Buchtipp

Das isst Berlin – Das Hauptstadt-Kochbuch

Wer als Gastronom Geschichten erzählen kann, hat eine wichtige Erfolgszutat sicher. Geschichten und Anekdoten zu Speis‘ und Trank finden sich reichlich in diesem Kochbuch, das zudem noch bildgewaltig beschreibt, was ‘man‘ in der Hauptstadt derzeit speist.

In Deutschland ist es zweifellos die wilde Hauptstadt Berlin, in der die Foodtrends aus dem Ausland zuerst ankommen oder dort selbst kreiert werden. Das Kochbuch ‘Das isst Berlin‘ ist eine Sammlung all dessen, was derzeit von den Berlinern besonders gerne gegessen wird und kann Gastronomen als Checkliste oder sogar Inspiration für die eigene Speisekarte dienen.

In einer gelungenen Mischung aus Rezepten mit Fotos, launigen Texten und Stimmungen aus Berlin sind die 240 Seiten unterteilt in die Kapitel ‘Wochenend-Brunch & Kater-Frühstück‘, ‘Street-Food‘, ‘Multikulti an der Spree‘, ‘Mittagessen und After-Work‘, ‘Süßes zum Kaffee‘, ‘Partyhunger & Mitternachtshappen‘ und ‘Altberliner Klassiker‘. Ergänzt werden diese durch ein Vorwort, einige Restauranttipps und das Register.

Der Kapitelaufbau ist schlau gelöst, da zuerst einige Rezepte gezeigt werden, bevor in der Mitte dann meist vier Seiten Text und Bilder die Berliner Rahmenbedingungen und Atmosphären zum jeweiligen Thema einfangen. Die Rezensentin fühlt sich ertappt – würde dieser Text jeweils zu Beginn des Kapitels stehen, hätte sie die Seiten aus Neugier sofort überblättert. So ist man schon etwas gesättigt und freut sich über Einblicke in die Berliner Szene, Anekdoten, kulinarisch-historisches Hintergrundwissen und beiläufige Restauranttipps, bevor es weiter geht mit Rezepten aus der Rubrik.

Zu den Rezepten schreiben die Autoren im Vorwort: „Die Bulette bekommt asiatische Variationen zur Seite gestellt und übt den Schulterschluss sogar mit veganen Burgern. Der Gemüse-Döner ist inzwischen genauso Berlin wie das Streetfood Pulled Pork, Falafel längst ein Kreuzberger Traditionsgericht, Hummus der Mitte-Snack schlechthin, Pastrami-Sandwiches sind neben dem Schusterjungen mit Hackepeter keine Exoten mehr. ... Gastronomische Quereinsteiger tummeln sich auf den Streetfood-Märkten, internationale Spitzenköche eröffnen Restaurants an der Spree. … Unterstützt werden sie durch ein Heer von engagierten Produzenten in Stadt und Umland. Sie rösten hochwertigen Kaffee, produzieren erstklassige Schokolade, züchten Uckermärker Rinder, Havelländer Apfelschweine oder Müritzlämmer, bauen alte Gemüsesorten an oder halten sich eine Herde Wasserbüffel.“

Genau diese Vielfalt spiegeln die 90 Rezepte wider, die von Hoppel-Poppel-Happen-Pappen, Ostalgie-Ragout-Fin über Vietnamesische Sommerrollen mit Chilidip, Fattoush bis hin zu Wildkräutersalat JWD mit Navetten, Botschafterbuletten mit Schmorgurkengemüse oder Havelzander mit Dillkartoffeln eine gehörige Bandbreite abdecken. Ob es einer Zusammenbau-Anleitung für Currywurst mit Pommes oder für eine 'Stulle mit Belach' bedurft hätte, darüber ließe sich streiten – lesenswert sind aber auch in diesem Fall die dazugehörigen Anekdoten, die jedes Rezept ergänzen.

Erschienen im September 2016, Dorling Kindersley Verlag, 240 Seiten, 90 Rezepte, alle mit Foto, Hardcover, 24,95 €
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