Schulkiosk "ungesund" sind, sollte vielmehr das Verpflegungsangebot in der Schule verbessert werden: Wünschenswert ist eine abwechslungsreiche, vollwertige und schmackhafte Verpflegung, die die Wünsche und Vorlieben der Schüler berücksichtigt. Somit verliert der Gang zum Schulkiosk in der Mittagspause an Priorität.



Die DGE fordert folgende gesellschaftliche Maßnahmen zur Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen:



* Die Ernährungserziehung und Gesundheitsförderung ist in Schulen zu etablieren und in den Lehrplan zu integrieren: Neben der Entwicklung eines einheitlichen Kerncurriculums mit wichtigen Ernährungs- und Gesundheitsthemen, der Aktualisierung von Schulbüchern auf den neuesten wissenschaftlichen Stand ist eine Ausweitung der Angebote für Lehrerfortbildungen im Bereich Ernährung wünschenswert, wie sie von einzelnen Sektionen der DGE bereits angeboten werden. Auch sollte dem Sportunterricht ein größerer Stellenwert zukommen.

* Die Mittags- und Pausenverpflegung sollte in Konzepte zur Bildung und Gesundheitsförderung miteinbezogen werden, um eine ausgewogene Verpflegung in den Schulalltag zu integrieren. Innerhalb der DGE entwickelt der Arbeitskreis "Ernährung und Schule" Ansätze, eine "gesunde Schule" im Hinblick auf eine vollwertige Ernährung zu entwickeln. Für die Schulen sind hierzu umfassende Hilfen zur konkreten Umsetzung notwendig. Die Entwicklung geeigneter Verpflegungskonzepte für die Gemeinschaftsverpflegung sowie Qualitätskontrollen für Großküchen oder Caterer sind entsprechende Aktivitäten der DGE.

* In den Erlassen und Verordnungen, die zurzeit von den Bundesländern zur Schulverpflegung erarbeitet werden, sollten eindeutige Aussagen zur Qualität des Mittagessens getroffen werden, die wenig Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten lassen. Eine Angabe wie "Mittagessen/Mittagsimbiss" gewährleistet z. B. keinen Anspruch auf ein vollwertiges oder warmes Mittagessen.

* Auch Mitarbeiter in Kindertagesstätten benötigen Anleitung und Weiterbildung in den Bereichen Ernährungserziehung und Mahlzeitenzubereitung. Eine Möglichkeit liefern die Fortbildungen und der Beratungsservice im Rahmen der Kampagne "FIT KID: Die Gesund-Essen-Aktion für Kitas".

* Fachkräfte aus den Bereichen Ernährung und Gesundheitsförderung sollten verstärkt auf die Problematik geschult und in ihrer Fachkompetenz gefördert werden. In Sachsen sind z. B. Ernährungsfachfrauen in diesem Bereich aktiv.

* Wissenschaftlichen Konzepten, die zur Prävention von ernährungsmitbedingten Erkrankungen erarbeitet werden, sollte der Weg zur Umsetzung geebnet werden.

* Es müssen umfassende, wissenschaftlich fundierte Programme zur Gewichtsreduktion erarbeitet und umgesetzt werden. Die Qualität dieser Programme ist kontinuierlich zu sichern und entsprechend zu kennzeichnen. Ein Therapie-Manual für Kinder wird zurzeit unter Mitarbeit der DGE entwickelt.


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